Die Duration im globalen High-Yield-Segment ist auf ein historisches Tief gefallen. Aktuell liegt sie bei knapp über drei Jahren und damit deutlich unter dem langjährigen Mittelwert von über vier Jahren (s. Abb. 1). Im Vergleich zu früheren Phasen hat sich das Verhältnis von Laufzeit, Spread und Qualität verändert und damit auch die Maßstäbe für angemessene Bewertungen.
Unter normalen Marktbedingungen bewegen sich die Risikoaufschläge für Anleihen mit ähnlicher Laufzeit relativ nah beieinander. Die aktuelle Situation erschwert jedoch direkte Vergleiche mit historischen Zyklen. Gleichzeitig hat sich die Qualität des Anleiheuniversums verbessert: Die durchschnittliche Kreditwürdigkeit ist spürbar gestiegen. Zusammen mit der verkürzten Duration rechtfertigt dies grundsätzlich niedrigere Risikoaufschläge.
Historisch betrachtet erscheinen High-Yield-Spreads zwar erhöht, relativieren sich jedoch angesichts der verbesserten Kreditqualität und der kürzeren Duration. Das Segment weist heute zudem eine geringere Volatilität und ein reduziertes Ausfallrisiko auf.
Effektive Duration: Global-High-Yield (GHY, 2000 bis Juli 2025)

Abbildung 1: Global-High-Yield mit Rekordtief bei der Duration
Ursachen für den Rückgang der Duration
Das Volumen an High-Yield-Anleihen ist seit einigen Jahren rückläufig. Seit 2020 schrumpft der europäische Markt jährlich um rund drei Prozent, in den USA liegt der Rückgang bei etwa einem Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür ist die zunehmende Zahl von Heraufstufungen: Die sogenannten „Rising Stars“, Anleihen, die von High-Yield in Investment Grade aufgestiegen sind, übertreffen seit einigen Jahren die „Fallen Angels“, die aus Investment Grade in den High-Yield-Sektor herabgestuft werden.
Parallel dazu haben alternative Finanzierungswege wie Direktkredite und strukturierte Produkte Marktanteile gewonnen und den klassischen High-Yield-Markt zusätzlich verkleinert.
Seit 2022 ist zudem ein kontinuierlicher Anstieg der durchschnittlichen Kupons im High-Yield-Markt zu beobachten. Ältere Anleihen aus Niedrigzinsphasen werden zurückgezahlt, neue Anleihen mit höheren Kupons emittiert. Dies führt zu einer sinkenden Duration im Index, da höher verzinste Anleihen bei sonst gleichen Bedingungen weniger zinssensitiv sind.
Neben diesen Faktoren beeinflussen auch Änderungen der Spreads die Duration: Verengen sich die Spreads, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Refinanzierung, sodass Anleihen zum Call gehandelt werden – und die Duration sinkt. Weiten sich die Spreads, verbleiben Anleihen bis zur Endfälligkeit, wodurch die Duration steigt.
Einordnung der aktuellen Bewertung
Betrachtet man die Spreads im Verhältnis zur Duration, relativieren sich auffällige Bewertungsunterschiede. Während rein nominal betrachtet die Spreads niedrig erscheinen, zeigt eine historische Analyse auf Wochenbasis über mehr als zwanzig Jahre: Bezogen auf jede Duration-Einheit, hebt sich der aktuelle Wert weniger stark von früheren Phasen ab (s. Abb. 2). Die Spreads liegen zwar unter dem langfristigen Durchschnitt, das Segment ist jedoch weniger „überteuert“, als es auf den ersten Blick scheint.

Abbildung 2: GHY-Spread geteilt durch die effektive Laufzeit (2002 bis 2025)
Nachhaltige Qualitätsverbesserung
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Zusammensetzung des High-Yield-Universums stark verändert. Heute entfallen rund sechzig Prozent auf Emittenten mit der Ratingstufe Double‑B, während es zu Beginn der 2000er Jahre noch weniger als die Hälfte war. Der Anteil der niedrig bewerteten Emittenten ist entsprechend zurückgegangen. Für Investoren bedeutet das: Das fundamentale Kreditrisiko hat sich verringert, die Robustheit des Segments ist gestiegen.
Fazit
Auch wenn das Segment auf den ersten Blick teuer erscheint, zeigt eine differenzierte Betrachtung ein anderes Bild. Unter Berücksichtigung der niedrigeren Duration und der verbesserten Kreditqualität bleibt globales High-Yield eine attraktive Anlageoption. Das Segment bietet begrenztes Risiko und solide Renditechancen insbesondere in einem Umfeld erhöhter Zinsvolatilität und unsicherer Perspektiven an den traditionellen Märkten.
Autor: Mitch Reznick, Group Head of Fixed Income bei Federated Hermes Limited




