Nachhaltigkeit ist bei institutionellen Investoren Marktstandard. Zum Status quo, den Aussichten, dem Aspekt der Rüstung in Nachhaltigkeitsfonds und weiteren Ansatzpunkten bot Daniel Sailer, Head of Sustainable Investment Office, Metzler Asset Management, nähere Einblicke.
INTELLIGENT INVESTORS: Herr Sailer, aus der Adlerperspektive, wohin steuert die nachhaltige Geldanlage?
Daniel Sailer: Nachhaltige Geldanlage ist von der Nische zum Marktstandard geworden. Für uns bei Metzler AM heißt das: ESG ist nicht ‚Add-on‘, sondern integraler Bestandteil aller aktiv diskretionär gesteuerten Strategien – mit klaren Standards wie der Basisnachhaltigkeit und unserer Klimarichtline. Im Rahmen von Spezialfondsmandaten können diese individuell ergänzt werden. Die nächste Entwicklungsstufe, die wir bei unseren Kunden beobachten, ist ein stärkerer Fokus auf Dekarbonisierung und Transformation der Geschäftsmodelle. Diese Themen werden 2026 wichtiger sein als die Frage, ob ein Fonds den Begriff ‚nachhaltig‘ im Namen trägt.
II: Mit Blick auf die geopolitischen Risiken nehmen einige Vermögensverwalter inzwischen Rüstungsaktien in nachhaltige Fonds auf. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Sailer: Die sicherheitspolitische Lage verändert die Debatte, aber sie relativiert nicht jeden Maßstab. Wir führen einen offenen Dialog mit institutionellen Kunden darüber, wie sich Verteidigungsfähigkeit und Nachhaltigkeit verantwortungsvoll austarieren lassen.
II: Sie stehen dem Sustainable Investment Office vor. Kürzlich haben Sie ein Papier zum Tiefseebergbau veröffentlicht. Welches Fazit ziehen Sie?
Sailer: Unser ESG:update zeigt: Die wissenschaftliche Datenlage zur Tiefsee ist extrem dünn, die potenziellen Schäden für Ökosysteme sind jedoch irreversibel. Deshalb unterstützen wir das internationale ‚Business Statement Supporting a Moratorium on Deep Sea Mining‘ und haben Tiefseebergbau explizit in unsere Klimarichtlinie integriert. Solange Risiken, Regulierung und Haftungsfragen nicht geklärt sind, sehen wir keinen Raum für Investitionen in entsprechende Geschäftsmodelle.
II: Stichwort FNG-Siegel: Sechsmal 3 Sterne steht für Qualität. Welchen Stellenwert haben Siegel in der Investorenwahrnehmung?
Sailer: Das FNG-Siegel ist für viele Investoren ein wichtiges Qualitäts- und Vertrauenssignal. Alle Metzler-Fonds, die wir zur Bewerbung eingereichten, haben in diesem Jahr drei Sterne erhalten. Dass Metzler-Fonds bereits das fünfte Mal in Folge die Höchstwertung erzielen, unterstreicht die Konsistenz unseres ESG-Ansatzes. Denn entscheidend sind robuste Prozesse, klar formulierte Richtlinien und gelebte ESG-Integration.
II: Keine Diskussion ohne das Megathema Künstliche Intelligenz. Inwiefern kann die KI die nachhaltige Geldanlage stärken?
Sailer: Künstliche Intelligenz kann die nachhaltige Geldanlage auf mehreren Ebenen deutlich stärken. Für uns geht es dabei nicht darum, Anlageentscheidungen zu automatisieren, sondern die Qualität der Analyse spürbar zu erhöhen. KI hilft uns vor allem dort, wo die nachhaltige Finanzwelt bislang an Grenzen stößt: bei Datenlücken, Inkonsistenzen und der schieren Menge an Informationen.
II: Wie blicken Sie aus Nachhaltigkeitssicht auf 2026?
Sailer: 2026 wird ein Jahr der Umsetzung: Unternehmen bleiben auf Ihrem Transformationspfad. Für uns bedeutet das: noch stärkere Fokussierung auf klimarelevante Sektoren, Engagement mit klar messbaren Zielen und ein ESG-Reporting, dass mehr als nur Kennzahlen dokumentiert. Wenn wir das schaffen, kann nachhaltige Geldanlage ein wesentlicher Treiber der realwirtschaftlichen Transformation werden – nicht nur ihr Kommentator.




