Strategien & ProdukteHighlightErhöhte Wahrscheinlichkeit für die Rückkehr der Inflation

Die Bank für Kirche und Caritas eG (BKC) mit Sitz in Paderborn wurde 1972 gegründet. Im Geschäftsjahr 2019 lag die Bilanzsumme bei knapp 5 Mrd. Euro. Die Kundeneinlagen summierten sich auf 4,3 Mrd. Euro; das Kreditgeschäft stieg auf 1,4 Mrd. Euro an. Mit ihrem konsequenten Ausschluss von Atomwaffeninvestments und -finanzierungen ist die Bank zum Vorbild für die Finanzwirtschaft erklärt worden. Gemeinsam mit 36 anderen Finanzinstituten wurde sie als erste katholische Kirchenbank in die „Hall of Fame“ der Nichtregierungsorganisationen PAX und ICAN, der Friedensnobelpreisträger des Jahres 2017, aufgenommen. Wir nahmen diese und weitere Fakten als Ausgangspunkte zum Gespräch mit Bernhard Matthes, Bereichsleiter BKC Asset Management.
28. September 2020
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Die Bank für Kirche und Caritas eG (BKC) mit Sitz in Paderborn wurde 1972 gegründet. Im Geschäftsjahr 2019 lag die Bilanzsumme bei knapp 5 Mrd. Euro. Die Kundeneinlagen summierten sich auf 4,3 Mrd. Euro; das Kreditgeschäft stieg auf 1,4 Mrd. Euro an. Mit ihrem konsequenten Ausschluss von Atomwaffeninvestments und ‑finanzierungen ist die Bank zum Vorbild für die Finanzwirtschaft erklärt worden. Gemeinsam mit 36 anderen Finanzinstituten wurde sie als erste katholische Kirchenbank in die „Hall of Fame“ der Nichtregierungsorganisationen PAX und ICAN, der Friedensnobelpreisträger des Jahres 2017, aufgenommen. Wir nahmen diese und weitere Fakten als Ausgangspunkte zum Gespräch mit Bernhard Matthes, Bereichsleiter BKC Asset Management.

INTELLIGENT INVESTORS: Herr Matthes, zum wiederholten Mal wurden Sie als einer der besten Vermögensmanager für gemeinnützige Stiftungen ausgezeichnet. Was ist sozusagen Ihre DNA?
Bernhard Matthes: Wir verfügen über einen exklusiven, homogenen Kundenkreis. Unsere Anleger sind fast zur Gänze kirchliche Institutionen und Stiftungen – diese Spezialisierung erlaubt uns tiefe Einblicke und sehr genaue Kenntnis der spezifischen Bedürfnisse dieser anspruchsvollen Kunden. Über das reine Portfoliomanagement hinaus steuert das Arsenal an Spezialwissen unseres Hauses daher werthaltige Beiträge in die Beratung steuerbefreiter institutioneller Anleger ein. Im Portfoliomanagement profitieren wir vom gleichen Luxus, den unsere Kunden haben: der langen Zeitperspektive, dem quasi unendlich langen Anlagehorizont. Innerhalb der sonst schnelllebigen Branche verleiht uns die Zeitkomponente den Vorteil, Vorteil, uns auf wirklich langfristige Themen konzentrieren und
mit ruhiger Hand arbeiten zu können. Wer durch kurzfristige Schwankung hindurchblicken und konträr die gelegentlichen Chancen von Ausverkaufssituationen am Markt nutzen kann, hat wertstiftende Portfoliooptionen an der Hand.

II: Wie lautet Ihrer Meinung nach derzeit das wichtigste Gebot für institutionelle Investoren?
Matthes: Wir beobachten es hin und wieder mit Sorge, welche Ausweichstrategien einige Anleger wählen, um dem inzwischen renditefreien Risiko einstmals traditioneller Grundpfeiler ihrer Portfolien zu entfliehen. Wir glauben nicht, dass Investoren gut beraten sind, sich zu Verzweiflungstaten hinreißen zu lassen und jedem Zehntel Zusatzrendite hinterherzujagen. Wie sehen u. a. werbliche Aussagen wie „Die Dividende ist der neue Zins“ in hohem Maße kritisch. Im Anleihenbereich beispielsweise kompensieren italienische Staatsanleihen auf ihrem Renditeniveau die Risiken sicher nicht angemessen. Die Eurokrise wurde nie gelöst, allenfalls betäubt. Die Risiken sind unverändert präsent. Schon Benjamin Graham hat einst ausgeführt, dass die Nichtverfügbarkeit solider Anleihen keine Rechtfertigung ist, schlechte Anleihen zu erwerben.

II: Staatsanleihen gelten (weiterhin) als sicherer Hafen für Institutionelle. Gleichwohl erhöhen Sie Ihre Allokationen zu Private Assets, um
Rendite zu generieren. Wie stehen Sie dazu, beziehungsweise setzen es in Ihren Portfolien um?
Matthes: Private Assets sind uns in den liquiden Strategien nicht zugänglich, wir allokieren aber traditionell – das folgt dem Ansatz der Stiftungsfonds von US-Universitäten wie Harvard oder Yale – in alternative Anlagen, die zuverlässig gering oder besser noch nicht korreliert sind mit den traditionellen Portfoliorisiken, nämlich Aktien- und Zinsrisiko. Ich denke, unsere Ergebnisse zeigen, dass ein solcher Ansatz langfristig ausschließlich aus Aktien/Renten konstruierten Monokulturen überlegen ist.

II: Das BKC Treuhand Portfolio ist seit mehr als zehn Jahren am Markt. Wie haben Sie Ihre zugrundeliegende Multi-Asset-Value-Strategie im Zuge der Krise angepasst?
Matthes: Es ist richtig, wir beschreiben unsere Strategie als „Multi Asset Value“. Viele assoziieren „Value“ primär mit der Anlageklasse Aktien. Wir glauben hingegen, dass die Prinzipien des Value Investings in allen Anlageklassen ihre Daseinsberechtigung haben: Geduld, Langfristigkeit, Disziplin, Risikoaversion, tiefgründige analytische Arbeit und die Bereitschaft zu konträrem Handeln finden in allen Anlageklassen Anwendung und sind Grundpfeiler der Investmentstrategie. Zudem basiert der Investmentprozess auf regelbasierten Routinen. Einige davon haben auf Allokationsebene im BKC Treuhand Portfolio im spezifischen Verlauf der Corona-Krise nicht optimal funktioniert, was aber kein Grund ist, für Dekaden hinweg bewährte Zusammenhänge über Bord zu werfen. Zu einem Aspekt hat sich unsere Sichtweise allerdings geändert: In Anbetracht der Synchronität und Dimension der globalen fiskal- und geldpolitischen Rettungspakete sehen wir inzwischen durchaus eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Rückkehr der Inflation. Waren wir bis Corona mit unserer Erwartung der „Sieben mageren Jahre“ – also strukturell niedriger Kapitalmarktrenditen in einem Umfeld ohne Wachstum und ohne Inflation – noch sehr konstruktiv auf Renten und hatten uns mit maximaler Duration wohlgefühlt, erfolgen Neuinvestitionen nun eher in mittleren Laufzeitbereichen. Außerdem ergänzen wir das Portfolio stärker mit inflationsgeschützten Anleihen und Edelmetallen.

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