Infrastruktur am Wendepunkt

Infrastruktur ist das Mark einer Gesellschaft. Sie muss nachhaltig funktionieren, um das Miteinander und künftigen Fortschritt zu gewährleisten. Dr. Peter Brodehser ist Fondsmanager des DWS Infrastruktur Europa. Mit ihm sprach die Chefredaktion über die vielfältige Thematik der Infrastruktur und die Produkthighlights.
24. September 2025
Dr. Peter Brodehser - Foto: Copyright DWS

Infrastruktur ist das Mark einer Gesellschaft. Sie muss nachhaltig funktionieren, um das Miteinander und künftigen Fortschritt zu gewährleisten. Dr. Peter Brodehser ist Fondsmanager des DWS Infrastruktur Europa. Mit ihm sprach die Chefredaktion über die vielfältige Thematik der Infrastruktur und die Produkthighlights.

INTELLIGENT INVESTORS: Herr Dr. Brodehser, inwiefern ist das geplante Sondervermögen für Infrastruktur ein Gamechanger für die deutsche Wirtschaft?

Dr. Peter Brodehser: Infrastruktur war auch bisher eines der wesentlichen Investitionsfelder und bildet schlichtweg das Rückgrat einer jeden Wirtschaft. Die Bedeutung dieses Rückgrats für die Volkswirtschaft kann man gar nicht überschätzen. Und dies ist auch völlig unabhängig davon, welche Partei gerade Entscheidungen trifft. Infrastruktur adressiert die Basisbedürfnisse einer Bevölkerung. Salopp formuliert: Wir verzichten lieber auf einen Restaurantbesuch, als dass wir zu Hause das Licht ausschalten oder die Heizung drosseln. Ich bin daher sehr froh, dass nunmehr auch die Bereiche über das Sondervermögen eine bessere Chance auf Finanzierung haben, die bislang Schwierigkeiten hatten, bei privaten Investoren hinreichende Gelder einzuwerben. Es entstand in den letzten Jahren zunehmend mehr eine Finanzierungslücke. Das gilt vor allem für Stromnetze und Stadtwerke. Dort wird meines Erachtens ein großer Teil der staatlichen Gelder zum Einsatz kommen. Wir benötigen im Gegensatz hierzu jedoch keine staatlichen Gelder, um noch einen Windpark oder noch einen Solarpark zu bauen. Das können private Investoren besser. Das Wichtige an dem 500-Milliarden-Euro-Paket ist jedoch: Deutschland zeigt damit, dass wir wieder investieren, statt zu verwalten.

II: In welcher Verfassung präsentiert sich die deutsche Infrastruktur aktuell, auch im Vergleich zu anderen Staaten?

Dr. Brodehser: Ich weiß, wir schimpfen viel über marode Brücken, langsames Internet und unzuverlässige Züge. Wir liegen eher im Mittelfeld, sind aber keinesfalls das Schlusslicht. Wir haben immer noch eine vergleichsweise stabile Energieversorgung. Und Dienstleistungen im Bereich der Telekommunikation, des Transports und der sozialen Infrastruktur werden flächendeckend – inklusive der ländlichen Areale – bereitgestellt. Das ist nicht überall so. Mittelfeld heißt aber auch, dass uns einige Länder überholt haben. Deutschland lebt von der Substanz. Wir nutzen die Infrastruktur von gestern und investieren zu wenig in die von morgen. Wir müssen jetzt wieder unsere Investitions-Taktung erhöhen. Das Sondervermögen kommt also genau zur rechten Zeit.

II: Sie stehen dem Team des DWS Infrastruktur Europa vor. Können Sie uns die Merkmale dieses Fonds kurz darlegen?

Dr. Brodehser: Der DWS Infrastruktur Europa ist ein sogenannter offener Fonds, ein Evergreen. Investoren können in diesen Fonds investieren und – unter Berücksichtigung einer Kündigungsfrist – auch wieder aussteigen. Das macht illiquide Investments in Teilen liquide. Des Weiteren kann man ab einem Betrag von rund 50 Euro in diesen Fonds investieren. Damit senken wir für die Investoren die Markteintrittsbarrieren für diese Assetklasse. Wir verfolgen mit unserem Fonds eine Core-Strategie. Das ist das konservativste Segment im Bereich Infrastruktur. Der Fonds eignet sich daher sehr gut sowohl für institutionelle Investoren wie auch für Privatanleger. Außerdem investieren wir überwiegend in bereits im Betrieb befindliche Projekte, so dass sofort regelmäßige Ausschüttungen erfolgen können.

