Der weltweite Kernenergiemarkt expandiert trotz geopolitischer Unsicherheiten und steigender Tarife. Europäische und asiatische Entwicklungen sowie neue Finanzierungsstrukturen stärken den Status der Kernenergie als saubere Energie.
Die Kernenergielandschaft in Europa entwickelt sich weiter. Obwohl sich in Frankreich die endgültige Investitionsentscheidung für den Bau von sechs neuen Kernkraftwerken verzögert, gibt es in ganz Europa nach wie bemerkenswerte Impulse für die Kernenergie. Das italienische Kabinett hat einen neuen Rechtsrahmen für die Wiedereinführung der Kernenergie beschlossen, mit dem ein jahrzehntelanges Verbot aufgehoben werden soll. Belgien hat die Genehmigung der EU für staatliche Beihilfen zur Verlängerung der Laufzeit der Reaktoren Doel 4 und Tihange 3 erhalten. Dieser Schritt unterstreicht das anhaltende Engagement der EU für die Aufrechterhaltung der nuklearen Präsenz auf dem Kontinent. Weiterhin planen derzeit Polen, Schweden, Rumänien, Ungarn und Bulgarien den Bau weiterer Reaktoren.
Kernenergie zieht neues Kapital an
An der Finanzierungsfront zieht die Kernenergie weiterhin Investitionen an. So hat die Korea Hydro & Nuclear Power Co. die erste grüne Anleihe Asiens begeben, die speziell für die Finanzierung von Kernenergieprojekten bestimmt ist.
Damit wurde ein starker Präzedenzfall für andere Länder geschaffen und die wachsende Anerkennung der Kernenergie als saubere, nachhaltige Energiequelle unterstrichen. In ähnlicher Weise prüft Vietnam Staatsanleihen und Unternehmensanleihen mit staatlichen Garantien, um Nuklearprojekte zu finanzieren.
Indien spielt eine wichtige Rolle bei der globalen Kernenergie
In der Zwischenzeit entwickelt sich Asien, insbesondere Indien, zunehmend zu einem wichtigen Akteur in der globalen Kernenergieszene: Adani Power hat Pläne für den Bau einer 30-Gigawatt-Kernkraftanlage in den nächsten fünf Jahren angekündigt, während NTPC Ltd. und die Vedanta Group ebenfalls Erweiterungen im Bereich der Kernenergie prüfen. Da Indien seine Bemühungen hinsichtlich einer Dekarbonisierung beschleunigt, wird die Atomenergie eine wesentliche Rolle bei der Deckung des wachsenden Energiebedarfs spielen.
Einführung von US-Zöllen auf den Import von Uran hat Einfluss auf den Uranpreis
Die geopolitischen Spannungen auf dem Markt für Urananreicherung prägen den Sektor weiterhin. Das anhaltende Verbot russischer Uranimporte durch die Vereinigten Staaten und Russlands Vergeltungsmaßnahmen schaffen ein verändertes Umfeld für den Anreicherungssektor. Unternehmen wie Kazatomprom und die schweizerische Axpo Power haben langfristige Lieferverträge unterzeichnet, und die ukrainische Energoatom hat mit dem französischen Unternehmen Orano einen Vertrag über Anreicherungsdienstleistungen bis 2040 abgeschlossen.
In den USA könnte die drohende Einführung von Zöllen auf kanadisches Uran die Uranpreise in die Höhe treiben. Cameco, einer der größten Uranproduzenten der Welt, hat angedeutet, dass er höhere Kosten aufgrund von US-Zöllen an seine Kunden weitergeben würde. Dies würde wahrscheinlich zu einem Anstieg des Spotpreises führen, da Camecos überwiegend US-amerikanischer Kundenstamm von diesen Zöllen betroffen wäre.
Autorin: Roberta Caselli, Commodities Research Analyst, Global X




