Ein guter Ausgangspunkt für dieses Segment

2. April 2026
Daniel Herdt - Foto : © Lazard Asset Management

Die Welt der Anleihen ist vielfältig. Skandinavische Hochzinsanleihen sind hierbei schon eine besondere Nische. Was sie besonders macht, zu den generellen Chancen dieses Segments und zur Performance des Fonds sprach die Chefredaktion Mitte Februar mit Daniel Herdt, Portfoliomanager/Analyst bei Lazard Asset Management.

INTELLIGENT INVESTORS: Herr Herdt, wir sprechen über skandinavische Anleihen. Die Länder im hohen Norden sind sehr heterogen. Wie lassen sie sich fassen?

Daniel Herdt: Es stimmt, die Länder Skandinaviens sind sehr unterschiedlich. Wir sprechen daher bewusst von den ‚Nordics‘, also der nordischen Ländergruppe insgesamt. Diese gilt als sehr robust und zeichnet sich durch vielfältige Stärken aus. Einzelne Länder – wie etwa Norwegen – verfügen über reiche Öl- und Gasvorkommen, andere sind stark im Technologie- und Industriesektor aufgestellt. Auch der Immobiliensektor spielt beispielsweise in Schweden eine wichtige Rolle. Insgesamt gibt es länderspezifisch viele Unterschiede – und genau darin liegt die Attraktivität. Diese Heterogenität spiegelt sich auch in der Titelauswahl wider. Im nordischen Hochzinsmarkt finden wir Emittenten aus unterschiedlichsten Branchen, etwa aus den Bereichen Erneuerbare Energien, Transport und Schifffahrt sowie Immobilien.

II: Oftmals werden die Nordlichter auch als Vorbilder in Sachen Unternehmensführung, Nachhaltigkeit etc. genannt.

Herdt: Auch das ist zutreffend. Die Transparenz ist deutlich höher als in anderen Märkten, der Zugang zum Management oftmals einfacher und auf Augenhöhe. Zudem ist die Region innovationsstark und verfügt über eine lebendige Start-up-Kultur. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die im internationalen Vergleich niedrige gesamtwirtschaftliche Verschuldung vieler nordischer Länder. All das macht die Region für Investoren aus unserer Sicht so interessant.

II: Charakteristisch für Anleihen der Nordics ist ferner die variable Verzinsung. Können Sie das etwas ausführen?

Herdt: Gerne. Ein Großteil der Emissionen sind variabel verzinsliche Anleihen, sogenannte Floating Rate Notes. Deren Kupons passen sich regelmäßig an das aktuelle Referenzzinsniveau an. Dadurch weisen sie eine sehr geringe Zinssensitivität auf. Für Investoren bedeutet das: Sie profitieren von den Kreditaufschlägen – also den Spreads – bei gleichzeitig deutlich reduziertem Zinsänderungsrisiko. Gerade in Phasen erhöhter Zinsvolatilität stellt das einen großen Vorteil gegenüber klassischen Unternehmensanleihen dar.

II: Weshalb gelten Nordic High Yield Anleihen trotz der Vorzüge oftmals noch als Nischensegment?

Herdt: Die Analyse der Emittenten erfordert spezialisiertes Know-how. Viele Emissionen sind nicht geratet, zudem sind die landesspezifischen Besonderheiten zu berücksichtigen. Das stellt gewisse Eintrittsbarrieren dar. Gleichwohl hat das Wachstum des Marktes für nordische Hochzinsanleihen seit einigen Jahren an Fahrt aufgenommen. Das Emissionsvolumen ist gestiegen, und wir beobachten eine zunehmende Internationalisierung der Investorenbasis. Dennoch bleibt das Segment im Vergleich zu globalen Hochzinsmärkten weiterhin eine spezialisierte Anlageklasse.

II: Wir leben in turbulenten Zeiten. Wie anfällig ist der nordische Markt für exogene Schocks?