II: Gibt es denn genügend Projekte, in die Sie investieren können?

Dr. Brodehser: In Europa warten aktuell riesige Vorhaben auf eine Finanzierung. Die Energiewende erfordert zahllose neue Wind- und Solarparks, Netze und Speicher, um fossile Energien zu ersetzen. Aktuell haben wir in Europa einen Anteil von 20 % Erneuerbarer Energien an der gesamten Energie-Erzeugung. Wenn Deutschland bis zum Jahre 2045 CO2-neutral sein möchte, dann heißt dies, dass wir rund 80 % unserer Erzeugungskapazitäten in den nächsten Jahren ersetzen müssen. Da reden wir über Projektberge, die es zu finanzieren gilt. Auch Verkehrsinfrastruktur und öffentliche Bauten haben einen immensen Investitionsstau. Es mangelt selten an Ideen, vielmehr am Geld. Als Investoren können wir aus dem Vollen schöpfen. Wenn eine steigende Anzahl von Projekten auf eine konstante Geldmenge trifft, sind attraktive Renditen für Investoren möglich. Eine große Hürde ist aber die lange Genehmigungsdauer neuer Projekte.

II: Im Rahmen der Planbarkeit der Stromversorgung und der Versorgungssicherheit spielen Batteriespeicher eine zunehmend größere Rolle. Würden Sie uns das ausführen?

Dr. Brodehser: Batteriespeicher machen Erneuerbare Energien planbar. Sie speichern überschüssigen Solar- und Windstrom und geben ihn bei Bedarf wieder ab. Sie glätten Schwankungen und stabilisieren das Netz, was die Versorgungssicherheit erhöht. Ohne sie wäre eine 100 % erneuerbare Stromversorgung kaum machbar; mit ihnen wird das Stromsystem robust und kalkulierbar. Batteriespeicher sind gewissermaßen die Versicherung der Energiewende.

II: Inwiefern sind Infrastrukturinvestments ein Mittel, um das gesamte Portfolio zu diversifizieren? Wo liegen hierbei die Vorteile?

Dr. Brodehser: Die Erträge – ob aus Stromnetzen, Mautstraßen oder Funktürmen – korrelieren kaum mit dem Auf und Ab der Börsen. Strom, Verkehr und Kommunikation werden immer gebraucht. Daher können Infrastrukturprojekte auch in Krisenzeiten stetige Einnahmen liefern und das Depot stabilisieren. Zudem bieten viele Projekte Inflationsschutz, weil beispielsweise Gebühren an Preisindizes gekoppelt sind. Unterm Strich können sich Anleger mit Infrastruktur die Rendite im Portfolio stabilisieren und das Gesamtrisiko reduzieren.

II: Zum regulatorischen Rahmen: ELTIF 2.0 oder Infrastruktur-Sondervermögen – welches Modell bietet die besseren Chancen für Investoren?

Dr. Brodehser: In einem bildlichen Vergleich käme das der Frage gleich, welcher Teller dem Gast im Restaurant den besten kulinarischen Genuss beschert. Es kommt aber darauf an, was auf dem Teller ist. Sehr vergleichbar verhält es sich mit einem Fonds. Entscheidend ist der Manager mit seiner Strategie. Im zweiten Schritt kann man dann schauen, ob man sich eher auf Infrastruktur fokussieren und Anleger primär in Deutschland ansprechen möchte. Da hat das Infrastruktur-Sondervermögen die Nase vorn. Bevorzugt man jedoch eher einen Multi-Asset-Ansatz und möchte den Fonds in mehreren Ländern anbieten, dann ist der ELTIF besser. Beide Modelle haben ihre Berechtigung.

II: Wie blicken Sie in die Zukunft?

Dr. Brodehser: Es ist selten, dass man sowohl von Investoren als auch von der Politik so viel Rückenwind bekommt. Dafür bin ich dankbar. Und ich werde meiner Strategie treu bleiben – seit über 20 Jahren: Wenn der Mainstream zögert, beginnt unser Spielfeld!

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