Die Fed vor einem Wendepunkt

Ein bröckelnder Arbeitsmarkt, stabile Inflationserwartungen und der zunehmende politische Druck deuten darauf hin, dass die Federal Reserve (Fed) bei ihrer bevorstehenden September-Sitzung einen entscheidenden Kurswechsel vollziehen wird, erklärt Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A. Eine Zinssenkung erscheint unausweichlich.
15. September 2025
Jörg Held - Foto: Copyright ETHENEA

Ein bröckelnder Arbeitsmarkt, stabile Inflationserwartungen und der zunehmende politische Druck deuten darauf hin, dass die Federal Reserve (Fed) bei ihrer bevorstehenden September-Sitzung einen entscheidenden Kurswechsel vollziehen wird, erklärt Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A. Eine Zinssenkung erscheint unausweichlich.

„In seiner Rede in Jackson Hole hat Jerome Powell Ende August betont, dass die Fed die Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt höher bewertet als die Aufwärtsrisiken für die Inflation. Nun wird der Zustand des Arbeitsmarktes zum Hauptgrund für eine bevorstehende geldpolitische Lockerung. Die US-Wirtschaft zeigte im August 2025 erstmals seit Längerem einen Beschäftigungsrückgang, was deutliche Risse im Fundament des Arbeitsmarktes offenbart. In Kombination mit einer auf 4,3 Prozent gestiegenen Arbeitslosenquote dürfte dies die Fed höchstwahrscheinlich zu einer Zinssenkung veranlassen.

Arbeitsmarkt kritisch, Inflation unter Kontrolle

Die jüngsten Inflationsdaten zeigen zwar einen leichten Anstieg, liegen jedoch im Rahmen der Erwartungen. Marktteilnehmer sehen dies eher als vorübergehenden Effekt denn als nachhaltigen Trend. Für die Fed bedeutet dies, dass sie keinen zusätzlichen Handlungsdruck verspürt, die Zinsen aggressiv zu erhöhen. Stattdessen kann sie ihren Kurs gradueller Zinssenkungen beibehalten, ohne ihre Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation zu gefährden.

Ausblick: Beginn eines Lockerungszyklus

Eine Zinssenkung im September könnte den Auftakt zu einem neuen Lockerungszyklus markieren. Der Markt rechnet derzeit mit einem Rückgang des Leitzinses auf unter 3 Prozent bis Ende 2026. Dieser Erwartungshorizont ist nicht zuletzt politisch geprägt: Seit der Rückkehr Donald Trumps ins Präsidentenamt ist der Druck auf die Fed massiv gewachsen, frühzeitig Impulse für Wachstum und Beschäftigung zu setzen. Zudem endet Jerome Powells Amtszeit im Mai 2026 – ein von Trump ernannter Nachfolger dürfte den Kurs weiterer Zinssenkungen wahrscheinlich verstärken.

Neuordnung der Prioritäten

Die anstehende September-Sitzung könnte somit als jener Moment in die geldpolitische Geschichte eingehen, an dem die Fed ihre Prioritäten neu ordnete: weg von der alleinigen Inflationsbekämpfung, hin zu einer aktiveren Stützung des Arbeitsmarktes. Die Inflationsrisiken halten wir derzeit für überschätzt und erwarten eine fortgesetzte Lockerung der Geldpolitik in den kommenden zwei Jahren.“

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