Indien auf Wachstumskurs: Neue Partnerschaften als Schlüssel zum Erfolg

Indiens Wirtschaft ist weiter auf rasantem Wachstumskurs. Das mit 1,5 Milliarden Menschen bevölkerungsreichste Land der Welt dürfte heuer stärker wachsen als der Rest Asiens. Der Weltwährungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für Indien zuletzt auf 6,5 Prozent für heute und das kommende Jahr angehoben. Für den gesamten asiatischen Raum erwartet der IWF für 2026 nur ein Wachstum von 4,4 Prozent (siehe Abbildung 1). Indiens ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 4 Billionen Dollar derzeit je nach Datenquelle die fünft- bzw. sechstgrößte Volkswirtschaft, könnte aber vielen Expert:innen zufolge mittelfristig auf den vierten oder sogar dritten Platz aufrücken (siehe Abbildung 2).
18. Mai 2026
Gabriela Tinti - Foto: Copyright Erste AM

Indiens Wirtschaft ist weiter auf rasantem Wachstumskurs. Das mit 1,5 Milliarden Menschen bevölkerungsreichste Land der Welt dürfte heuer stärker wachsen als der Rest Asiens. Der Weltwährungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für Indien zuletzt auf 6,5 Prozent für heute und das kommende Jahr angehoben. Für den gesamten asiatischen Raum erwartet der IWF für 2026 nur ein Wachstum von 4,4 Prozent (siehe Abbildung 1). Indiens ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 4 Billionen Dollar derzeit je nach Datenquelle die fünft- bzw. sechstgrößte Volkswirtschaft, könnte aber vielen Expert:innen zufolge mittelfristig auf den vierten oder sogar dritten Platz aufrücken (siehe Abbildung 2).

Abbildung 1: Indiens Wirtschaft im Aufschwung

Quelle: IWF/EU-Kommission, Stand: 20.04.2026

Abbildung 2: Wirtschaftsdaten im internationalen Vergleich, Prognose 2026

Quelle: IWF/EU-Kommission, Stand: 20.04.2026

Das Land profitiert dabei von seiner jungen Bevölkerung, seinem boomenden IT-Sektor, setzt zuletzt aber auch verstärkt auf internationale Partnerschaften. Indien positioniert sich dabei als verlässlicher Partner in einer Zeit, in der viele Länder ihre Abhängigkeit von den zunehmend als unsicher empfundenen Handelspartnern USA und China verringern wollen.

Historisches Handelsabkommen mit der EU öffnet Weg in indischen Markt

Zu Beginn des Jahres 2026 haben sich die EU und Indien nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Gemeinsam repräsentieren beide Seiten nahezu ein Viertel des weltweiten BIP und der Weltbevölkerung. Das Abkommen ebnet den Weg für die Öffnung des bisher stark abgeschotteten indischen Marktes für Unternehmen aus der Europäischen Union, die bereits jetzt der größte Handelspartner des Landes ist.

Abbildung 3: Außenhandel mit der EU 2024

Quelle: IWF/EU-Kommission, Stand: 20.04.2026

Noch schützt Indien seine Wirtschaft mit hohen Zöllen, das soll sich nun jedoch mit dem neuen Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ändern. Es sieht vor, dass die EU ihre Zölle auf über 90 Prozent der Produkte abschafft und Indien rund 86 Prozent der Zollpositionen liberalisiert. Die EU erwartet, dass das Abkommen bis 2032 zu einer Verdoppelung der EU-Exporte nach Indien führen werde.

Staatschefs setzen auf verstärkte Kooperation mit Indien

Auch einzelne EU-Länder vertiefen derzeit ihre Kooperation mit Indien. Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte Modi bereits im Januar dieses Jahres bei einer Asien-Reise und setzt verstärkt auf Indien als Handelspartner und attraktiven Standort für deutsche Unternehmen.

Indien wirbt aber auch in anderen Regionen für neue Partnerschaften. Südkoreas Präsident Lee Jae Myung hat Modi im April ebenfalls einen Staatsbesuch abgestattet, die erste Visite eines südkoreanischen Präsidenten seit acht Jahren. Die beiden Staatschefs haben sich dabei auf verstärkte wirtschaftliche Kooperationen, etwa im Schiffsbau, geeinigt.

IT-Hotspot Bengaluru

Indien ist einer der führenden Innovationsstandort in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Biotechnologie und Digitalisierung und als fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt ein wichtiger Handelspartner für Deutschland und Berlin.

Besonders interessant macht Indien dabei sein boomender IT-Sektor. Der Hotspot von Indiens IT-Branche ist Bengaluru. In der 13 Millionen Einwohner großen Stadt tummeln sich derzeit rund 25.000 IT-Unternehmen. Angesichts der hohen Dichte an IT-Ingenieuren in dem Land haben zahlreiche internationale Konzerne Forschungszentren in der Stadt aufgebaut. Auch Berlin hat in der indischen IT-Metropole zuletzt ein Auslandsbüro eröffnet. Das „Berlin Business Office India“ soll als zentraler Anlaufpunkt für Berliner Unternehmen und Start-ups dienen, die den indischen Markt erschließen möchten.

Indiens Export-Strategie

Indiens Regierung hat zuletzt neue Exportförderungen beschlossen um die Industrie des Landes auszubauen. Die Ausfuhren sollen bis zum Jahr 2035 verdreifacht werden. Die Regierung will die Produktion in 15 Branchen stärken, darunter Halbleiter, Metalle und die arbeitsintensive Lederindustrie.

Die Regierung will dafür rund eine Milliarde Dollar für den Aufbau der Infrastruktur von etwa 30 Produktionszentren ausgeben. Zudem seien Zuschüsse von 218 Millionen Dollar für Zukunftstechnologien wie Chips und Energiespeicher vorgesehen.

Indien hat jedoch trotz seiner starken IT-Branche den Weg zu einer primär von Industrie- und Dienstleistungen getragenen Wirtschaft teilweise noch vor sich. 42 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur rund 1,2 Prozent (2025, Destatis).

Gabriela Tinti, Head of Desk Equities Austria bei Erste Asset Management GmbH

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