Diversifizierung von US-Investments durch Small-Cap-Unternehmen

Die Investition in US-Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung kann deutliche Vorteile gegenüber der Exposition zu Large und Mid-Caps bieten: Small Caps stehen oft an der Spitze der Innovation und befinden sich in den frühen Phasen des Wachstumszyklus. Traditionell sind Small-Cap-Unternehmen zudem stärker von der Entwicklung heimischer Wirtschaft anhängig, da sie typischerweise eher auf lokalen Märkten als auf internationalen Märkten tätig sind.
8. April 2026
Daniel Dornel - Foto : © BNP Paribas Asset Management

Die Investition in US-Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung kann deutliche Vorteile gegenüber der Exposition zu Large und Mid-Caps bieten: Small Caps stehen oft an der Spitze der Innovation und befinden sich in den frühen Phasen des Wachstumszyklus. Traditionell sind Small-Cap-Unternehmen zudem stärker von der Entwicklung heimischer Wirtschaft anhängig, da sie typischerweise eher auf lokalen Märkten als auf internationalen Märkten tätig sind.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sie gegenüber politischen Entwicklungen – etwa Handelspolitische Maßnahmen – unempfindlich sind. Zu Beginn bestanden an den Märkten und in der Wirtschaft hinsichtlich der Auswirkungen der Trump-Zölle auf die US-Wirtschaft. Die Sorgen sind inzwischen weitgehend Hoffnungen auf mögliche Deregulierungen, weiterhin niedrige Zinsen sowie Verlängerungen von Steuersenkungen gewichen. Dieses Umfeld dürfte kleinen und mittelgroßen Unternehmen zugutekommen, ebenso wie Investitionsanreize, die Rückverlagerung von Produktion, eine stärkere Kreditvergabe durch Banken sowie niedrige Hürden für Fusion und Übernahme.Das Small-Cap-Aktiensegment – und damit auch Small-Cap-Indizes – ist in der Regel stärker diversifiziert als ihre Large-Cap-Pendants. Der MSCI USA Small Cap Index umfasst mehr als 1.500 Unternehmen, verglichen mit nur etwa 550 im breiten MSCI USA Index.

Geringere Technologiekonzentration

US-Smallcap-Indizes haben tendenziell eine ausgewogenere Allokation an Unternehmenssektoren. Daher ist die Exponierung im Technologiesektor, wo in den letzten Jahren eine wachsende Konzentration großer und Mega-Cap-Unternehmen (siehe Abbildung 1) gestiegen ist, deutlich begrenzter. Die starke Präsenz der Top 10 in den Large-Cap-Indizes spiegelt die beeindruckende Performance des Magnificent 7 in den letzten Jahren wider: Die Top 10 machen etwa 40 % des MSCI USA Index aus, während im Small-Cap-Index ihr kumulatives Gewicht nur bei etwa 4 % liegt.* einem so beträchtlichen Gewicht waren die größten Unternehmen die wichtigsten Leistungstreiber der US-amerikanischen Large-Cap-Indizes: Die Top 10 trugen 2024 und 2025 50 ‑60 % zu den Indexrenditen bei. Im Vergleich dazu lag der Top-10-Beitrag des MSCI USA Small Cap Index im Jahr 2025 nur bei etwa 15%

Indexkonstruktion und passive Small-Cap-Exposition

Bei der Betrachtung passiver Expositionen in US-Smallcap-Aktien, ist es wichtig, die genaue Definition des jeweiligen Investmentsegments zu verstehen. Zwischen verschiedenen Indexanbietern können die ausgewählten Aktien erheblich variieren. Der Unterschied in der Definition gilt grundsätzlich auch für Large und Mid-Cap-Indizes; da diese Indizes heute jedoch stark auf Mega-Caps konzentriert, fällt die Auswirkung dort weniger stark ins Geweicht.Als Beispiel: die Überschneidung zwischen dem MSCI USA und dem S&P 500 beträgt gemessen an der Marktkapitalisierung mehr als 95 %. Beim MSCI USA Large Cap und den S&P 500 liegt sie immer noch bei 89%. Dagegen beträgt die Überschneidung zwischen den MSCI- und S&P‑Small-Cap-Indizes jedoch nur 25 % bzw. 45 % bei MSCI und FTSE Russell.* Trotz ähnlicher Verhaltensweisen kann die Performance der Indizes deutlich voneinander abweichen (siehe Abbildung 2). So erzielten beispielsweise in den vergangenen 12 Monaten die MSCI- und Russell-Indizes vergleichbare Renditen (etwa 23 %), während der S&P‑Index lediglich etwa 17 % erzielte.begrenzte Überschneidung und die Unterschiede in der Performance führen zu einem höheren Tracking Error von Small-Cap-Indizes im Vergleich zu traditionellen Large- und Mid-Cap-US-Aktienbenchmarks. Dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, bei der Auswahl eines Small-Cap-Index die Definition des zugrunde liegenden Anlageuniversums sorgfältig zu betrachten.

