Der strategische Wettbewerb zwischen China und den USA

Die Welt kehrt in ein bipolares System zurück – China und die USA befinden sich in einem globalen Wettstreit um strategische Vorherrschaft. Trotz Chinas Umsetzung des Programms „China 2025“ konnte die USA offenbar ihre technologische Führungsrolle in Bereichen wie Halbleitern und Künstlicher Intelligenz behalten. Somit konzentriert sich ein zentraler Aspekt des Wettbewerbs zunehmend auf Ressourcen – insbesondere auf Energie sowie kritische Mineralien und Seltene Erden (REEs).
17. März 2026

Die Welt kehrt in ein bipolares System zurück – China und die USA befinden sich in einem globalen Wettstreit um strategische Vorherrschaft. Trotz Chinas Umsetzung des Programms „China 2025“ konnte die USA offenbar ihre technologische Führungsrolle in Bereichen wie Halbleitern und Künstlicher Intelligenz behalten. Somit konzentriert sich ein zentraler Aspekt des Wettbewerbs zunehmend auf Ressourcen – insbesondere auf Energie sowie kritische Mineralien und Seltene Erden (REEs).

Der Zugang zu günstigen und verfügbaren Energiequellen war schon immer ein entscheidender Faktor im Wettbewerb zwischen Großmächten – daran hat sich auch in der heutigen Welt nichts geändert, im Gegenteil: Energie ist unverzichtbar und der Bedarf für die globale Wirtschaft, das Bevölkerungswachstum, die Digitalisierung, KI, Cloud Computing und die Elektrifizierung des Verkehrs steigen. Ebenso sind Seltene Erden für viele moderne Technologien von zentraler Bedeutung, darunter Robotik, saubere Energien, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, digitale Infrastruktur und Unterhaltungselektronik. Vor diesem Hintergrund werden Energie und Seltene Erden zu geopolitischen Hebeln und verdeutlichen die Herausforderungen, vor denen die USA und der Westen insgesamt in ihren Beziehungen zu China stehen. Beide Faktoren haben dazu beigetragen, dass sich die Verhandlungsposition der USA in den vergangenen zehn Jahren deutlich verschlechtert hat.

Wettbewerb im Energiesektor

Sichere und kostengünstige Energiequellen haben Staaten schon immer einen Wettbewerbsvorteil verschafft, da sie Investitionen anziehen und es Unternehmen ermöglichen, ausländische Konkurrenten zu unterbieten. Damals wie heute profitieren die USA von einem solchen Vorteil. Heimische Ölreserven, der Zugang zu anderen Ölvorkommen und die Fracking-Revolution ermöglichen attraktive Strompreise. Gleichzeitig sind die Stromnetze veraltet und der Bedarf steigt exponentiell, weil KI zunehmend genutzt wird. China hingegen arbeitet seit Jahren an Batteriespeichertechnologien und baut die Energiekapazitäten in allen Bereichen aus – von Kohle über Erneuerbare Energien bis hin zur Kernkraft. So liefert die stationäre Solarstromerzeugung mit Batterien beispielsweise bereits heute halb so viel Energie wie die gesamte Stromerzeugung der USA. Außerdem baut China derzeit 34 Kernkraftwerke und plant weitere 200, während in den USA seit Jahrzehnten kaum neue ans Netz gegangen sind.

Obwohl Chinas KI-Chips derzeit noch weniger leistungsfähig sind und mehr Energie verbrauchen als die US-Modelle, hat es den technologischen Rückstand bei Halbleitern aufgeholt und konnte durch den Zugang zu günstiger Energie zum Niveau der USA aufschließen. Auch die Elektrifizierung nimmt rasant zu, da Rechenzentren in China durchschnittlich nur drei Cent pro Kilowattstunde zahlen – Übersee sind es sieben Cent oder mehr. In den USA hat die Stromproduktion bislang nicht mit der wachsenden Nachfrage Schritt gehalten, so dass steigende Strompreise die Verbraucher belasten und den politischen Druck erhöhen. Während die Stromkapazität in den USA in diesem Jahrhundert relativ konstant geblieben ist, ist sie in China sprunghaft angestiegen. Das paradoxe Ergebnis: China, das eher ressourcenarm ist, wird zum weltweit führenden Stromproduzenten, indem es Innovationen im Bereich Batteriespeicherung und erneuerbare Technologien vorantreibt und die Energiepreise stark subventioniert. Damit stärkt und fördert China die Elektrifizierung der gesamten Wirtschaft.

All dies bedeutet, dass China sein Technologiedefizit bei Halbleitern nun durch seine Energiedominanz ausgleichen kann, um den zukünftigen Bedarf zu decken, wohingegen die USA in den kommenden drei Jahren vor einem Defizit von 44 Gigawatt stehen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die USA und ihre Verbündeten rasch zusätzliche und leistungsfähigere Energiequellen erschließen. Davon dürfte auch jedes westliche Unternehmen profitieren, das in die Steigerung der Energieproduktion und die Modernisierung des Stromnetzes investiert.

