Der Goldpreis zeigte zuletzt leichte Schwäche. Getrieben wird der Markt aber weiter von anhaltenden Zentralbankkäufen und einer starken Investmentnachfrage, gerade aus Asien, während geopolitische Risiken zusätzlich stützen. Zugleich belastet das aktuelle makroökonomische Umfeld den Goldpreis. Trotz Rekordgewinnen und solider Bilanzen scheinen Goldminenaktien derzeit unterbewertet, sie zeigten im April ihre übliche Sensitivität gegenüber dem Goldpreis. „Sie outperformten in der ersten Aprilhälfte, als Gold ein Monatshoch von 4.841,75 US-Dollar erreichte, und blieben zurück, als die Preise gegen Monatsende nachgaben“, erklärt Imaru Casanova, Portfoliomanagerin Gold und Edelmetalle bei VanEck.
Die Zentralbanken blieben Nettokäufer und stockten im Quartal um 244 Tonnen auf, ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und dies trotz erhöhter Verkaufstätigkeit, einschließlich Transaktionen der Türkei, des aserbaidschanischen SOFAZ und der russischen Zentralbank. Die Nettonachfrage blieb positiv, mit Käufen aus Ländern wie Polen, Usbekistan und China sowie aus neueren Teilnehmerländern wie Guatemala, Kambodscha, Malaysia, Serbien und den VAE. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Goldnachfrage der Zentralbanken weiter widerstandsfähig bleibt.
Überdies wurde die Nachfrage von einer starken Barren- und Münznachfrage gestützt, die im Vorjahresvergleich um 42 Prozent auf 474 Tonnen kletterte: „Dies gehört zu den höchsten jemals gemessenen Quartalswerten und wurde überwiegend von asiatischen Anlegern getragen“, so Casanova. Seit Ausbruch des Konflikts mit dem Iran notierte Gold durchschnittlich bei 4.780 US-Dollar pro Unze. Casanova dazu: „Starke, regional diversifizierte Käufe der Zentralbanken und eine widerstandsfähige Anlagenachfrage aus Asien stützen die Nachfrage. Eine Rückkehr der westlichen Anlegerbeteiligung könnte zusätzliche Unterstützung liefern und zu weiterem Aufwärtspotenzial am Goldmarkt beitragen.“
Die jüngste Marktvolatilität mag Anleger beunruhigen, doch Casanova warnt davor, sich vom kurzfristigen Marktlärm leiten zu lassen. Das vorherrschende makroökonomische Bild im April war selbstverstärkend: „Höhere Ölpreise halten die Inflationserwartungen hoch; hohe Inflationserwartungen halten die Fed in Wartestellung; eine pausierende Fed hält die Realrenditen hoch; und hohe Realrenditen setzen Gold unter Druck.“
Vor diesem Hintergrund könne der Anstieg des S&P 500 um 10,5 Prozent im April auf ein Maß an Optimismus hindeuten, das auf die Probe gestellt werden könnte. „Aus unserer Sicht sollten Anleger die Risiken erhöhter geopolitischer Spannungen und eines potenziell länger anhaltenden Konflikts im Nahen Osten neu bewerten, einschließlich der Folgewirkungen auf die Weltwirtschaft und – was wichtig ist – auf die Inflation“, so Casanova.
Ein zentraler Aspekt für Gold sei, wie die Inflationserwartungen über verschiedene Kennzahlen hinweg abgebildet werden. Die April-Umfrage der University of Michigan zeigte einjährige und fünfjährige Verbraucher-Inflationserwartungen von 4,7 beziehungsweise. 3,5 Prozent. Im Gegensatz dazu liegt die 5‑Jahres-TIPS-Breakeven-Rate als marktbasierte Messgröße bei rund 2,7 Prozent, was die Realzinsen vorerst komfortabel positiv hält.
„Sollten die Anleihemärkte beginnen, diese Lücke zu schließen und etwas näher an dem zu liegen, was die Verbraucher bereits erwarten, könnte eine pausierende Fed schnell in nahezu null oder negative Realzinsen münden — ein Umfeld, das historisch zu den günstigsten für Gold gehört“, so die Goldexpertin weiter. In einem solchen Szenario hat Gold historisch eine prominente Rolle als Diversifikator und potenzieller Hedge für Anleger gespielt, die nach Absicherung und Portfoliodiversifikation suchen. „Goldminen können aus unserer Sicht als Teil einer diversifizierten Allokation in Betracht gezogen werden.“
Goldminenaktien haben in einem Umfeld steigender Goldpreise historisch das Metall selbst übertroffen. Anleger müssen aber nicht auf die nächste Aufwärtsbewegung warten, um Positionen auszubauen. „Bei den aktuellen Goldpreisen generieren diese Unternehmen bereits Rekord-Cashflows, und die Ergebnisse für das 1. Quartal 2026 machen dies mehr als deutlich“, erklärt die Expertin.
Kurz gesagt: Der Sektor scheint nach historischen Maßstäben in robuster Verfassung zu sein. Trotz der Fundamentaldaten bleiben die Bewertungen im Goldminensektor aber relativ niedrig gegenüber historischen Niveaus. „Die aktuellen Aktienkurse spiegeln offenbar konservativere Annahmen wider, als es die vorherrschenden Goldpreise nahelegen würden“, schreibt Casanova.