Integration von ESG in US-Small-Cap-Exposure

Im vorangegangenen Abschnitt haben wir die Vorzüge einer passiven US‑Small‑Cap‑Exposition und die Bedeutung einer einheitlichen Definition des Anlageuniversums bei unterschiedlichen Indexanbietern erörtert. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Integration von Umwelt‑, Sozial‑ und Governance‑Faktoren (ESG). Auch im US‑Small‑Cap‑Segment – analog zu Large‑Cap‑Indizes – lassen sich ESG‑Kriterien auf vielfältige Weise einbinden; zudem kann die Art und Weise der Umsetzung die Performance des Index maßgeblich beeinflussen.

Im Folgenden betrachten wir die MSCI Select Filtered Min‑TE‑Methodik. Diese integriert ESG‑Aspekte in drei zentrale Dimensionen*:

  • Wertbasierte Ausschlüsse und Beschränkungen: Unternehmen, die in einem der nachfolgenden Geschäftsfelder tätig sind, werden aus dem Index gestrichen – Gewinnung fossiler Brennstoffe, thermische Kohlekraft, umstrittene Waffen sowie Tabakproduktion.
  • Verbesserung der ESG-Bewertung: Der gewichtet durchschnittliche ESG-Score des MSCI Select Filtered Min TE Indexes muss nach dem Ausschluss der 10 % am schlechtesten bewerteten Unternehmen mindestens dem ESG-Score des übergeordneten Index entsprechen.
  • Reduktion der Kohlenstoffintensität: Die Treibhausgas Intensität (Scope 1 + 2 + 3) des Index muss mindestens 20 % niedriger sein als die des übergeordneten Index.

Die Gewichtungen der Indexbestandteile werden mittels eines Optimierungsverfahrens ermittelt, das darauf abzielt, den ex‑ante‑Tracking‑Error gegenüber dem übergeordneten Index zu minimieren. In diesem Verfahren werden neben den bereits genannten Vorgaben zur Reduktion der Kohlenstoffintensität und zur Verbesserung des ESG‑Scores auch weitere Beschränkungen integriert: Es gelten maximale Abweichungsgrenzen zum Parent‑Index auf Ebene von Sektoren, Ländern und einzelnen Emittenten. Durch diese Kontrollen soll der ESG‑Index möglichst repräsentativ bleiben im Vergleich zu herkömmlichen Small‑Cap‑Expositionen. Im US‑Small‑Cap‑Segment führt die Einbindung von ESG‑Kriterien dazu, dass 1,411 von 1,628 Bestandteilen des übergeordneten Index im MSCI Select Filtered Min‑TE‑Universum verbleiben. Durch diese Maßnahmen steigt der branchenspezifisch adjustierte ESG‑Score von 5,7 auf 6,0, während die Kohlenstoffintensität des Index von 519 t CO₂e / $ M EVIC auf 422 t CO₂e / $ M EVIC sinkt. Der Einfluss auf den Tracking‑Error ist dabei gering: 0,55 % für ein‑jährig ex‑post wöchentliche Renditen und 0,50 % auf ex‑ante Basis.

ESG – Begrenzter Einfluss auf die Leistung

Trotz verbesserter ESG‑Kennzahlen sind die Performance‑Unterschiede zum konventionellen Index nur marginal, und die Volatilität ist nahezu identisch. Der MSCI USA Small‑Cap Select Filtered Min‑TE‑Index weist demnach ein Portfolio‑Profil auf, das in Bezug auf Rendite und Zusammensetzung dem Parent‑Index sehr ähnlich ist, wobei der Tracking‑Error überschaubar bleibt. Kennzahlen wie der ESG‑Score und die Kohlenstoffintensität können zusätzlich zu den Ausschlüssen umstrittener Geschäftsbereiche und schwerwiegender Kontroversen (im Einklang mit den Grundsätzen des UN‑Global‑Compact) weiter verbessert werden. Damit lässt sich schließen, dass der MSCI USA Small‑Cap Select Filtered Min‑TE‑Index ein weiteres Instrument darstellt, um ESG‑Aspekte in passive Portfolios zu integrieren, ohne dabei die wesentlichen Merkmale herkömmlicher Small‑Cap‑Exposures zu verlieren.

 Von Daniel Dornel, Head of ETF-Research bei BNP Paribas Asset Management

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