Recht & SteuernGute Governance schafft Mehrwert bei Investitionsentscheidungen

7. Oktober 2020
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In der öffentlichen Diskussion über Nachhaltigkeit und die ESG-Kriterien Environment, Social und Governance wird dem Kriterium der guten Unternehmensführung nicht immer höchste Bedeutung zugemessen. Dabei ist ohne gute Governance erfolgreiches Wirtschaften nicht möglich.

Das Thema ESG (Environment, Social, Governance – Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) gewinnt in der Investmentwelt immer mehr an Bedeutung. Das zeigen aktuellen Daten des Forums nachhaltige Geldanlage (FNG). Die Privatanleger in Deutschland haben ihre Investments in Nachhaltige Geldanlagen in 2019 von 9,4 Milliarden Euro auf 18,3 Milliarden Euro gesteigert und damit zu 18 Prozent zum Gesamtwachstum Nachhaltiger Geldanlagen beigetragen. Stand Ende 2019 waren insgesamt 269,3 Milliarden Euro in Anlageprodukte investiert, die ESG-Kriterien explizit in den Anlagebedingungen festschreiben. Das sind 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Berücksichtigt man auch Kapitalanlagen, für die Nachhaltigkeitskriterien auf Unternehmensebene verankert sind, ergibt sich dem FNG zufolge per Ende 2019 eine Gesamtsumme von rund 1,64 Billionen Euro für diese Art von Investments in Deutschland.

Ein großer Teil dieser Finanzprodukte konzentriert sich dabei auf den Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit. Auch das Kriterium „Social“ spielt häufig eine Rolle. Zugleich wird, zumindest in der öffentlichen Debatte, dem Kriterium „Governance“ nicht immer höchste Bedeutung zugemessen. Dabei ist, wie Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW – Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V., sagt, Governance ein besonders wesentliches Kriterium neben Environment und Social. „Denn eine gute Governance verhindert auch Verstöße in den übrigen Bereichen. Oder andersherum: Fragwürdige Umwelt- und Sozialpraktiken resultieren zumeist aus einer problematischen Führungskultur. Daher verdient das ‚G‘ der ESG-Kriterien allerhöchste Beachtung.“

Corporate Social Responsibility: Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung

„Gute Unternehmensführung“ als dritter Aspekt der Nachhaltigkeitskriterien umfasst daher zum Beispiel eine aktive Überwachung und Transparenz bei Verhalten und Vergütung des Managements im Sinne der Nachhaltigkeit, die Verankerung einer Nachhaltigkeitsstrategie und des Nachhaltigkeitsmanagements auf Führungs- und Aufsichtsebene oder auch transparente Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption und Bestechung. Auch der gute Umgang mit Aktionären ist Teil einer nachhaltigen Governance von Unternehmen. Im Sinne der Nachhaltigkeit wird die gute Unternehmensführung oft auch unter dem Begriff der Corporate Social Responsibility (CSR) zusammengefasst. Diese umschreibt den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, der über die gesetzlichen Forderungen hinausgeht. Das können die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Gesundheitspräventionsangebote für Mitarbeiter, Diversity-Programme, Konzepte zur Vermeidung von Fehlverhalten und die Implementierung von Risikomanagement-Systemen, Verhaltenskodizes und sogar Whistleblowing-Systemen.

Wie problematisch eine mangelhafte Governance sein kann, zeigt der Fall von Wirecard, einer der größten Börsen- und Bilanzskandale der Geschichte. Die negativen Nachrichten zu dem Zahlungsdienstleister, der nach einem märchenhaften Aufstieg einen noch beispielloseren Absturz erlebt hat, reißen auch gut drei Monate nach Bekanntwerden des Skandals nicht ab und werfen viele Fragen auf, sei es zur Rolle der Aufsicht, des Wirtschaftsprüfers oder auch der Aktionärskultur in Deutschland an sich. Die Aktie steht heute bei nicht einmal 80 Cent nach einem Hoch von rund 150 Euro vor einem Jahr. Für den Anlegerschutzprofi Marc Tüngler zeigt die Causa Wirecard: „Governance-Aspekte sollten bei Investitionsentscheidungen eine herausragende Rolle spielen. Ohne gute Unternehmensführung und eine seriöse, einwandfreie Steuerung einer Organisation ist nachhaltig erfolgreiches und stabiles Wirtschaften nicht möglich.“ Das habe nicht nur mit der Nachhaltigkeit an sich zu tun. Eine transparente, seriöse Unternehmensführung nach allen gesetzlichen Pflichten wirke sich immer positiv aufs Geschäft aus.

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