Herdt: Die Region ist selbstverständlich nicht immun gegenüber globalen Risiken. Der Krieg in der Ukraine und die geopolitischen Spannungen betreffen auch die nordischen Länder – insbesondere Finnland aufgrund der geografischen Nähe zu Russland. Grundsätzlich gelten jedoch dieselben übergeordneten Risiken wie in anderen Märkten. Auf der anderen Seite zeichnen sich die Nordics, und hier im Speziellen das High-Yield-Segment, historisch durch vergleichsweise schnelle Erholungsphasen wie beispielsweise nach der Corona-Pandemie aus. Gerade die Marktstruktur mit variabel verzinslichen Anleihen kann in Stressphasen stabilisierend wirken.

II: Wir sprechen über ein Nischensegment. Ist dieser Markt dominiert von einheimischen Investoren oder sehen wir eine fortschreitende Internationalisierung?

Herdt: Wir beobachten klar eine zunehmende Internationalisierung. Immer mehr internationale Investoren entdecken den nordischen Hochzinsmarkt, da er ein attraktives Risiko-Rendite-Profil bietet. Diese Entwicklung wird auch von lokalen Marktteilnehmern begrüßt, da sie zu einer breiteren Investorenbasis, höherer Liquidität und einer weiteren Professionalisierung des Marktes beiträgt.

II: Wie passt ein Engagement in nordischen Hochzinsanleihen in ein diversifiziertes Anleiheportfolio?

Herdt: Nordic High Yield kann positive Diversifikationseffekte bieten. Angesichts des geringen Zinsrisikos und der attraktiven Kupons weist das Segment eine deutlich geringere Volatilität als andere Hochzinsmärkte auf. Insofern sind nordische Hochzinsanleihen ein guter Portfoliobaustein in einem breit diversifizierten Anleihedepot.

II: Wir haben grundsätzlich über die Attraktivität dieses Markts gesprochen. Wie schaut es mit dem Timing aus? Ist gegenwärtig ein guter „Einstiegszeitpunkt“?

Herdt: Ja, absolut. Im vergangenen Jahr haben wir im nordischen Hochzinsmarkt eine gewisse Spread-Ausweitung beobachtet, die hauptsächlich auf das hohe Emissionsvolumen im 2. Halbjahr zurückzuführen war. Das hat die Attraktivität nordischer High Yields im Vergleich zu europäischen Hochzinsanleihen durchaus erhöht. Da wir davon ausgehen, dass die Ausfallraten in diesem Markt auch im laufenden Jahr sinken werden, sehen wir folglich einen guten Ausgangspunkt für dieses Segment. Erwähnenswert ist zudem, dass die Nordics in den vergangenen Jahren den Markt für klassische Hochzinsanleihen, ob global oder europäisch, outperformt haben und das bei einer geringeren Volatilität[JV1.1][DH1.2].

II: Abschließend ein paar Worte zu Ihrem Fonds, dem Lazard Nordic High Yield Bond Fund.

Herdt: Gerne. Der Fonds investiert überwiegend in hochverzinsliche Unternehmensanleihen aus der nordischen Region. Die aktive Titelauswahl basiert auf unserer fundamentalen Bottom-up-Analyse. Der Schwerpunkt liegt auf variabel verzinslichen Anleihen, wodurch die Gesamtduration sehr niedrig ist. Seit seiner Auflegung am 01. November 2022 hat sich der Fonds positiv entwickelt und in der A Acc EUR-Anteilsklasse (ISIN: IE000MHDVN90) eine kumulierte Rendite von etwas mehr als 30 % erzielt (Jahres-Performance 2023: 9,6 % | 2024: 12,0 % | 2025: 5,4 %) per 31. Januar 2026. Das verwaltete Vermögen ist in dieser Zeit auf über 640 Mio. Euro angewachsen – was auch Ausdruck eines zunehmenden Interesses internationaler Investoren an nordischen Hochzinsanleihen ist, das wir gerade erleben.

 

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