Die US-Wirtschaft zeigt sich robuster als von manchen vermutet, die Fed ebenso. Liegt das nur an der Datenarmut im Shutdown, oder hat die Notenbank tatsächlich Spielraum für weitere Zinssenkungen? Findet die französische Politik den Versöhner, den sie so dringend sucht? Und wie entscheidet das Komitee in Norwegen in seiner schwierigen Lage? Die Fragen der Woche beleuchtet Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Die Renditen am US-Anleihemarkt haben sich in der vergangenen Woche kaum verändert – im Shutdown werden weniger Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Bei Treffen mit politischen Entscheidungsträgern in Washington DC in dieser Woche schien jedoch alles wie gewohnt zu laufen, und es herrscht das Gefühl, dass vieles, was derzeit zu beobachten ist, weitgehend Show ist.
Abgesehen davon denken wir, dass sich die US-Wirtschaft in einem relativ robusten Zustand befindet. Angesichts der bevorstehenden Steuersenkungen, Zinssenkungen und Deregulierungen könnte die Wirtschaft im nächsten Jahr um 3 % oder mehr wachsen.
Was die Inflation betrifft, so ist man im Weißen Haus zufrieden, dass sich die Zölle bislang nur moderat auswirken. Mit einer Kerninflation von 2,9 % für Konsumausgaben bestehen jedoch weiterhin Aufwärtsrisiken, und die Inflation dürfte aufgrund der starken Verbraucherpreise und der hartnäckigen Inflation bei Dienstleistungen 3 % überschreiten, aber 4 % nicht erreichen. Vor diesem Hintergrund wird die Inflation als nicht allzu problematisch angesehen. Sie könnte höchstens das Tempo der Fed-Zinssenkungen drosseln. Eine weitere Senkung Ende des Monats erscheint allerdings realistisch.
Offen bleibt einstweilen die Personalie des neuen Fed-Chairs. Scott Bessent wird als aussichtsreichster Kandidat gehandelt, auch wenn er sich offenbar selbst aus dem Rennen genommen hat. Deutlich geringere Chancen werden Kevin Warsh eingeräumt, gefolgt von Kevin Hassett und Chris Waller, in dieser Reihenfolge. Die Gefahr eines Einknickens der Fed vor Trump wird nicht allzusehr gefürchtet. Zwar wünscht Trump sich niedrigere Zinsen (welcher Immobilienentwickler würde das nicht?), aber er möchte unbedingt eine höhere Inflation vermeiden – ein zentrales Thema bei den letzten Wahlen ebenso wie voraussichtlich bei den kommenden Zwischenwahlen.
Fazit: Das außergewöhnliche Wirtschaftswachstum in den USA ist möglicherweise doch nicht oder noch nicht ganz beendet. Wenn die Unabhängigkeit der Fed nicht untergraben wird und sie vor dem Hintergrund eines soliden Wachstums moderatere Zinssenkungen vornimmt, scheint einer der wichtigsten Faktoren für einen schwachen Dollar an Bedeutung verloren zu haben.
In Europa lag der Fokus in der vergangenen Woche weiterhin auf den politischen Entwicklungen in Frankreich. Der Rücktritt von Premierminister Lecornu zu Beginn dieser Woche erhöhte die politischen Risiken und die Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen zum Parlament, bei denen der Rassemblement National voraussichtlich sehr gut abschneiden würde.
Das französische Establishment möchte Le Pens Partei diese Chance nicht geben. Daher wird derzeit nach einem Kandidaten gesucht, der oder die über ausreichende parteiübergreifende Unterstützung verfügt und Kompromisse stiften kann. Moody’s oder S&P könnten in den kommenden Wochen eine Herabstufung des französischen Ratings auf A bestätigen. Da jedoch keine Neuwahlen anstehen, dürften die Spreads sich nur begrenzt ausweiten.
Auch in Japan war es eine ereignisreiche Woche. Die Wahl von Sanae Takaichi zur Vorsitzenden der LDP kam für die Märkte und für uns, die wir mit einem Sieg von Koizumi gerechnet hatten, überraschend. Obwohl sie behauptet, entschlossen zu sein, die Inflation zu senken, steht ihre Politik einer lockeren Fiskal- und Geldpolitik im Widerspruch dazu. Infolgedessen stiegen die Renditen japanischer Staatsanleihen und der Yen brach ein, während die Aktienmärkte in Hochstimmung waren.
Auffällig war auch, wie Takaichi sich anmaßte, der Bank of Japan die Zinspolitik vorzuschreiben. Obwohl die BoJ nie unabhängig war, war Japans Politik eher auf Konsens ausgerichtet. Seit ihrem Amtsantritt scheint Takaichi jedoch versöhnlicher zu klingen und ihre Position möglicherweise zu mäßigen. In der Folge hat sich der Markt für japanische Staatsanleihen stabilisiert, nachdem die Renditen langfristiger Anleihen am Montag stark gestiegen waren.
Ausblick
In den nächsten Wochen dürften wir weniger politische Überraschungen erleben, und die Märkte werden sich wieder stärker auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten konzentrieren. Mit der ruhigen Lage in den USA könnte es bald zu Ende sein, falls sie nur einem Mangel an veröffentlichten Daten im Shutdown geschuldet ist. Denn dann kommt nach dem Shutdown eine Flut von Veröffentlichungen, auf die Märkte sich stürzen werden.
Unterdessen drehten sich die Gespräche in Washington auch um Trump und seinen Wunsch, den Friedensnobelpreis zu erhalten. Durch die Intervention der USA habe er persönlich mehrere globale Konflikte beendet und dadurch viele Unterstützer gewonnen. Das Nobelkomitee hingegen könnte darauf hinweisen, dass der Preis 2025 für Handlungen im Jahr 2024 vergeben wird, also noch vor Trumps Amtsantritt, was bedeuten könnte, dass eine Auszeichnung im nächsten Jahr eher gerechtfertigt wäre.
Allerdings könnten das Komitee und Norwegen selbst heftige Kritik seitens des US-Präsidenten einstecken, wenn sie seinem erklärten Wunsch nicht nachkommen. Selig sind die Friedfertigen. Vielleicht wäre es besser, diejenigen zu würdigen, die aus Liebe, Demut und Selbstaufopferung handeln.




