Earth Overshoot Day – Anlage und Natur müssen in Einklang kommen

Der Earth Overshoot Day, der Tag, an dem das Ressourcenbudget unseres Planeten für das jeweilige Jahr ausgeschöpft ist, fällt dieses Jahr auf den 29. Juli. Mit anderen Worten, wir leben maßlos über unsere Verhältnisse und vertrauen blind, dass die Natur auch zukünftige Aktivitäten beständig unterstützen wird. Das ist nicht nur eine Form der Realitätsverweigerung, sondern birgt auch Anlagerisiken unbekannten Ausmaßes. Wenn wir nicht radikal umsteuern, wird sich die Menschheit mit weitaus unmittelbareren Risiken auseinandersetzen müssen.
27. Juli 2021
Victoria Leggett - Foto: © Union Bancaire Privée

Der Earth Overshoot Day, der Tag, an dem das Ressourcenbudget unseres Planeten für das jeweilige Jahr ausgeschöpft ist, fällt dieses Jahr auf den 29. Juli. Mit anderen Worten, wir leben maßlos über unsere Verhältnisse und vertrauen blind, dass die Natur auch zukünftige Aktivitäten beständig unterstützen wird. Das ist nicht nur eine Form der Realitätsverweigerung, sondern birgt auch Anlagerisiken unbekannten Ausmaßes. Wenn wir nicht radikal umsteuern, wird sich die Menschheit mit weitaus unmittelbareren Risiken auseinandersetzen müssen. 

„Mein Hund und ich haben eine Routine. Sie frisst alle Kekse in ihrem Napf und starrt dann gebannt auf den leeren Napf, während sie darauf wartet, dass ich ihn pflichtbewusst immer wieder auffülle. Ihr unerschütterliches Vertrauen, dass die Kekse immer wieder kommen werden, erinnert mich immer an das blinde Vertrauen der Unternehmens- und Finanzwelt, dass die Natur unsere Aktivitäten beständig und zuverlässig unterstützen wird. Wir alle haben seit langer Zeit ein lineares Wirtschaftsverständnis: „Nehmen, Verarbeiten, Wegschmeißen“. Wir sind darauf konditioniert, die Natur als etwas Getrenntes, Anderes zu sehen – im besten Fall etwas Schönes, um Zeit darin zu verbringen, im schlimmsten Fall eine kostenlose Ressource. Die Vermögensverwaltungsbranche tut sich besonders schwer damit, Dingen einen Wert zuzuschreiben, wenn sie nicht mit einer monetären Gebühr verbunden sind, insbesondere wenn deren Wert – wie bei natürlichen Ressourcen oft der Fall – nicht unmittelbar sichtbar ist.

Dies beginnt sich jedoch zu ändern. Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Ressourcen nicht unendlich sind und, dass der Klimawandel zu einer stärkeren Volatilität der Ökosysteme und der von ihnen zur Verfügung gestellten Ressourcen führen wird. Als Industrie beginnen wir, den wahren Beitrag des Naturkapitals zu unserer Wirtschaft zu berechnen. Um Tony Juniper, Vorsitzender von Natural England und Mitglied des Impact Advisory Board der UBP, zu zitieren: „Die Wirtschaft ist eine hundertprozentige Tochter der Natur, nicht umgekehrt.“ Die Zahlen sind enorm. Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums steht mehr als die Hälfte des weltweiten BIP in direktem Zusammenhang mit der Natur und ihren Ressourcen – wie der Bereitstellung von Nahrung, Fasern und Treibstoff. Und drei von vier Bissen, die wir heute essen, hängen von der Bestäubung durch Tiere ab.

Wenn wir beginnen, den Leistungen der Natur einen Wert beizumessen, wird dies einen echten Wandel für die Bewertungen und Aussichten unserer Investitionen und unsere Lebensqualität heute und morgen bedeuten.

Gewinner und Verlierer der Nachhaltigkeitswende

Es wird Gewinner und Verlierer geben. Deshalb ist die Art und Weise, wie wir investieren – die Unternehmen und Fonds, die wir unterstützen – wichtig.

Unternehmen, die zu einer naturverträglichen Wirtschaft beitragen, werden erheblichen Rückenwind für ihr Wachstum erhalten. Das reicht von Regulierung und Verbrauchernachfrage bis hin zur Unterstützung bei der Bewertung. Dies sind hauptsächlich Unternehmen, die Probleme lösen, wie zum Beispiel die Präzisionslandwirtschaft, die einen weitaus geringeren Einsatz von Chemikalien ermöglicht sowie biobasierte Lösungen und Unternehmen, die Abfall wiederverwerten. Solche Unternehmen können dazu beitragen, unseren Wirtschaftskreislauf zu schließen, sie zirkulärer zu machen und den Abbau von natürlichen Ressourcen in großem Maßstab zu vermeiden. Großes Potenzial bieten auch die großen multinationalen Konzerne in der Lebensmittel‑, Bekleidungs- und Fertigungsbranche mit ihren Lieferketten. Wenn diese Unternehmen mit ihren Zulieferern zusammenarbeiten, langfristig denken und sich tatsächlich für lokale Gemeinschaften und Lebensräume einsetzen, könnten auch sie zu den Gewinnern gehören.

Allerdings werden in den kommenden Jahren auch einige Sektoren mit unbeherrschbaren Risiken auf vielfältige Weise konfrontiert sein. Dazu zählen physische Risiken, wie zum Beispiel eine fortschreitende Verschlechterung der Bodenqualität, die zu Überschwemmungen oder Erosion führt und die Ernte weniger erfolgreich macht. Aber auch Haftungsrisiken zählen dazu. Gemeinden, die Verluste erleiden, werden zunehmend Entschädigungen von den Unternehmen fordern (man denke nur an Ölkatastrophen). Ein weiteres Risiko ist das Übergangsrisiko, bei dem Unternehmen der „Old Economy“ mit den Kosten des Übergangs zu einem naturfreundlichen Ansatz zu kämpfen haben.

Umdenken erforderlich

Wie gehen wir als Investoren damit um? Es mag einfach klingen, aber was gut für die Natur ist, ist fast immer auch gut für uns, und das gilt zunehmend auch für unsere Investitionen. Fondsmanager haben eine treuhänderische Pflicht, die nicht nur monetär gesehen werden kann. Wenn Asset Manager die Natur ignorieren, gehen sie wachsende Portfoliorisiken ein und verpassen auch die Chance, überdurchschnittliche Renditen für ihre Anleger zu erzielen und gleichzeitig die Natur als ihre Lebensgrundlage zu bewahren. Das blinde Vertrauen meines Hundes wird aller Wahrscheinlichkeit nach weiterhin belohnt werden. Das Gleiche kann man von den weltweiten Kapitalanlagen noch nicht behaupten.“

Kommentar von Victoria Leggett, Head of Impact Investing, Union Bancaire Privée

Victoria Leggett — Foto: © Union Bancaire Privée

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