Nach der MIPIM sprachen wir mit Dr. Manfred Wiltschnigg, Vorstand von GalCap Europe, über die zentralen Marktentwicklungen, seine Einschätzung zum Investoren-Sentiment sowie über die wachsende Bedeutung der Repositionierung von Assets. Zudem gibt er Einblicke in die CEE-Märkte und GalCaps Pläne für einen neuen Wohnfonds.
INTELLIGENT INVESTORS: Herr Dr. Wiltschnigg, die Immobilienmärkte haben in den letzten Jahren mit steigenden Zinsen, veränderter Nachfrage und geopolitischen Unsicherheiten zu kämpfen. Sehen Sie 2025 als Jahr der Stabilisierung – oder bleibt die Unsicherheit?
Dr. Manfred Wiltschnigg: 2025 wird ein Jahr der Differenzierung. Während einige Segmente Stabilität zurückgewinnen, bleiben andere unter Druck. Entscheidend ist, ob Immobilien an neue Marktbedingungen angepasst werden können – etwa durch neue Nutzungskonzepte, gezielte Revitalisierung und Ökologisierung. Die Repositionierung ihrer Assets wird für viele Investoren zur großen Herausforderung.
In West- und Osteuropa sind Büroimmobilien in den Hauptstädten wieder etwas stärker gefragt, während sekundäre Lagen und B‑Städte unter Druck bleiben. Der Wohnungsmarkt zeigt sich insgesamt robuster, vor allem in wachstumsstarken Städten wie Wien, aber auch in Warschau oder Prag. Sollte Bewegung in einen Friedensprozess in der Ukraine kommen, dann sollte dies die CEE-Märkte begünstigen.
II: Wo sehen Sie derzeit die größten Sorgen institutioneller Investoren – und welche Lösungen wurden in Cannes diskutiert?
Wiltschnigg: Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob Abwertungen erfolgen, sondern durch welche Maßnahmen man gegensteuert. Viele Portfolios enthalten Immobilien mit strukturellen Problemen: Leerstand, veraltete Nutzungskonzepte, ESG-Defizite. Gleichzeitig herrscht Zurückhaltung bei Neuinvestitionen.
In Cannes wurden diese Herausforderungen intensiv diskutiert. Wie macht man bestehende Objekte zukunftsfähig, ohne Renditen zu gefährden? Einigkeit bestand, dass Abwarten keine Strategie sein kann.
II: Passend zum Regenwetter hat sich damit in diesem Jahr der Fokus der MIPIM entsprechend vom Glamour zum Krisenmanagement verschoben?
Wiltschnigg: Ja, die Stimmung war schon gedrückt. Für viele institutionelle Investoren muss es um Repositionierung und Revitalisierung des Bestandes gehen. Nur das sichert Werte, langfristige Renditen und den späteren Wiederverkauf. Immobilien müssen aktiv weiterentwickelt werden.
Unsere Erfahrung in fünf europäischen Märkten zeigt: Gezielte Maßnahmen – von ESG-Optimierung bis zur Neuausrichtung von Flächen – reduzieren Leerstände und steigern Werte signifikant. Das ist vielleicht mit weniger Glamour verbunden, dafür aber mit mehr Rendite.
II: GalCap Europe ist führend, wenn es um Wohnimmobilien in Wien geht. Lässt sich dieses Modell auch auf andere Märkte übertragen?
Wiltschnigg: Wien kombiniert hohe Nachfrage, stabile Rahmenbedingungen und planbare Erträge. Der freifinanzierte Wohnbau hat sich als robuster Investmentsektor bewährt – dank flexibel gestaltbarer, langfristiger Mietverträge und einer stetig wachsenden Wohnbevölkerung.
Dieses Modell lässt sich auf andere westeuropäische Städte übertragen. Deshalb arbeiten wir an einem neuen Wohnimmobilien-Fonds für institutionelle Investoren, der im zweiten Halbjahr 2025 aufgelegt werden soll – mit Fokus auf resiliente Märkte und nachhaltige Ertragsstrategien.




