Mischfonds sind in der jüngeren Vergangenheit wieder in den Fokus der Investoren gerückt. Nicht zuletzt wegen der gestiegenen Zinsen. Dr. Kristina Bambach und Andreas Fitzner managen den Phaidros Funds Conservative aus dem Hause Eyb & Wallwitz. Die II-Chefredaktion sprach mit ihnen zu den Charakteristika des defensiven Mischfonds.
INTELLIGENT INVESTORS: Der Phaidros Funds Conservative ist ein defensiver Mischfonds. Zunächst die Frage, inwiefern die Zeit sozusagen reif ist für eine Wiederentdeckung von Mischfonds/Multi Asset nach sehr durchwachsenen Jahren?
Dr. Kristina Bambach: Nach sehr durchwachsenen Jahren erleben wir tatsächlich eine Wiederentdeckung defensiver Mischfonds. Viele Anleger haben in der jüngeren Vergangenheit schmerzlich erfahren, dass reine Aktienanlagen oder scheinbar sichere Anleihenportfolios nicht die gewünschte Stabilität geliefert haben. Das aktuelle Marktumfeld – geprägt von geopolitischen Unsicherheiten, strukturell höheren Zinsen, anhaltenden Staatsschuldenproblemen und gleichzeitig moderatem globalem Wachstum – spielt Multi-Asset-Ansätzen wieder in die Karten. Gerade defensiv ausgerichtete Mischfonds können ihre Stärken ausspielen, weil sie flexibel zwischen Anlageklassen wechseln und Risiken aktiv steuern.
II: Wie interpretieren Sie „defensiv“?
Andreas Fitzner: Defensiv bedeutet für uns nicht, Risiken zu vermeiden, sondern sie gezielt zu steuern. Unsere Asset Allokation mit mehrheitlich Anleihen und wachstumsstarken Aktien erlaubt es uns, sowohl Stabilität als auch Wachstumspotenziale abzubilden. Wir wollen nicht nur Kapital erhalten, sondern es auch real vermehren – und das mit einem klaren Blick auf Qualität. Dabei gehen wir Risiken nur dann ein, wenn sie aus unserer Sicht angemessen vergütet werden. Verluste zu begrenzen hat für uns eine höhere Priorität als kurzfristige Outperformance in euphorischen Marktphasen. Defensiv heißt für uns zusammengefasst also: hohe Qualität, breite Diversifikation, aktives Management in Regionen, Sektoren und Assetklassen. Defensive Portfolios müssen nicht langweilig sein.
II: Im Aktienbereich schwankt die Quote zwischen 0 und 30 %. Wo stehen Sie aktuell? Können Sie uns etwas zu den bevorzugten Sektoren und regionalen Präferenzen sagen?
Dr. Bambach: Aktuell liegt die Quote bei etwa 22%. Das reflektiert unseren Ansatz, dass es trotz der erhöhten Bewertungen in Teilen des Marktes und den weiterhin vorhandenen makroökonomischen Unsicherheiten dennoch viele attraktive Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen und Wachstumsperspektiven zu vernünftigen Bewertungen gibt. Bei der Sektor- und Titelauswahl fokussieren wir uns – gemäß unseres Selektionsansatzes nach den Prinzipien von Joseph Schumpeter – auf Monopolisten und Herausforderer. Regional finden wir diese Titel neben den USA und Europa zunehmend auch in Asien. Und sektoral übergewichten wir traditionell Wachstumstrends in Technologie und Gesundheit. Angesichts der Verschiebungen in der Geopolitik spielt aber auch die Infrastruktur und die Energie eine zunehmende Rolle.
II: Sie sprechen in diesem Zusammenhang von „Monopolisten“ und „Herausforderern“. Würden Sie das etwas erläutern?
