Fossile Energien sind zäher als gedacht

5. August 2024

Es gibt viel Begeisterung und Optimismus für die grüne Energiewende und die rasche Einführung von Elektrofahrzeugen. Aber die herkömmlichen Verbrenner durch Fahrzeuge mit sauberem Antrieb zu ersetzen, wird ein mehrjähriger Prozess sein. Unserer Ansicht nach verwundert es daher nicht, dass die Ölproduzenten in den Schwellenländern angesichts der robusten Nachfrage und potenzieller Angebotsengpässe derzeit zu attraktiven Bewertungen gehandelt werden.

Volatilität des Ölpreises täuscht über die anhaltend robuste Nachfrage hinweg Trotz des raschen Ausbaus neuer Solar- und Windkraftprojekte stellte etwa das Energy Institute fest, dass 2022 immer noch 82 Prozent der weltweiten Primärenergie aus fossilen Brennstoffen stammten, davon knapp über 30 Prozent aus Öl.

Die Ölnachfrage liegt aktuell bei etwas mehr als 100 Millionen Barrel pro Tag (bpd). Sie nimmt aufgrund des Bevölkerungswachstums und vielerorts allmählich steigender Lebensstandards kontinuierlich weiter zu.

Da sich Angebot und Nachfrage etwa die Waage halten, sollte der Ölpreis relativ stabil bleiben. Seit der globalen Finanzkrise 2008 schwankt die Notierung in der Regel innerhalb einer breiten Spanne von 40 bis 100 US-Dollar pro Barrel.

Volatilität entsteht durch geopolitische Ereignisse: So führte etwa der Einmarsch Russlands in die Ukraine zu Sanktionen und Beschränkungen der russischen Exporte. Und die jüngsten Spannungen im Nahen Osten könnten zu Unsicherheiten rund um die Straße von Hormuz – einem wichtigen Korridor für Ölexporte – und damit zu steigenden Preisen führen. Im März 2024 beschloss die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) eine Produktionskürzung um 2,2 Millionen bpd bis Juni 2024, um den Preis zu stützen, während das globale Wachstum schwächelt.

Neue Lieferengpässe möglich

Schließlich werden die Reserven aufgrund des stetigen Wirtschaftswachstums und dem Abbau der derzeit erschlossenen Felder aufgebraucht. Neue Kapazitäten werden wahrscheinlich aufgrund verschiedener wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Zwänge nur vorsichtig aufgebaut.

Erstens ist der Leitzins auf über fünf Prozent geklettert. Das bedeutet einen starken Anstieg der bisherigen Bandbreite: Nach der Weltwirtschaftskrise hatte er fast 15 Jahre lang zwischen null und zwei Prozent gelegen. Die höheren Kreditkosten erhöhen die erforderliche Rendite neuer Projekte. Das bedeutet: Die Ölgesellschaften müssen sicher sein, dass der Ölpreis über die gesamte Lebensdauer einer langfristigen Investition hoch bleibt.

Zweitens haben sich die Teilnehmer der Klimakonferenz COP 27 der Vereinten Nationen verpflichtet, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und dazu auch die Subventionen für fossile Brennstoffe auslaufen zu lassen. Dies wird es aufgrund des politischen und sozialen Drucks schwieriger machen, neue Genehmigungen für die Erschließung von Ölfeldern zu erhalten, insbesondere auf öffentlichem Land.

Drittens nimmt die Skepsis der Öffentlichkeit gegenüber der Ölindustrie generell zu. Die Unternehmen könnten zögern, Projekte mit langer Lebensdauer zu entwickeln, die womöglich – entweder aus ökologischen oder aus rechtlichen Gründen – aufgegeben werden müssen, bevor sie das erforderliche Produktionsvolumen erreicht haben, um finanziell rentabel zu sein.

Attraktive Bewertung von Ölaktien

Analysten gehen davon aus, dass der Rohölpreis in einer Spanne von 70 bis 80 US-Dollar pro Barrel bleiben wird. Damit können die Ölgesellschaften recht profitabel arbeiten. Die nachstehende Grafik zeigt, dass die Eigenkapitalrendite (ROE) für MSCI Emerging Markets Energy-Unternehmen derzeit höher ist als für den MSCI Emerging Markets Index insgesamt.

Darüber hinaus sind die Energieunternehmen insgesamt günstiger bewertet als der übrige MSCI Emerging Markets Index. Die Kombination aus hoher Rentabilität und niedriger Bewertung kann als attraktive Anlagemöglichkeit gesehen werden.

Die Redwheel-Strategien Emerging Markets, Frontier Markets und Next Generation Markets etwa haben den Energiesektor übergewichtet. Sie halten Positionen in YPF, einem Upstream-Energieunternehmen aus Argentinien, das sowohl traditionelle Energie als auch erneuerbare Energie aus Solar- und Windenergie produziert. YPF könnte von den Wirtschaftsreformen von Präsident Javier Milei profitieren, die ausländische Investitionen anziehen sollen. Die Redwheel-Strategie zu Emerging Markets hält auch Aktien von Reliance Industries. Das Unternehmen aus Indien ist derzeit das größte indische Unternehmen im MSCI Emerging Markets Index und arbeitet im Downstream-Energiebereich in den Bereichen Raffinerie und Petrochemie.

Kommentar von Nick Smithie, Head of Thematic Research, Redwheel

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