In Frankreich stehen schwierige Verhandlungen bevor

Wie allgemein erwartet, verlor der französische Premierminister Bayrou gestern das Vertrauensvotum, was zum Zusammenbruch der nächsten französischen Regierung führte. Die Anleihenmärkte werden aber wohl deshalb nicht aus der Bahn geraten, sagt Dario Messi, Head of Fixed Income Analyst bei Julius Bär:
9. September 2025
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Wie allgemein erwartet, verlor der französische Premierminister Bayrou gestern das Vertrauensvotum, was zum Zusammenbruch der nächsten französischen Regierung führte. Die Anleihenmärkte werden aber wohl deshalb nicht aus der Bahn geraten, sagt Dario Messi, Head of Fixed Income Analyst bei Julius Bär:

„Nach dem verlorenen Vertrauensvotum ist Präsident Macrons bevorzugte Alternative nun die schnelle Ernennung eines neuen Premierministers, der versuchen wird, in den hitzigen Haushaltsgesprächen eine Einigung zu erzielen. Sollte dies nicht gelingen, sind vorgezogene Neuwahlen weiterhin möglich. In jedem Fall spiegeln die aktuellen Entwicklungen eine Herausforderung wider, für die es nur begrenzt einfache Lösungen gibt: fragile Regierungen inmitten einer zersplitterten politischen Landschaft. Daher bleibt die Unsicherheit hoch, aber wir gehen nicht davon aus, dass die Anleihemärkte aus der Bahn geraten werden.

Beide Extreme des politischen Spektrums fordern Neuwahlen und werden daher wahrscheinlich keinen Versuch zur Bildung einer neuen Regierung unterstützen. Wichtig ist, dass jeder neue Kandidat in einer guten Position für schwierige Haushaltsverhandlungen sein muss, die der Hauptgrund für die aktuelle politische Krise sind. Die Haushaltsdefizite sind hoch, und es ist schwierig, einen gemeinsamen Nenner für die notwendigen Ausgabenkürzungen zu finden. Ein Kompromiss ist zwar – angesichts der begrenzten Anreize, die Neuwahlen für die wichtigsten Parteien bieten – weiterhin möglich. Dennoch bleiben vorgezogene Neuwahlen ein Risiko, wenn die Bemühungen zur Regierungsbildung scheitern. Insgesamt besteht die aktuelle Herausforderung in allen Szenarien darin, dass es nur begrenzten Spielraum für eine einfache Lösung gibt: fragile Regierungen inmitten einer fragmentierten politischen Landschaft.

Dennoch spiegelt sich die politische Prämie bereits in den Vermögenspreisen wider. Im Vorfeld der Vertrauensabstimmung stieg der Spread zwischen 10-jährigen deutschen und französischen Staatsanleihen erneut auf 80 Basispunkte, nachdem er im Vergleich zu anderen Ländern der Eurozone bereits seit einiger Zeit erhöht war. Während die Defizite als untragbar angesehen werden, ist die aktuelle Schuldenbelastbarkeit Frankreichs unserer Meinung nach immer noch relativ hoch, da das Land von einer sehr langen Phase außergewöhnlich niedriger Finanzierungskosten profitiert hat. Mit anderen Worten: Vorgezogene Neuwahlen (oder im schlimmsten Fall Macrons Rücktritt) könnten zu einer weiteren Ausweitung führen. Aber wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen begrenzt bleiben und die Anleihemärkte nicht aus der Bahn geraten werden.“

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