Dr. Bambach: Wenn wir von Monopolisten sprechen, meinen wir Unternehmen, die in ihren Geschäftsfeldern eine dominante Stellung innehaben – sei es durch technologische Führerschaft, hohe Markteintrittsbarrieren oder regulatorische Vorteile. Diese Unternehmen verfügen über hohe Margen, planbare Cashflows und eine ausgeprägte Krisenfestigkeit, alles Eigenschaften, die sie aus unserer Sicht besonders attraktiv für ein defensives Portfolio machen. Gleichzeitig wissen wir, dass Monopole nie dauerhaft sind. Schumpeters Konzept der schöpferischen Zerstörung beschreibt sehr treffend, dass wirtschaftlicher Fortschritt gerade dadurch entsteht, dass etablierte Strukturen immer wieder herausgefordert und teils disruptiert werden. Vor diesem Hintergrund investieren wir gezielt auch in vielversprechende Herausforderer: Unternehmen, die mit innovativen Produkten oder Dienstleistungen bestehende Märkte angreifen oder neue Märkte kreieren und dabei das Potenzial haben, selbst zu den Monopolisten von morgen zu werden.
II: Der Fonds ist überwiegend in Anleihen investiert. Es wird viel über Staatsverschuldung (auch in den USA) gesprochen. Sind Staatsanleihen nach wie vor eine tragende Säule? Wenn ja, wo werden Sie aktuell fündig?
Fitzner: Staatsanleihen bleiben für uns eine Säule im Portfolio. Die Staatsverschuldung liegt zwar auf historisch hohen Niveaus, nicht nur in den USA. Für die ‚normalen‘ zyklischen Bewegungen der Konjunktur bieten Staatsanleihen qualitativ hochwertiger Emittenten aber weiterhin Stabilität, Liquidität und in vielen Fällen wieder reale Renditen.
II: Welche Rolle spielen Unternehmensanleihen? Ist Solidität auch hierbei das zentrale Kriterium?
Fitzner: Unternehmensanleihen spielen eine zentrale Rolle im Portfolio, wobei Solidität das entscheidende Kriterium ist. Wir bevorzugen Emittenten mit starken Bilanzen, hoher Zinsdeckungsfähigkeit und klaren Geschäftsmodellen, die häufig aus dem Investment Grade-Bereich sind. Zudem investieren wir im höherverzinsten High-Yield-Segment.
II: Könnten Sie ein Beispiel anführen?
Fitzner: Ein Beispiel dafür ist eine Anleihe der Société Générale. Als international tätige Großbank verfügt das Institut über eine starke Marktposition, eine breite Diversifikation der Ertragsquellen und profitiert von regulatorischen Markteintrittsbarrieren im europäischen Bankensektor. In den vergangenen Jahren hat Société Générale ihre Bilanzqualität deutlich verbessert, Risiken reduziert und die Kapitalbasis gestärkt. Gleichzeitig bietet der Anleihemarkt bei überschaubaren Laufzeiten attraktive Renditen, die aus unserer Sicht in einem vernünftigen Verhältnis zum eingegangenen Risiko stehen. Solche Titel eignen sich gut als defensiver Baustein, weil sie stabile Cashflows, ausreichende Liquidität und eine vergleichsweise geringe Volatilität im Portfolio ermöglichen.
II: In turbulenten Zeiten schauen viele auf Edelmetalle. Sie haben Xetra-Gold im Portfolio. Wie blicken Sie auf das glänzende Edelmetall?
Dr. Bambach: In turbulenten Zeiten richten viele Anleger den Blick auf Edelmetalle, mit durchaus gutem Grund. Gold erfüllt im Portfolio mehrere Funktionen: Es dient als Inflationsschutz, als Absicherung gegen extreme Marktereignisse und als Diversifikator. Wir halten Xetra-Gold nicht aus spekulativen Gründen, sondern als strategische Beimischung. Gerade in einem Umfeld hoher Verschuldung, geopolitischer Spannungen und potenziell erneuter geldpolitischer Experimente sehen wir Gold weiterhin als sinnvolle Absicherung.




