Grundsätzlich haben die Anleihemärkte in der Vergangenheit wieder an Attraktivität hinzugewonnen. Wo sich Opportunitäten auftun, das erläuterte Dr. Wolfgang Bauer, Fixed-Income-Fondsmanager bei M&G Investments, Mitte Februar im Gespräch.
INTELLIGENT INVESTORS: Herr Bauer, beim Austausch über die Lage an den Anleihemärkten führt kein Weg an der Inflation vorbei. Insbesondere der jüngste Anstieg der Teuerungsrate in den USA könnte einige verunsichern.
Dr. Wolfgang Bauer: Die Gemengelage in den Vereinigten Staaten ist schwierig. Der US-Präsident hat mit seinen politischen Ankündigungen für Aufregung gesorgt. Einige seiner Vorhaben könnten die Inflation weiter anheizen. Der zeitweise auszumachende Optimismus hinsichtlich weiterer Zinssenkungen ist mittlerweile größtenteils verflogen. Gleichzeitig wächst die US-Volkswirtschaft nach wie vor solide. Dennoch befindet sich die US-Notenbank angesichts ihres dualen Mandats in einer nicht einfachen Lage.
II: Bei den langlaufenden US-Staatsanleihen sehen wir ein Renditeniveau um die 4,5 Prozent. Durchaus attraktiv im Kontext der vergangenen Jahre.
Dr. Bauer: Ja, das Niveau ist auf den ersten Blick sehr attraktiv. Allerdings sollte man einige Faktoren bedenken. So ist, neben den unsicheren konjunkturellen Aussichten, insbesondere der Schuldenstand der Vereinigten Staaten mit in die Analyse einzubeziehen. Diese sind in den zurückliegenden Jahren stark angestiegen; viele Schulden bedürfen der Refinanzierung. Das große Angebot an neuen Treasuries könnte zu gewissen Verdauungschwierigkeiten am Markt führen.
II: Wie fällt derzeit Ihr Blick auf die US-Unternehmensanleihen aus?
Dr. Bauer: Eher vorsichtig. Die Risikoprämien haben sich doch sehr stark eingeengt. Wir fühlen uns als Investoren oftmals für das Kreditrisiko nicht besonders attraktiv entschädigt und haben folglich Risikopositionen tendenziell eher zurückgefahren. Wir finden nach wie vor Opportunitäten, sind jedoch der Meinung, dass der Gesamtmarkt der US-Unternehmensanleihen im Moment eher teuer bewertet ist.
II: Gibt es Sektoren, die Sie aktuell besonders mögen?
Dr. Bauer: Es ist eher schwierig, generelle Aussagen bezüglich eines gesamten Sektors zu treffen. Finanztitel der europäischen Peripherie waren eine Zeit lang sehr interessant. Mittlerweile haben wir den Fokus auf die US-Banken gelegt. Auch der Immobiliensektor erschien aus Rendite-Risiko-Sicht attraktiv. Doch auch hier muss man sozusagen unter die Motorhaube schauen und genauer analysieren.
II: Ein Wort allgemein zum Hochzinssegment?
Dr. Bauer: Der europäische als auch der US-High Yield Markt entwickelten sich 2024 positiv, was nicht zuletzt auf sinkende Credit Spreads und eine vergleichsweise robuste Entwicklung der Unternehmen zurückzuführen war. Aktuell positionieren wir uns lieber etwas defensiver. Wir halten einige Hochzinspositionen, von denen wir überzeugt sind. Aber generell ist es nicht mehr ganz so einfach, gute Opportunitäten zu finden.
II: Wie wichtig ist Ihnen grundsätzlich aktives Management?
Dr. Bauer: Das aktive Steuern ist ein elementarer Baustein und unabdingbar im Anleiheuniversum. Der Unternehmensanleihemarkt ist relativ heterogen und oftmals ineffizient, was uns als aktiver Manager Opportunitäten liefert. Gleichzeitig versuchen wir durch unser Kreditmanagement Ausfallrisiken zu minimieren.




