Infrastruktur ist essenziell. Zu einer guten Infrastruktur gehören beispielsweise Verkehrswege und auch die Strom- und Wasserversorgung. Dazu gehören auch das Beförderungssystem, gute Internetverbindungen, Freizeiteinrichten, Krankenhäuser oder Altenheime. Je besser das alles vorhanden ist, umso besser ist nicht nur die Wirtschaft ausgestattet. Auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen, die in dieser Gegend wohnen, werden dadurch nachhaltig verbessert. Markus Niedermeier ist Geschäftsführer der LHI Gruppe. Mit ihm sprachen wir über den USP der LHI, den Fokus der Investitionen und schauten gemeinsam auf die künftigen Pläne.
INTELLIGENT INVESTORS: Herr Niedermeier, die LHI wurde vor mehr als 50 Jahren gegründet. Wofür steht Ihr Haus bzw. worin sehen Sie Ihren USP?
Markus Niedermeier: Die LHI ist sowohl ein führender Anbieter von Leasingprodukten als auch ein Anbieter von Kapitalanlageprodukten bzw. ein Investmentmanager. Damit kann die LHI Gruppe auch Leasingmodelle unter Einbindung von Investorenmitteln anbieten und so für Investoren und Unternehmenskunden optimale Lösungen strukturieren. Dies kann vor allem bei sachwertgebundenen Infrastrukturfinanzierungen wie z. B. Erneuerbare Energien-Anlagen, Netzen, Zügen, Flugzeugen aber auch Schulen, Universitäten, Polizeigebäude oder Feuerwachen mit einer langfristigen Vertragslaufzeit, ein entscheidender Vorteil sein. In der Vergangenheit gab es Wettbewerber mit ähnlichen Geschäftsmodellen. Veränderungen in den rechtlichen Rahmenbedingungen haben dazu geführt, dass sich einige Wettbewerber aus dem Immobilienleasing verabschiedet haben und sich nunmehr als reine Anbieter von Kapitalanlageprodukten bzw. als Investmentmanager für Sachwertinvestments positionieren. Damit ist nach unserer Kenntnis das Geschäftsmodell der LHI Gruppe in Deutschland mittlerweile einzigartig. Für die LHI ist die Beibehaltung der Kombination von aktivischem und passivischem Produktangebot ein wichtiger strategischer Faktor.
II: Das laufende Jahr ist herausfordernd. Krisenherde und Gezänk überall. Wie schauen Sie auf den Geschäftsverlauf der vergangenen Monate zurück?
Niedermeier: Die Unsicherheit der letzten Monate macht sicherlich die Planung nicht einfacher. Im Ergebnis stellen wir aber fest, dass es für die LHI Gruppe bisher kein Nachteil ist. Die LHI Gruppe hat seit Gründung im Jahr 1973 jedes Jahr mit Gewinn abgeschlossen. Aufgrund dieser hohen Stabilität sowie unserer strategischen Ausrichtung haben wir mehrere Anfragen zur Übernahme bestehender Mandate im Immobilienbereich erhalten. Zudem spüren wir, dass der auch politisch gewollte Ausbau von Infrastrukturprojekten verschiedener Art und der damit einhergehenden notwendigen Finanzierung, zu zusätzlichen Neugeschäftsanfragen führt. Wir gehen also insgesamt davon aus, dass wir unsere Jahresziele erreichen.
II: Einer Ihrer Schwerpunkte liegt in Investitionen in sozialen und öffentlichen Infrastrukturimmobilien. Was sind Charakteristika dieser Immobilien?
Niedermeier: Die Charakteristika dieser Immobilien liegen darin, dass die Nutzung der Immobilie der Gesellschaft und damit dem Gemeinwohl dienen sollte. Zum Beispiel Bildungsimmobilien, Feuerwachen, Polizeigebäude etc. Bildung und Sicherheit sind elementare Teile der Daseinsvorsorge und eine zentrale Säule des Wohlstands. Um Wissen zu vermitteln, braucht es Bildungseinrichtungen, die allen Menschen eines Landes zur Verfügung stehen. Bezüglich des Vertragswerkes sind lange Laufzeiten bis zu 30 Jahren ebenso charakteristisch wie 100 % Vermietungsquoten und im Falle von öffentlichen Gebäuden die öffentlich-rechtliche Bonität des Zahlungsstromes. Dies führt typischerweise auch zu einer hohen Wertstabilität während der Vertragslaufzeit.
Ii: Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang das von der Regierung geplante Infrastruktur-Sondervermögen?
Niedermeier: Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass zusätzliche Förderanreize das gesamte Finanzierungsvolumen in diesem Bereich steigern. Insofern auch das Geschäftsvolumen sowie die Finanzierungsmöglichkeiten für die Privatwirtschaft. Es ist daher aus unserer Sicht mittelfristig zu erwarten, dass es für interessierte Anleger mehr geeignete Produkte in diesem Segment geben wird.
II: Welche Rolle nehmen nachhaltige Kriterien bei Ihren Investments ein?
Niedermeier: Grundsätzlich gehen wir in diesem Segment davon aus, dass Investments in solche Infrastrukturimmobilien per se einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Bei der (aufsichts-) rechtlichen Ausgestaltung des ESG-Konzepts für das Produkt richten wir uns nach dem Investorenwunsch.
II: Ein weiteres Standbein der LHI sind Erneuerbare Energien. Wie stellt sich die Lage hier im zweiten Halbjahr dar? Wo werden Sie regional fündig?
Niedermeier: Um die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa zu gewährleisten und die gesteckten Ziele zur CO2-Reduktion zu erreichen, ist ein langfristiger Ausbau erneuerbarer Energien nach wie vor notwendig. Schwerpunkt sind derzeit Wind- und Solarparks in Deutschland. Teilweise auch mit Speichern.
II: Inwiefern sind erneuerbare Energien derzeit, auch aufgrund der aktuellen Renditen, ein sinnvoller Baustein für das Portfolio von institutionellen Investoren?
Niedermeier: Investments in Erneuerbare Energien sind aufgrund der spezifischen Marktgegebenheiten grundsätzlich wenig korreliert mit dem Kapital- oder Immobilienmarkt. Insofern stellen Investments in Erneuerbare Energien für viele Investoren eine sinnvolle Portfoliodiversifikation dar. Nachdem die Versorgungssicherheit neben der CO2-Reduktion ein sehr wichtiger Aspekt für Wirtschaft und Gesellschaft darstellt, gehen viele Investoren und auch wir davon aus, dass Investments in Erneuerbare Energien einen langfristig stabilen Verlauf nehmen werden. Kurz- bis mittelfristig kann es durch Produktionsschwankungen und Preisschwankungen am Strommarkt jedoch zu entsprechenden Ertragsschwankungen kommen. Daher ist es wichtig, durch entsprechende Vertragsgestaltungen eine möglichst gute Vorsorge zu treffen. Wir setzen daher darauf, stärker mit Energieversorgungsunternehmen zusammenzuarbeiten. Die IRR Renditeerwartung für neue Parks liegt derzeit bei über 7 %.
II: Wie schaut die LHI auf die kommenden Monate? Welche Pläne haben Sie?
Niedermeier: Wir werden uns voraussichtlich noch stärker auf das Thema Infrastrukturfinanzierung fokussieren und das über alle Geschäftsbereiche und Assetklassen hinweg. Konkret sind das unter anderem Infrastrukturimmobilien, Züge und Energieversorgung. Wir denken, dass wir in diesem Bereich unseren USP am besten ausspielen und gleichzeitig interessante und stabile Angebote für unsere Kunden strukturieren können.




