HighlightMärkteEine unterschätzte Anlageklasse

Das aktuelle Niedrigzinsumfeld bleibt für Investoren eine Herausforderung. Vor diesem Hintergrund könnten Unternehmensanleihen aus Schwellenländern interessante Chancen bieten. Die Anlageklasse etabliert sich nämlich zusehends. Vielen Investoren ist möglicherweise nicht bewusst, dass sie mit einem Volumen von 2,4 Billionen Dollar den US-Hochzinsmarkt in den Schatten stellt und etwa die gleiche Größe hat wie der europäische Investment-Grade-Markt. Für rasantes Wachstum sorgen neue Emittenten und Jahr für Jahr entdecken mehr Länder diesen Markt für Emissionen.
15. Dezember 2020
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Das aktuelle Niedrigzinsumfeld bleibt für Investoren eine Herausforderung. Vor diesem Hintergrund könnten Unternehmensanleihen aus Schwellenländern interessante Chancen bieten. Die Anlageklasse etabliert sich nämlich zusehends. Vielen Investoren ist möglicherweise nicht bewusst, dass sie mit einem Volumen von 2,4 Billionen Dollar den US-Hochzinsmarkt in den Schatten stellt und etwa die gleiche Größe hat wie der europäische Investment-Grade-Markt. Für rasantes Wachstum sorgen neue Emittenten und Jahr für Jahr entdecken mehr Länder diesen Markt für Emissionen.

Hieraus resultiert eine Anlageklasse mit Emittenten aus über 59 Ländern, die deutlich diversifizierter ist, als viele Investoren erwarten würden. Die Unternehmen sind tendenziell, was ihre Umsätze anbelangt, globaler aufgestellt und werden zudem etwas konservativer geführt als ihre Wettbewerber aus Industrieländern. In Schwellenländern dürften deshalb die Ausfallraten niedriger sein. Zudem gibt es im High-Yield-Spektrum nach unserer Einschätzung einige sehr gute Unternehmen.

Das aber vielleicht wichtigste Merkmal von Unternehmensanleihen aus Schwellenländern ist, dass sie sich zunehmend vom Universum der Staatsanleihen abheben. Damit eignen sie sich sehr gut zur Diversifikation. Jedoch nicht etwa als Substitut für Staatsanleihen, sondern als eine Ergänzung zu diesen. Auch der Markt für Investment-Grade-Anleihen aus Schwellenländern wächst stetig. Für viel Dynamik sorgen Investoren, die erkannt haben, welches Potenzial die Anlageklasse als eigenständige Allokation verglichen mit anderen traditionellen Märkten für Investment-Grade-Unternehmensanleihen hat. Ihr besonderer Reiz liegt jedoch in den höheren Renditen, die sie verglichen mit ihren Pendants aus Industrieländern bei gleichzeitig identischen Ratings bietet.

Für Investoren, die nach verkürzten Durationen Ausschau halten und zugleich in einem Niedrigzinsumfeld nach höheren Renditen suchen, sind Schwellenländer-Unternehmensanleihen daher unserer Ansicht nach eine sehr attraktive Anlageklasse. Ebenso sind ihre Ausfallraten relativ niedrig. Insgesamt ist die Kreditqualität der Anlageklasse auch weiterhin höher als bei traditionellen US-Hochzinspapieren. Die Anlageklasse bietet ferner ein etwas geringeres Risiko bei zugleich höherer Rendite. Und wenn man sich die Korrelationen ansieht, wird deutlich, dass sie gut im Kontext von Effizienzgrenzen passt. In einem Mischportfolio wäre eine Allokation von 5 bis 10 % aus unserer Sicht eine gute Ergänzung zu den vorhandenen Anlagen im Festzinsuniversum.

Mit Blick auf das kommende Jahr stellt sich die Frage, wie es an den Kreditmärkten weiter geht. Im Hinblick auf die Kurse war im Jahr 2020 viel Unsicherheit in Bezug auf Ausfall- und Kreditrisiken eingepreist. Nun nähert sich das Jahr dem Ende und wir sind der Ansicht, dass viele Unternehmen den weltweiten Konjunkturabschwung gut gemeistert haben. Aber es gibt noch Verbesserungspotenzial.

Wir sehen in den nächsten zwölf Monaten große Chancen für eine gute Wertentwicklung an den Kreditmärkten. Aufgehellt werden die Aussichten durch mögliche COVID-19-Impfstoffe und den designierten Präsidenten in den USA, der einen weniger konfrontativen Kurs einschlagen und eine berechenbarere Außen- und Handelspolitik verfolgen dürfte. Das verheißt Gutes für das globale Wachstum. Und wenn man sich im Kreditspektrum etwas unterhalb des Investment-Grade-Segments orientiert, bieten sich bei Hochzinsanleihen viele interessante Renditechancen.

Gastautorin Victoria Harling, Leiterin Emerging Market Corporate Debt bei Ninety One.

Foto: © 翔馬 多田- stock.adobe.com

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