Warum sich Fixed Income von Produktsilos zu ergebnisorientierten, Liability-ausgerichteten und kundenzentrierten Plattformen entwickeln muss.
In einem Markt, der zunehmend komplexer wird und in dem die Kundenbedürfnisse immer mehr konvergieren, liegt die Zukunft von Fixed Income nicht mehr darin, das überzeugendste Einzelprodukt anzubieten oder eine Benchmark um ein paar Basispunkte zu schlagen. Der nachhaltige Wert entsteht vielmehr durch die Fähigkeit, ergebnisorientierte Lösungen zu liefern, die die individuellen Rahmenbedingungen und Ziele institutioneller Kunden widerspiegeln.
Der Wandel ist bereits im Gange. Unsere Branche bewegt sich weg von einer produkt- und performancegetriebenen Struktur hin zu einem Selbstverständnis, das von Sinnorientierung und Problemlösung geprägt ist. Im Zentrum dieses Wandels steht ein neues Modell für Fixed Income: multisektoral, funktionsübergreifend, verpflichtungsbewusst – und konsequent auf Kundenergebnisse ausgerichtet.
Vom Produkt zum Mehrwert
Fixed-Income-Angebote wurden traditionell in abgegrenzten Einheiten gestaltet: etwa durch eine Allokation in einen klassischen Investment-Grade-Fonds, ein stärker alphaorientiertes High-Yield-Produkt oder ein Engagement in Schwellenländeranleihen. Jedes Produkt folgte einem bestimmten Risiko-Rendite-Profil und wurde häufig anhand einer Benchmark bewertet.
Doch heute reicht das institutionellen Kunden – insbesondere Versicherern und Pensionskassen – nicht mehr aus. Sie suchen kein Exposure, sondern Lösungen.
Sie jagen nicht Alpha hinterher – sie versuchen, ihre Verpflichtungsstrukturen zu erfüllen, die Kapitalanforderungen zu optimieren und ihre Cashflows präzise zu steuern.
Dies gilt umso mehr, als sich die Bedürfnisse von Pensionseinrichtungen und Versicherern zunehmend annähern. Beide benötigen langfristige, nachhaltige Einkommensquellen und vorhersehbare Cashflows, die zu ihren Verpflichtungen passen. Beide suchen Diversifikation zur Absicherung gegen Marktvolatilität und unvorhersehbare Entwicklungen, robuste Governance-Strukturen sowie die Integration von öffentlichen und privaten Marktsegmenten.
Sie betrachten das Ganze – nicht nur einzelne Teile. Dafür brauchen sie eine einzige Plattform – und einen einzigen Partner, der dieser Realität gerecht wird.
Die Annäherung von Pensionskassen und Versicherern
Auch wenn es feine Unterschiede zwischen Pensions- und Versicherungsportfolios gibt, bewegen sich beide in eine ähnliche Richtung:
- Eine stärkere Fokussierung auf Cashflow-orientierte Anlagen
- Verstärkte Nutzung von Private Credit und illiquiden Vermögenswerten
- Erhöhte Nachfrage nach Kapitaleffizienz und regulatorischer Kompetenz
- Fokus auf maßgeschneiderte, umsetzbare und transparente Lösungen
Was dies für Fixed-Income-Manager bedeutet, ist klar: Wir müssen ganzheitlich denken und fundiertes Wissen über Anlageklassen mit einem strukturellen Verständnis dafür verbinden, wie diese Vermögenswerte mit Verbindlichkeiten, Regulierung und Finanzierungszielen interagieren.
Die neue Anatomie einer Fixed-Income-Plattform
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss eine Architektur geschaffen werden, die Funktionen miteinander verbindet, auf die Probleme der Kunden abgestimmt ist und maßgeschneiderte Ideen skalieren kann.
Wir sind der Meinung, dass eine erfolgreiche moderne Fixed-Income-Plattform folgende Eigenschaften aufweisen muss:
- Von Grund auf multisektoral: Nicht nur Investment Grade, High Yield, Emerging Market Debt oder strukturierte Kredite anbieten, sondern diese integrieren, Korrelationen und Abwägungen verstehen und Portfolios aufbauen, die über Zyklen und Regime hinweg sinnvoll sind.
- Verbindung zwischen privatem und öffentlichem Sektor: Die Kombination von öffentlichen festverzinslichen Wertpapieren und privaten Krediten ist nicht mehr nur ein Nice-to-have, sondern unerlässlich für die Erzielung von Erträgen, das Risikomanagement und die Kapitaleffizienz. Plattformen müssen diese Komplexität von Haus aus bewältigen können.
- Haftungsbewusst und regulatorisch versiert: Wir müssen die Regeln verstehen, innerhalb derer Kunden agieren – von Solvency II über IFRS 9 bis hin zu den Leitlinien der Pensionsaufsichtsbehörde – und Portfolios aufbauen, die innerhalb dieser Grenzen funktionieren.
- Auf Dialog ausgelegt: Die Kunden von heute wollen mitgestalten und nicht nur Leistungsempfänger sein. Eine moderne Plattform muss in der Lage sein, maßgeschneiderte Mandate zu entwerfen, mit Versicherungsmathematikern und Beratern zusammenzuarbeiten und Tools und Einblicke anzubieten, die komplexe Strategien leicht verständlich machen.
Was Kunden heute erwarten
Institutionelle Kunden stellen zunehmend nicht mehr die Frage „Was können Sie mir bieten?“, sondern „Können Sie mir helfen, dieses Problem zu lösen?“.
Das kann bedeuten:
- Entwicklung einer Kauf- und Haltestrategie, die den Cashflow-Bedarf deckt und gleichzeitig die Kapitalkosten minimiert
- Aufbau eines branchenübergreifenden Kreditmandats, das sich an Marktzyklen anpasst, ohne Governance-Grenzen zu überschreiten.
- Entwicklung einer hybriden Lösung, die Liability-Driven Investing mit privaten Krediten in einer Weise kombiniert, die mit dem langfristigen Finanzierungsplan des Kunden übereinstimmt.
- Bereitstellung von Analysen und Berichten, die die Sprache des Endkunden widerspiegeln, sei es der CFO einer Versicherungsgesellschaft oder ein Treuhänderausschuss.
Und es geht nicht nur um das Portfolio. Kunden erwarten zunehmend aufschlussreiche Erläuterungen, Datentransparenz und eine starke Ausrichtung an ihren internen Entscheidungsrahmen. Aus diesem Grund wird das alte Modell des „Fondsverkaufs” durch ein weitaus stärker integriertes Beziehungsmodell ersetzt.
Die Zukunft: Vernetzt, ergebnisorientiert und skalierbar
Die Fixed-Income-Plattformen, die in den nächsten zehn Jahren erfolgreich sein werden, sind nicht nur diejenigen mit den meisten Fondsauflegungen oder dem höchsten verwalteten Vermögen. Es werden diejenigen sein, die die Probleme ihrer Kunden genau verstehen, interne Kompetenzen effektiv miteinander verbinden und Lösungen mit Präzision und Einfühlungsvermögen liefern. In diesem Sinne geht es bei der Zukunft von Fixed Income nicht nur um Renditen, sondern auch um Relevanz und Anpassungsfähigkeit. Es geht nicht nur um Produkte, sondern um Plattformen. Es geht nicht nur um Manager, sondern um Partnerschaften.
Und genau diese Denkweise – und dieses Modell – werden die Marktführer in diesem Bereich in den kommenden Jahrzehnten auszeichnen.
Gastbeitrag von Fraser Lundie, Global Head of Fixed Income, Aviva Investors




