HighlightMärkteHistorische Konzentration am Aktienmarkt spricht für aktives Risikomanagement

Die Erholung des Marktes auf historische Höchststände in den letzten Monaten ist höchst ungewöhnlich. Wir glauben, dass das Marktrisiko erhöht ist und dass indexbasierte Strategien zu stark auf jene hoch bewerteten Aktien konzentriert sind, die nach der fulminanten Erholung zu historischen Extremwerten gehandelt werden.
25. November 2020
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Die Erholung des Marktes auf historische Höchststände in den letzten Monaten ist höchst ungewöhnlich. Wir glauben, dass das Marktrisiko erhöht ist und dass indexbasierte Strategien zu stark auf jene hoch bewerteten Aktien konzentriert sind, die nach der fulminanten Erholung zu historischen Extremwerten gehandelt werden.

Tatsächlich hat die Rallye in einem bemerkenswert engen Marktsegment stattgefunden. Im breiten Russell 1000®-Index hingegen ist die Zahl der Aktien, die den Index in diesem Jahr übertroffen haben, so gering wie seit der Technologieblase von 1998–1999 nicht mehr.

Betrachtet nach Sektoren waren es die zyklischen Konsumgüter und die Informationstechnologie, die den Markt mit großem Abstand geschlagen haben. Betrachtet nach Investmentstilen waren es praktisch nur die Faktoren hohe Wachstumsraten, Profitabilität und Momentum. Der Performance­unterschied zwischen Unternehmen mit hohem und niedrigem Wachstum ist so groß wie seit 1999 nicht mehr. Die Spanne zwischen hoher und niedriger Profitabilität und teuren und billigen Aktien ist die größte in den 25 Jahren, in denen wir die Daten verfolgen. Und auch beim Faktor Momentum ist die Spanne die größte seit 2008.

Investoren zahlen also möglicherweise zu viel für die Large-Cap-Technologieaktien, die auf historisch hohe Niveaus gestiegen sind. Sie werden mit dem mehr als 32-fachen ihres Gewinns gehandelt – im Vergleich zum 18-fachen Gewinnen bei großen Value-Titeln. Das erinnert an die Technologieblase und die Ereignisse der Finanzkrise. Und die „mean reversion“, die langfristige Annäherung an den Mittelwert, gibt es wirklich: Historisch gesehen haben sich diese Beziehungen im Laufe der Zeit tendenziell umgekehrt oder sind wieder “normal” geworden.

Big Tech vor Regulierungsrisiken

Doch es geht nicht nur um hohe Bewertungen. Wir sehen auch ein Risiko in der Regulierung. In den USA und in Europa sind Big-Tech-Firmen mit kartellrechtlichen Bedenken, Fragen des Schutzes der Privatsphäre und dem Vorwurf der Verbreitung von Des­informationen konfrontiert. Auch Steuer­vermeidung ist ein Thema, das virulent werden könne, sobald die entwickelten Länder bei der Bekämpfung von Steuervermeidungsstrategien zusammenarbeiteten.

Eine Trendumkehr kann scharf und plötzlich erfolgen. Eine diversifizierte Mischung aus klein‑, mittel- und großkapitalisierten Aktien („Size“) verringert dann das Risiko. Eine Mischung aus Growth und Value kann sich ebenfalls positiv auf die Performance auswirken, da sich die lange Periode einer überdurchschnittlichen Performance von Growth-Titeln in der Zukunft umkehren könnte. Als Value-Investoren glauben wir, dass ein Übergewicht einer Handvoll großer Technologieunternehmen ein Abwärtsrisiko darstellt und die historisch hohe Konzentration am Aktienmarkt für aktives Risikomanagement spricht.

Gleichzeitig wäre es aber falsch, im Zuge einer möglichen Rotation von Growth zu Value zu über­sehen, dass es auch in anderen Sektoren als der Technologie Unternehmen gibt, die ihre Einnahmen und Gewinne schneller steigern als der Durchschnitt ihrer Branche oder des Marktes insgesamt. Häufig hat ein traditionelles Wachstumsunternehmen ein innovatives Produkt oder eine Dienst­leistung entwickelt, mit denen Marktanteile gewonnen, neue Märkte erschlossen oder sogar völlig neue Geschäftsmodelle definiert werden.

So besteht die größte Herausforderung darin, zu erkennen, wie lange das Wachstum des Cashflows anhält und ob es gegen Veränderungen des Geschäfts verteidigt werden kann. Mehrere Investitions­themen im Gesundheitswesen und in der Technologie haben das Potenzial, ihr Geschäft zu trans­formieren – etwa Cloud Computing, 5G-Netzwerke in der Telekommunikation, Krebsbehandlung und neue Tools in der Arzneimittelforschung.

Unabhängig von solchen Portfolio-Überlegungen sehen wir, dass die makro-ökonomischen Daten zu Beschäftigung, Fertigung und Einzelhandelsumsätzen nach wie vor positiv sind, sich das Tempo aber verlangsamt. Unseres Erachtens besteht weiterhin erheblicher Gegenwind. Wir sind besorgt, dass die nachlassende fiskalische Unterstützung, ein potenzieller Anstieg der Zahl der Coronavirus-Fälle und politische Unsicherheit den Aufschwung verzögern könnten. Das Wachstum wird möglicherweise erst Ende 2021 wieder das Niveau vor dem Virus erreichen.

Victor Zhang, ACI

Gastkommentar von Victor Zhang, Chief Investment Officer bei der Fondsgesellschaft „American Century Investments“

Beitragsfoto: © tomertu — stock.adobe.com

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