Das Volumen von European Long Term Investment Funds (ELTIFs) ist 2024 um 38 Prozent auf 20,5 Milliarden Euro gestiegen. Außerdem wurde eine Rekordzahl neuer Produkte aufgelegt. Das geht aus der jüngst veröffentlichten Scope ELTIF-Studie 2025 hervor. Christian Humlach, Head Wholesale Client Advisory Austria & Germany bei Aquila Capital, begrüßt das Wachstum – und sieht eine große Aufgabe für die Branche.
„Die neue Scope-Studie zeigt: Der ELTIF-Bereich wächst wie nur wenige andere Marktsegmente. Und diese Expansion dürfte sich fortsetzen – auch wenn die Scope-Experten, die mit einem Wachstum des europäischen ELTIF-Markts auf ein Volumen von 65 bis 70 Milliarden Euro bis Ende 2027 rechnen, aus unserer Sicht recht optimistisch sind.
Der Hauptgrund für den neuen Schwung im ELTIF-Markt ist die seit 10. Januar 2024 geltende ELTIF2.0‑Regulierung in Kombination mit dem Inkrafttreten der Delegierten Verordnung mit den technischen Regulierungsstandards am 26. Oktober gleichen Jahres. Letztere legen die Details der ELTIF‑2.0‑Verordnung fest und sorgten für einen zusätzlichen Schub – wobei durchaus die Frage gestattet sein muss, warum diese nicht früher kamen. Fakt aber ist: Die Erweiterung der Anlagemöglichkeiten und angepassten Diversifikationsanforderungen sowie niedrigere Mindestanlagesummen haben das Investmentvehikel für Asset Manager und Anleger interessanter gemacht.
Es waren jedoch aus unserer Sicht nicht nur die regulatorischen Reformen, die zum Wachstum des Segments beitragen: In der jüngsten Vergangenheit konnten die Aktienmärkte ihren Aufwärtstrend nicht fortsetzen. In solchen Phasen rücken stabile Investments und Sachwerte stärker in den Fokus – zum Beispiel Infrastruktur. Deutlich vor Private Equity handelt es sich dabei, auch das geht aus der Scope-Studie hervor, in Deutschland um das dominierende ELTIF-Segment: 71 Prozent des gesamten platzierten Volumens entfallen auf diese Anlageklasse, 27 Prozent auf Private Equity. In Ländern wie Frankreich und Italien sieht das ganz anders aus – was aber nicht verwundert: Traditionell sind deutsche Investoren eher defensiv orientiert und besitzen eine Vorliebe für kontinuierliche und planbare Erträge, wie sie beispielsweise Anleihen bieten. Insofern passt Infrastruktur gut zu den hiesigen Präferenzen, wobei Sachwertinvestitionen zudem noch einen inkludierten Inflationsschutz bieten.
Hinzu kommt, dass das Thema derzeit wieder ein starkes Momentum genießt. Dazu trägt auch der politische Rückenwind durch das in Deutschland beschlossene Infrastrukturpaket bei. Das Paket hat ein Volumen von 500 Milliarden Euro, 100 Milliarden davon sollen explizit in die grüne Transformation und Energieinfrastruktur fließen. Seit der russischen Invasion in der Ukraine strebt der gesamte europäische Kontinent nach Energieunabhängigkeit – ein Ziel, das nur mittels Erneuerbarer Energien erreicht werden kann. ELTIFs könnten hier künftig eine zentrale Rolle bei der Finanzierung von Wind‑, Solar- und Wasserstrom sowie Großbatteriespeichern spielen.
Um das aktuelle Momentum auf dem ELTIF-Markt in die Zukunft zu tragen und den Weg für weiteres Wachstum zu ebnen, sehen wir eine der größten Aufgaben für die Anbieter von ELTIFs darin, Transparenz zu schaffen und für Aufklärung zu sorgen: Welche Investmentmöglichkeiten bieten die privaten Märkte? Wo liegen die Chancen, aber auch Risiken? Und wie unterscheiden sich ELTFs von anderen Möglichkeiten, in Segmente wie Private Equity oder Infrastruktur zu investieren? Vor diesem Hintergrund ist es positiv, dass zunehmend neue Anbieter in den Markt eintreten und dazu beitragen, das Vehikel ELTIF zu einer etablierten Anlageform zu machen.“




