„Die Reformwilligkeit der Regierung bleibt gefragt“

Eine kleine Reise um die Welt. Wie sieht es volkswirtschaftlich in den Regionen aus? Dr. Felix Schmidt, Leitender Volkswirt bei Berenberg, sprach Ende Februar in Frankfurt mit Alexander Heftrich.
16. März 2026
Dr. Felix Schmidt - Foto: Copyright Berenberg

Eine kleine Reise um die Welt. Wie sieht es volkswirtschaftlich in den Regionen aus? Dr. Felix Schmidt, Leitender Volkswirt bei Berenberg, sprach Ende Februar in Frankfurt mit Alexander Heftrich.

INTELLIGENT INVESTORS: Sprechen wir über das Wirtschaftswachstum, so fällt der erste Blick stets auf die USA. Wo stehen wir dort aktuell, Dr. Schmidt?

Dr. Felix Schmidt: Das Wachstum in den USA schwächt sich zunehmend ab. Das Bruttoinlandsprodukt ist im 4. Quartal 2025 um 1,4 % im Vergleich zum Vorquartal gewachsen und lag damit deutlich unter den Erwartungen. Insgesamt ist die US-Wirtschaft 2025 um 2,2 % gewachsen. Unterstützend wirken der KI-Boom und auch ein recht stabiler privater Konsum. Trumps Zoll- und Immigrationspolitik wirkt hingegen als Belastungsfaktor. Mit Blick nach vorn sind wir für das US-Wachstum leicht pessimistisch und gehen für die kommenden Jahre von geringeren Wachstumsraten in Höhe von 1,5 % aus.

II: Anfang November stehen die Midterms an. Ein Gradmesser für die US-Administration.

Dr. Schmidt: Absolut. Die Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus ist dünn. Die großen Themen bei den Wählern sind Inflation und Arbeitsmarkt. Trump wird daher einiges versuchen, um das Wachstum und die Beschäftigung bis zu den Wahlen hochzuhalten. Neben fiskalischen Impulsen könnten gezielte Maßnahmen mit unmittelbarer Wirkung auf die privaten Haushalte folgen, Trump würde beispielsweise gerne die Kreditkartenzinsen deckeln, Stichwort: Affordability.

II: Schauen wir auf den europäischen Kontinent. Man liest vermehrt Positives über Europa. Wie sehen Sie das?

Dr. Schmidt: Wir rechnen für dieses Jahr mit einem robusten Wachstum in der Eurozone in Höhe von 1,3 % gefolgt von einem Peak in Höhe von etwa 1,5 % 2026. Zahlreiche Konjunkturindikatoren deuten auf eine solide Entwicklung hin und die Arbeitslosenquote in der Eurozone notiert auf dem tiefsten Stand seit Einführung des Euros. Die lockere EZB-Geldpolitik zeigt Wirkung. Zudem gibt es vermutlich weniger Störfeuer aus den USA. Das alles wirkt stimulierend für Europa, wobei wir unter der Oberfläche aber auch auf die einzelnen Mitgliedstaaten schauen müssen.

II: Und somit wären wir bei Deutschland. Einst Konjunkturlokomotive Europas, nun eher „Dauerbaustelle“?

Dr. Schmidt: Auch hierzulande erkennen wir zaghafte positive Wachstumsimpulse. So hat die deutsche Industrie zuletzt wieder deutlich mehr Aufträge erhalten, insbesondere im Verteidigungssektor. Sorgenkinder bleiben die Sektoren Chemie und Automobil. Getragen wird die generell positive Entwicklung insbesondere durch die deutlichen Ausgaben in den Ressorts Verteidigung und Infrastruktur. Darüber hinaus bleibt aber auch die Reformwilligkeit der Regierung gefragt. Man hat den Eindruck, dass diese in der jüngeren Vergangenheit etwas ins Stocken geraten ist.

II: Abschließend Ihr Eindruck zu China und den Emerging Markets?

Dr. Schmidt: Die chinesische Wirtschaft wächst weiterhin verhalten und hat ihre frühere Rolle als globaler Wachstumsmotor längst eingebüßt. Der private Konsum ist schwach; die Probleme häufen sich. Wir gehen davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren in Richtung 4 % absenken wird. Generell profitieren Schwellenländer derzeit von einigen Faktoren. Der schwache US-Dollar, die steigende Rohstoffnachfrage und Bewertungsabschläge der Vergangenheit sind einige Argumente, die für Schwellenländer sprechen.

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