Ein leicht zurückhaltender Ton ist Musik in den Ohren der Marktteilnehmer, da Fed-Chef Powell eine gewisse Klarheit hinsichtlich der bevorstehenden geldpolitischen Entscheidung im September geschaffen hat. Mit einem Verweis auf die steigenden Risiken für den Arbeitsmarkt wurden die Befürchtungen hinsichtlich einer hawkischen Haltung im Vorfeld der Rede zerstreut, sodass die Märkte schnell ihre Wetten auf eine Lockerung im September erhöhten.
Trotz des leichten Signals für eine Wiederaufnahme der Zinssenkungen im nächsten Monat hielt Powell sich jedoch alle Optionen für den künftigen geldpolitischen Kurs offen, indem er betonte, dass über September hinaus nur begrenzte Dringlichkeit für aggressive Zinssenkungen bestehe.
Während sich die Auswirkungen der Zölle wahrscheinlich weiter in den Inflationszahlen niederschlagen werden, sieht sich die Fed Anzeichen einer Abkühlung des Arbeitsmarktes aufgrund nachlassender Nachfrage und des Angebots gegenüber. Dies untermauert unsere Erwartung von zwei Zinssenkungen bis Jahresende. Zwar hatten die jüngsten Revisionen der Beschäftigungszahlen Spekulationen über eine größere Zinssenkung im September angeheizt, doch die Unsicherheit hinsichtlich der Zölle, ihrer Auswirkungen und des neutralen Niveaus des Leitzinses sind weiterhin Gründe für die politischen Entscheidungsträger, vorsichtig vorzugehen.
Powell bekräftigte dies in seiner Aussage, dass die Geldpolitik „weniger restriktiv“ sei, was unserer Ansicht nach auf eine „hawkische Zinssenkung“ im September hindeutet. Dies könnte angesichts der Markterwartungen einer Lockerung bis Mitte 2026 zu einer reflexartigen Neubewertung der Zinsen führen und uns veranlassen, unsere Positionen im gesamten Fixed-Income-Komplex defensiv zu halten. Die Nachfolge Powells bleibt ein weiterer entscheidender Faktor für die Einschätzung des künftigen geldpolitischen Kurses.
Diese Entwicklungen untermauern unsere Erwartung, dass die Volatilität hoch bleiben und die Handelsspanne für die 10-jährige US-Rendite kurzfristig breit bleiben wird, wobei wir unser Jahresendziel bei 4,25 % belassen. Vor diesem Hintergrund bleiben wir über alle Portfolios hinweg diversifiziert, mit einer defensiven Haltung bei großen US-Technologiewerten und einem Qualitätsansatz bei festverzinslichen Wertpapieren, wobei wir Sektoren bevorzugen, die von Zöllen verschont bleiben. Da andere politische Entscheidungsträger wie die EZB ihren Lockerungszyklus beenden, sehen wir weiterhin Spielraum für einen Rückgang des US-Dollars.“
Einschätzung von Nuveen, Laura Cooper, Senior Macro Strategist




