Das Sommerloch hat uns im Griff, die Aktien- und Anleihemärkte bewegen sich träge. Spannender wird es voraussichtlich erst im September mit neuen US-Daten zu Arbeitsmarkt und Inflation. Die aktuelle Ruhe an der Börse verschafft Spielraum für einen Blick auf die veränderte Machtpolitik – im Großen bei den Verhandlungen mit Russland und der Ukraine ebenso wie im Kleinen, etwa bei der Frage, wem eine Fußball-Trophäe zusteht, überlegt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Weltweit waren die Märkte diese Woche relativ ruhig, die Kursbewegungen verliefen weitgehend seitwärts. Eine Erkenntnis gab es jedoch: Gemäß Protokoll der letzten Fed-Sitzung konzentriert sich die Mehrheit der US-Notenbanker eher auf die Inflation als auf die Risiken am Arbeitsmarkt.
Diese Sitzung fand allerdings vor Bekanntgabe der jüngsten, enttäuschenden Beschäftigungszahlen statt, was die Bedeutung der dort vertretenen Meinungen schmälert. Die Konferenz in Jackson Hole an diesem Wochenende dürfte sich als wichtiger erweisen, und mit Spannung wird beobachtet werden, ob Jerome Powell im Einklang mit den Marktprognosen eine Senkung der Zinsen bei der Fed-Sitzung im September andeutet.
Das Thema des diesjährigen Symposiums – „Arbeitsmärkte im Wandel: Demografie, Produktivität und Wirtschaftspolitik“ – ist allerdings recht weit gefasst. Powell könnte die Märkte also auch im Ungewissen lassen. Letztendlich könnten die nächsten US-Arbeitsmarktdaten am 5..September entscheidend sein, zumal nur wenige Tage später die August-Inflationszahlen vorliegen werden.
Während sich alle Augen auf den September richten, verharren die Märkte im Sommermodus, und viele Anleger sind froh, nach sechs bis sieben sehr aktiven Trump-Monaten einen Moment lang durchatmen zu können.
In Europa ist Mitte August Urlaubszeit, so dass, wenig überraschend, die Märkte ebenfalls relativ ruhig blieben. Auch an den Anleihemärkten war die Aktivität verhalten, und die Aktienindizes steigen ebenfalls vorerst nicht weiter.
Auf der Anleiheseite sehen wir nach wie vor einen gewissen Wert in nachrangigen Finanzwerten und einzelnen anderen Bereichen, in denen es Spielraum für engere Spreads geben könnte. Abgesehen davon halten wir die Bewertungen derzeit jedoch für eine Herausforderung, und wir werden mit Interesse verfolgen, ob die Märkte angesichts des saisonal hohen Emissionsangebots im September weitere Preiszugeständnisse verlangen. Aus dieser Sicht bleiben wir in Bezug auf das Beta-Risiko bei Unternehmensanleihen relativ vorsichtig.
Auch die Devisenmärkte tendierten im Wochenverlauf seitwärts, da es keine neuen Impulse gab, die die Kurse hätten bewegen können. Wir tendieren weiterhin leicht zu einem schwächeren Dollar und bevorzugen den koreanischen Won, den wir als strukturell unterbewertet ansehen, sowie die norwegische Krone. Die in dieser Woche veröffentlichten Wachstumsdaten aus Norwegen haben die jüngste wirtschaftliche Outperformance des Landes unterstrichen, und wir gehen davon aus, dass sich dies deutlicher in der Entwicklung der Währung widerspiegeln wird, die gegenüber dem Euro weiterhin nahe ihrem historisch niedrigsten Stand notiert.
In Japan gehen wir davon aus, dass die Zinsdifferenz zwischen zehn- und dreißigjährigen Bonds sinken wird, die unserer Meinung derzeit viel zu ausgeprägt ist. Aber abgesehen von diesen Kurvendiskussionen halten wir unsere Zins- und Kreditduration relativ stabil, da wir im aktuellen Marktumfeld mehr Chancen darin sehen, Positionen bezüglich der Renditekurven und Relative-Value-Trades einzugehen.
Ausblick
Das Treffen von Trump und Putin in Alaska lieferte letzte Woche viel Gesprächsstoff zum Krieg in der Ukraine, woraufhin Selenskyj und europäische Staats- und Regierungschefs nach Washington reisten. Möglich, dass in den Gesprächen einige Fortschritte erzielt wurden, doch Kiew hat bislang wenig Grund zum Feiern. Die Abtretung ukrainischer Gebiete an Russland nach dessen Aggression bleibt höchst problematisch. Auch müssen alle Sicherheitsgarantien wasserdicht sein, um auszuschließen, dass Russland nach der Konsolidierung seiner Eroberungen zu einem späteren Zeitpunkt versucht, diese Erfolge weiter auszubauen.
Auf eine gewisse Weise ist es faszinierend, die Politik der Macht zu beobachten – so viel hat sich in den letzten Jahren verändert. Wer ein Auge für Details hat, wird erkennen, dass der Pokal, den der FC Chelsea während der Klub-WM in den USA dieses Jahr gewonnen hat, direkt hinter Trump einen Ehrenplatz im Oval Office einnimmt. Das ist die neue Weltordnung: Hoch lebe Chelsea!