Seltene, Seltene Erden 

China kontrolliert mehr als 70 % des weltweiten Abbaus und 90 % der globalen Raffinerieproduktion wichtiger Mineralien. Die anhaltende Abhängigkeit des Westens von China bei magnetischen Seltenen Erden verdeutlicht den begrenzten Einfluss, den sie auf Peking ausüben können – zuletzt sichtbar, als die USA bei den Zollverhandlungen einlenkte. Früher konnten die USA Beschränkungen für Halbleiterchips als wirksames Verhandlungsinstrument einsetzen; diese Ära ist jedoch vorbei. Seltene Erden standen im vergangenen Jahr wieder im Fokus, als China das Angebot einschränkte und Exportkontrollen einführte. Zwar wurde die Situation zunächst entschärft, indem China diese Beschränkungen global für ein Jahr aussetzte, doch im Januar nutzte das Land erneut seinen Einfluss auf Seltene Erden im Streit mit Japan um Taiwan.

Warum ist das so wichtig? Weil unsere gesamte moderne Welt auf Seltenen Erden basiert. Diese kritischen Mineralien sind für viele der innovativen Produkte, die wir täglich nutzen, von entscheidender Bedeutung. Smartphones, Elektrofahrzeuge, Windkraftanlagen und Roboter sind in unterschiedlichem Maße auf Seltene Erden angewiesen. Besonders relevant ist dabei die Verteidigung: Zwar werden nur geringe Mengen benötigt, doch ohne Radargeräte, Drohnen, Laser oder Raketenleitsysteme wäre das US-Militär weitgehend handlungsunfähig. Daher ist die Sicherung des Zugangs zu diesen Mineralien von strategischer Priorität. Es überrascht deshalb nicht, dass Seltene Erden einen potenziellen Engpass für die Weltwirtschaft darstellen. China dominiert den Markt seit Jahrzehnten im Rahmen seiner langfristigen Industriepolitik, die darauf abzielt, den Großteil des weltweiten Angebots zu kontrollieren. Entscheidend ist vor allem Chinas Führungsrolle in der Raffinerie- und Verarbeitungstechnologie, die es vom Rest der Welt abhebt – ein Know-how, das China in den 1990er Jahren von den USA übernahm. Zwar verfügt China nur über etwa ein Drittel der weltweiten REE-Reserven, produziert aber mehr als vier Fünftel des Angebots. Mehrere Länder, darunter die USA, könnten Seltene Erden abbauen, doch aufgrund des Monopols auf die Verarbeitungstechnologie kann derzeit nur China große Mengen raffinieren. Dies ist eine Frage monopolistischer Preisgestaltung, von Umweltauflagen und der Kostenstruktur.

Seltene Erden und Energie spielen auch eine Rolle in den politischen Initiativen der USA unter Trump, u. a. in Venezuela, Grönland und sogar in der Ukraine. Im Oktober unterzeichneten die USA ein Abkommen mit Australien, in dem beide Länder Investitionen in Milliardenhöhe zum Ausbau der Produktionskapazitäten zusagten. Australien ist derzeit nach China der zweitgrößte Produzent von Seltenerdmetallen, liegt aber weiterhin deutlich zurück. China wird seine Fähigkeiten und Vorteile in der Mineralverarbeitung voraussichtlich weiterhin nutzen, während die USA versuchen, durch Handelsabkommen aufzuholen. Die beiden größten Volkswirtschaften sind weiterhin aufeinander angewiesen, um Wohlstand zu sichern, suchen jedoch gleichzeitig nach Möglichkeiten, sich voneinander zu lösen und sich Vorteile zu verschaffen. Wer im Bereich Energie und kritische Mineralien strategische Vorherrschaft erlangt und aufrechterhält, wird langfristig einen entscheidenden Vorsprung im wachsenden Wettbewerb der Großmächte besitzen.

 Auswirkungen für Investoren

Hier kommen Innovation und gezielte Investitionen ins Spiel. Wir gehen davon aus, dass Energieaktien – insbesondere solche, die an der Elektrifizierung der Energieversorgung beteiligt sind – stark von diesem Trend profitieren werden. Die Steigerung der Energieproduktion, Innovationen im gesamten Energiesektor, insbesondere in Kern- und Solarenergie, der Wiederaufbau und die Modernisierung des Stromnetzes sowie die Entwicklung neuer Technologien zur Verarbeitung von Seltenen Erden werden hohe Priorität genießen und erfordern erhebliche Unterstützung sowohl seitens der Regierungen als auch durch private Investitionen. Derzeit sind Seltene Erden noch eine relativ unsichere Anlageoption. Ohne umfassende staatliche Unterstützung und langfristige Investitionsgarantien wird China, wie schon seit Jahrzehnten, potenzielle Konkurrenten vom Markt drängen. Die Technologie zur Verarbeitung liegt nach wie vor fast ausschließlich in chinesischer Hand. Ob der Westen den Mut hat, langfristig zu investieren, um aufzuholen, bleibt angesichts der erheblichen Umweltfolgen eine offene Frage.

Autor, Martin Schulz ‚Group Head of International Equities, Federated Hermes

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