Ende Juli 2025. In Berlin wurde soeben ein großes Investitionspaket verkündet. Die tragende Säule in Deutschland ist dabei der Mittelstand. Zeit für ein Sommerinterview mit Dr. Maximilian-Benedikt Köhn & René Kerkhoff zu den aktuellen Aussichten, ihrem Fonds und ihrer Selbstständigkeit.
INTELLIGENT INVESTORS: Mehr als die Hälfte des Jahres ist vorüber. Wie blickt Ihr aktuell auf die Märkte angesichts der erratischen Politik Trumps, dem Aufbäumen der deutschen Wirtschaft etc.?
René Kerkhoff: Wir sehen derzeit erste positive Signale für eine wirtschaftliche Belebung – insbesondere in Europa und vor allem in Deutschland. Treiber ist unter anderem das angekündigte Infrastrukturprogramm, das Investitionen stimulieren und Wachstumsimpulse setzen dürfte. Gleichzeitig sind europäische Nebenwerte im historischen Vergleich sowie im relativen Vergleich zu Large Caps weiterhin günstig bewertet.
Viele globale Investoren scheuen aktuell das politische Risiko in den USA – insbesondere im Zusammenhang mit Trump und einer potenziellen Verschärfung der Außen- und Wirtschaftspolitik. Hinzu kommen Währungsverluste beim USD. Das lenkt vermehrt Kapital nach Europa – zunächst in Large Caps, aber inzwischen beobachten wir auch zunehmendes Interesse an Nebenwerten. Diese könnten – bei weiter stabilisierendem Umfeld – strukturell wieder outperformen.
II: Vor knapp zwei Jahren seid Ihr mit dem Fonds an den Start gegangen. Mittlerweile mehr als 100 Mio. € AuM und eine Performance (seit Auflage) von über 50%. Das klingt beeindruckend. „Gutes Konzept zur richtigen Zeit“?
Dr. Maximilian-Benedikt Köhn: Wir sind mit der Entwicklung des Fonds sehr zufrieden. Natürlich gehört auch immer ein Stück Timing und Marktumfeld dazu – aber vor allem zeigt sich, dass unser klarer, fokussierter Investmentansatz funktioniert. Wir investieren konsequent in strukturell wachsende Unternehmen mit starken Geschäftsmodellen – unabhängig von kurzfristigem Marktlärm. Dass wir damit echten Mehrwert für unsere Anleger geschaffen haben, bestätigt uns in unserer Arbeit – gerade auch in Phasen, in denen die Märkte nicht nur Rückenwind bieten.
II: Im Rahmen Eurer Tätigkeit seid Ihr auch immer im hohen Norden, Skandinavien, unterwegs. Gibt es dort weiter spannende Geschäftsfelder? Ticken die Unternehmen anders?
Kerkhoff: Skandinavien bleibt für uns eine extrem spannende Region – gerade in den Bereichen Technologie, Digitalisierung und Medizintechnik. Die Innovationskraft ist hoch, die Unternehmensführung professionell, und die Kapitalmarktkultur ist fortgeschritten. Gleichzeitig ähneln viele Unternehmen in Struktur und Kultur den mittelständisch geprägten Betrieben aus der DACH-Region – das macht sie für uns sehr gut analysierbar und vergleichbar. Viele Geschäftsmodelle sind global skalierbar, gleichzeitig aber lokal stark verankert – das ist ein attraktives Setup für langfristiges Wachstum.
II: Wie blickt Ihr aktuell auf den deutschen Mittelstand? Wie viel Potenzial haben die hiesigen Nebenwerte?
Köhn: Wir sehen im deutschen Mittelstand aktuell ein enormes Nachholpotenzial. Die Bewertungen sind historisch niedrig, viele Unternehmen haben in den letzten Jahren ihre Kostenstrukturen optimiert und sich operativ schlanker aufgestellt. Kommt jetzt eine moderate wirtschaftliche Erholung, könnten die Gewinne überproportional zulegen. Zudem ist der deutsche Nebenwertebereich voll von echten Qualitätsunternehmen, die langfristig profitabel wachsen, aber vom Markt aktuell nicht ausreichend gewürdigt werden. Das bietet für aktive Investoren wie uns viele Chancen.
II: Viele wagen den Schritt in die Selbstständigkeit – nicht alle reüssieren. Was bedarf es, um sich erfolgreich am Markt zu etablieren?
Kerkhoff: Fleiß, Durchhaltevermögen und Überzeugung für das eigene Konzept sind aus unserer Sicht zentrale Faktoren. Wichtig ist aber auch, in schwierigen Phasen nicht von seiner Strategie abzuweichen. Wir profitieren zudem von einem belastbaren Netzwerk, das wir uns über viele Jahre aufgebaut haben – sei es auf Unternehmensseite, im Vertrieb oder bei Investoren. Letztlich muss man seinen Weg mit Konsequenz, Qualität und Nähe zum Markt gehen – dann stellt sich auch der langfristige Erfolg ein.




