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Noch ist Blockchain für viele Unternehmen absolutes Neuland. Das könnte sich jedoch bald ändern. Denn die Vorteile, die damit einhergehen, sind unbestreitbar: Prozesse werden einfacher, schneller und sehr viel durchsichtiger. Vor allem für die Finanzierung von Immobilienprojekten bietet die Technologie ganz neue Möglichkeiten.
29. Juni 2021
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Noch ist Blockchain für viele Unternehmen absolutes Neuland. Das könnte sich jedoch bald ändern. Denn die Vorteile, die damit einhergehen, sind unbestreitbar: Prozesse werden einfacher, schneller und sehr viel durchsichtiger. Vor allem für die Finanzierung von Immobilienprojekten bietet die Technologie ganz neue Möglichkeiten.

Die Welt von heute ist schnelllebiger denn je und die fortschreitende Digitalisierung verändert unser aller Leben rasant. Diesem Prozess kann sich auch die Immobilienwirtschaft nicht entziehen. Erste Ansätze gibt es bereits: Auf Internetportalen können Kauf- und Verkaufsangebote eingesehen und auch miteinander verglichen, Vertragsformulare online heruntergeladen werden.

Leider kommt die Branche hierzulande über dieses Stadium nur vereinzelt hinaus. Blockchain – die virtuelle Verkettung von Datensätzen, die es Unternehmen ermöglicht, Geschäfte schnell und sicher abzuwickeln und Prozesse effizienter zu steuern – scheint vor allem für die mittelständisch organisierte Immobilienwirtschaft noch unendlich weit entfernt zu sein. Dabei kann die neue Technologie vor allem die Finanzierung von Immobilien auf eine ganz neue Ebene heben. Deren dezentrale und fälschungssichere Ausrichtung birgt enormes Potenzial, Transaktionen künftig sehr viel transparenter als bislang zu gestalten.

Viele Banken experimentieren und stellen Transaktionsvorteile fest

In einer globalisierten Welt mit ihren engmaschigen Vernetzungen kann das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein. Zahlreiche Großbanken haben das erkannt und experimentieren bereits mit Blockchain, um mehr Know-how zu generieren. Beispielsweise hat im vergangenen Herbst die NRW.Bank als erste Förderbank die Eigenemission eines Schuldscheindarlehens (SSD) voll digital und rechtssicher abgewickelt. Die Bilanz der Bank ist überaus positiv, wie sie selbst berichtete: Zum einen sei die Abwicklung der SSD-Transaktion schneller vor sich gegangen, weil es keine Medienbrüche mehr gegeben habe. Zum anderen sei sie zuverlässiger gewesen, weil sie Fehlerquellen reduziert habe, die bei der analogen Erstellung der Geschäftsbestätigung oder beim Versand der Urkunde hätten entstehen können. Und darüber hinaus war sie transparenter, so die Bank, weil alle im Register erfassten Bestände jederzeit und von jedem überprüfbar waren. Die ansonsten langwierige Abwicklung durch zahlreiche manuelle Schritte wie die Geschäftsbestätigung per Fax, das Erstellen einer Urkunde, der Versand per Bote oder Einschreiben und die Aufbewahrung sowie spätere Änderungen in Papierform, die dokumentiert, verwahrt und versandt werden müssen, konnte dank Blockchain enorm verkürzt werden. Das habe die Kostenseite entlastet und gleichzeitig sonst gebundene Kapazitäten freigesetzt.

