Private Debt hat sich in den vergangenen Jahren als widerstandsfähige Anlageklasse bewiesen. Trotz geopolitischer Spannungen, Inflation und gestiegener Zinsen blieben die Ausfallraten niedrig bis moderat. Getrieben durch die robuste Marktentwicklung entwickelte sich in den letzten Jahren zudem ein Sekundärmarkt für Private Debt Investments, der Investoren Liquiditätsoptionen und erweiterte Portfoliosteuerungsmöglichkeiten eröffnet.
Quelle:: Evercore. / Hinweis: (1) Stand August 2025. (2) Globales Sekundärmarktvolumen, unabhängig der Anlageklasse.
Was Investoren über den Sekundärmarkt wissen sollten
Dieser Markt ist vergleichsweise jung: Die ersten dedizierten Produkte wurden erst im Zeitraum 2018 bis 2020 lanciert. Der Kreditsekundärmarkt ist – verglichen mit dem Private Equity Sekundärmarkt – noch relativ klein, ist aber in den vergangenen fünf Jahren bereits signifikant gewachsen. Aktuell übersteigt die geschätzte Nachfrage das Angebot an Kapital, obwohl immer mehr Anbieter dedizierte Sekundärmarktstrategien im Bereich Private Debt anbieten.
Nordamerika beziehungsweise die USA und Europa sind die größten Private Debt Märkte. Der Markt für Private Debt in Asien ist noch unreif, jung und unterentwickelt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass im Rahmen der Sekundärtransaktionen meistens US- oder europäische Portfolios ge- und verkauft werden.
Was sind Sekundärmarkttransaktionen und wie kommen sie zustande?
Sekundärmarkttransaktionen ermöglichen es Investoren, ihre Portfolios und auch Exposure zu älteren Fonds-Vintages auf- oder abzubauen. Weiter bieten sie Investoren die Möglichkeit, ein diversifiziertes Exposure über unterschiedliche Kreditstrategien und Manager hinweg aufzubauen und die Flexibilität innerhalb ihrer Strategischen Asset Allocation zu erhöhen. Der initiale Aufbau eines Private Debt Portfolios gelingt durch den gezielten Einsatz von Sekundärmarktstrategien auch schneller.
Es wird unterschieden zwischen vom Assetmanager initiierten (sog. „GP-geführten“ oder „GP-Led“ “) und vom Investor initiierten (sog. „LP-geführten oder „LP-Leg“) Transaktionen. Bei GP-geführten Sekundärmarkttransaktionen, die zuletzt den Großteil des Transaktionsvolumens ausmachten, erwerben Investoren Beteiligungen an vom Fondsmanager neu strukturierten oder fortgeführten Portfolios. Bei Investoren-geführten Transaktionen erwerben Investoren bestehende Fondsbeteiligungen von anderen Investoren.
LPs, die mittlerweile ihre Private Debt Portfolios aufgebaut haben, können sich aus verschiedenen Gründen für die Initiierung einer Sekundärmarkttransaktion entscheiden. Zum Beispiel möchten oder müssen sie die eigenen Portfolios umpositionieren oder brauchen mehr Liquidität. In letzter Zeit sind auch Assetmanager unter Druck, mehr Liquidität für Ihre Investoren zu generieren was sie durch den Verkauf von ganzen oder Teilportfolios möglich wäre.
Transaktionen können bilateral zwischen den Parteien organisiert, strukturiert und verhandelt werden. Es ist weiterhin möglich, dass weitere Marktakteure – wie zum Beispiel Boutique-Investmentbanken und Broker – Auktionen organisieren. Im Rahmen von Auktionsprozessen haben mehrere potenzielle Käufer die Möglichkeit, ein (verbindliches) Angebot abzugeben.
Warum ist die Bepreisung der Transaktionen besonders wichtig?
Es ist für potenzielle Investoren sehr wichtig, das Rendite-Risiko-Profil der Sekundärmarkttransaktion zu verstehen und dieses auch entsprechend zu bepreisen. Insbesondere im Falle von Senior Debt Strategien ist das Verständnis über die dargelegten Aspekte zudem kritisch, da Investments in der Regel kein oder nur bedingt Wertsteigerungspotenzial anbieten. „Schlechtere“ Deals bleiben zudem in Kreditportfolios häufig länger unrealisiert, als jene die sich insgesamt positiv entwickelt haben.
Die fach- und marktgerechte Bepreisung der Portfolios ist sehr wichtig. Im Rahmen von Sekundärmarkttransaktionen werden Portfolios meistens zu einem sog. „Discount“ zum NAV, also Kaufabschlag zur Bewertung am jeweiligen Stichtag, erworben. Der effektive Kaufabschlag besteht aus mehreren Komponenten und kann eventuelle Verluste im Kreditportfolio, die zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden, mindern, oder sogar aus Sicht des Käufers weiteres Wertsteigerungspotenzial bieten.
Die Höhe des Abschlags ist von der Qualität des Portfolios sowie vom aktuellen Marktumfeld abhängig.
Einschätzung von Nedelina Lazarov, Partner | Investment Manager — Private Equity & Private Debt, HQ Trust