Bei der NRW.Bank kam die Ethereum-Blockchain zum Einsatz, dieselbe Technologie, auf der auch das Blockchain-gestützte Co-Investment von Linus Digital Finance zur Finanzierung des Umbaus des „AccessTowers“ in Frankfurt-Niederrad basiert. Es ist eine Art „public distributed ledger“ – ein „öffentliches verteiltes Kontobuch“ oder vielmehr eine verteilte Datenbank, die es Teilnehmern ermöglicht, Informationen und Transaktionen nachvollziehbar und auditsicher zu speichern. Blockchain heißt die Technologie, weil Informationen in Blöcken gespeichert und verschlüsselt werden, die wiederum in logischer Abhängigkeit von allen vorherigen Blöcken verkettet werden. Weil das gesamte System dezentral angelegt wird, ist es manipulationssicher und unabhängig. Wir haben uns für dieses Verfahren entschieden, weil es allen Beteiligten extrem großen Schutz gewährt und zugleich die Basis dafür ist, dass sich die Ethereum-Blockchain auch ohne Update der Nutzer weiterentwickeln kann.

Mit dem „AccessTower“ haben wir als digitaler Immobilienfinanzierer selbst Neuland betreten, indem wir Anlegern erstmals den Abschluss eines tokenisierten Treuhandverhältnisses ermöglichten. In der Praxis muss man sich das so vorstellen: Von der Investitionsanfrage über die Identifizierung der Interessenten bis zu den zu unterzeichnenden Verträgen spielt sich alles online ab. Einzige Option: Anfragende konnten wählen, ob sie sich online oder offline identifizieren wollten. Erst wenn wir alle Angaben auf Grundlage unserer Anforderungen an (semi-)professionelle Investoren überprüft haben und zu dem Schluss kommen, dass alles korrekt ist, wird der Zugriff auf unsere Tokenisierungsplattform freigegeben.

Die Weichen für die digitale Zukunft der Immobilienfinanzierung werden jetzt gestellt

Potenzielle Investoren können danach ein individuelles digitales Portemonnaie, das Wallet heißt, einrichten und alle zum Projekt gehörenden Unterlagen herunterladen. Möchte ein Investor sich daran finanziell beteiligen, legt er selbst die Höhe des Beitrags fest und überweist die jeweilige Summe auf das Konto des Treuhänders. Im Gegenzug erhält er sogenannte Token auf sein Wallet übertragen – inklusive der mit ihrem Besitz verbundenen übertragbaren Treuhandverhältnisse mit allen Rechten und Pflichten, einschließlich des Anspruchs auf die vereinbarten Zinszahlungen. Damit ist das Geschäft also abgeschlossen. Wer sich im Nachhinein noch einmal anders entscheiden möchte, kann theoretisch seine Token auch an Dritte weiterreichen – entweder komplett oder auch nur teilweise.

Wir selbst sind sehr gespannt, wie die Bilanz unseres ersten Angebots dieser Art letztlich ausfallen wird. Aber wir sind gleichzeitig überzeugt, damit die Weichen für die digitale Zukunft der Immobilienfinanzierung zu stellen – auch wenn man sich hierzulande beispielsweise auch noch schwer mit dem Gedanken tut, das Grundbuch auf einer Blockchain zu speichern, um einen unmittelbaren Bezug zwischen Token und rechtlichem Anspruch auf die Immobilie herzustellen.

Um Steuern oder andere Abgaben digital über die Blockchain leisten zu können, wäre auch die Anerkennung einer Kryptowährung sinnvoll. Bislang kann man lediglich im schweizerischen Kanton Zug, dem internationalen Hotspot dieser Technologie, damit bezahlen. Und es ist ausgerechnet ein kleines Land in Zentralamerika, das mutig voranschreitet: Erst kürzlich hat El Salvadors Präsident Nayib Bukele angekündigt, dass sein Land als erster Staat überhaupt die ebenfalls auf der Blockchain basierende Kryptowährung Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel neben dem US-Dollar einführen werde. Ob es ein Erfolg wird, ist ungewiss. Aber vielleicht darf man das als Signal verstehen, mehr Vertrauen in technologischen Fortschritt und mehr Mut zu Reformen zu entwickeln.

Gastbeitrag von Martin Cichowski, Head of Product and Technology, Linus Digital Finance

Martin Cichowski — Foto: © Linus Digital Finance

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