Das Repowering-Potenzial wird oftmals unterschätzt

Um den Ausbau der erneuerbaren Energien kraftvoll voranzutreiben, ist das Repowering beispielsweise von Windenergieanlagen ein ressourcenschonender Ansatz. So kann an bereits bestehenden Standorten noch mehr Ökostrom produziert werden als zuvor – ohne dass dafür neue Standorte erschlossen werden müssen. Repowering steht bei der in Hamburg ansässigen CEE GROUP hoch im Kurs. INTELLIGENT INVESTORS sprach mit dem CEO, Detlef Schreiber.
24. März 2025
Detlef Schreiber - Foto: Copyright CEE Group

Um den Ausbau der erneuerbaren Energien kraftvoll voranzutreiben, ist das Repowering beispielsweise von Windenergieanlagen ein ressourcenschonender Ansatz. So kann an bereits bestehenden Standorten noch mehr Ökostrom produziert werden als zuvor – ohne dass dafür neue Standorte erschlossen werden müssen. Repowering steht bei der in Hamburg ansässigen CEE GROUP hoch im Kurs. INTELLIGENT INVESTORS sprach mit dem CEO, Detlef Schreiber.

INTELLIGENT INVESTORS: Herr Schreiber, die CEE Group hat kürzlich einen neuen Renewables-Fonds aufgelegt, der speziell Repowering in den Fokus rückt. Warum gerade jetzt dieses Thema?

Detlef Schreiber: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Deutschland ist 25 Jahre alt. Viele Anlagen von damals sind jetzt am Ende ihres Lebenszyklus angekommen. Das gilt auch für viele Fonds, die sich dem Exit nähern. Dann müssen sich die Assetmanager zwangsläufig mit der Frage beschäftigen, was sie mit den Altanlagen und vor allem mit den Standorten tun sollen. Repowering ist dann eine naheliegende Option. Man muss oftmals aber nicht 20 Jahre abwarten, damit sich Repowering lohnt, denn sowohl Onshore-Wind als auch Photovoltaik haben in den vergangenen Jahren nochmal deutliche Technologie- und Effizienzsprünge gemacht. Eine Vervierfachung der installierten Leistung ist nicht unüblich. Dieses ungenutzte Potenzial wird oftmals unterschätzt: Würde man alle repoweringfähigen Altanlagen in Deutschland repowern, hätte man bereits bis zu 40 % des EEG-Ziels für 2030 erfüllt. Zudem belegen Altanlagen oftmals die attraktivsten Standorte. Gerade dort, mit bestehendem Netzanschluss, bietet sich eine Aufrüstung an. Mehr noch, sie drängt sich geradezu auf, denn nur durch eine effektivere Nutzung dieser Standorte kann die Energiewende auf Dauer weiter vorangetrieben werden. Dabei stehen wir in Deutschland zwar noch ganz am Anfang. Aber wir sind als Renewables-Pioniere mit einem relativ großen zu ersetzenden Bestand aus den 2000er-Jahren schon deutlich weiter als viele andere Länder.

II: Wie funktioniert das denn konkret? Wo lagen die größten Herausforderungen bei der Gestaltung des Fonds?

Schreiber: Es ist mit Fug und Recht behauptet ein ziemlich einzigartiges Produkt am Markt. Wir haben für unseren neuen Fonds die Portfolios von drei unserer laufenden Bestandsfonds zusammengelegt und planen 29 der 39 Anlagen zu repowern, größtenteils frühzeitig. Dazu nimmt der Fonds zusätzliches Fremdkapital auf. Diesen Übergang im Interesse aller Stakeholder und rechtlich einwandfrei zu strukturieren, war natürlich schon ein dickes Brett. Zudem mussten die Assets neu eingewertet werden, denn den Investoren in den Bestandsfonds stand es natürlich offen, bei dem neuen Fonds dabei zu sein oder zu fairen Konditionen auszusteigen. Möglichst viele von ihnen davon zu überzeugen, dabei zu bleiben, war eine weitere Herausforderung – wobei sich dieses Brett erfreulicherweise als weniger dick erwiesen hat: Dass uns 85 % des Kapitals treu geblieben sind, ist für uns ein großer Vertrauensbeweis durch unsere Bestandsinvestoren. Und es zeigt, dass wir hier das richtige Produkt zur richtigen Zeit haben.

II: Und wo liegen jetzt die Chancen für die Investoren?

Schreiber: Zunächst haben wir hier ein langjährig und erwiesenermaßen erfolgreiches Bestandsportfolio aus Wind- und Photovoltaikanlagen mit bestens bekanntem Track-Record an etablierten Standorten mit bestehender Infrastruktur. Diese Anlagen werden nun sukzessive durch moderne und effizientere Technologien ersetzt und können so auf der gleichen Fläche bis zu 4,6‑mal so viel Strom produzieren. Insgesamt soll die gesamte Nennleistung so von 445 Megawatt auf mindestens ein Gigawatt steigen. Da so auch mehr Volllaststunden erreicht werden, steigt die tatsächliche Produktion noch stärker. So wird der Nettoinventarwert (NAV) der Anlagen im Fondsportfolio von derzeit rund 500 Mio. Euro durch die Repowering-Maßnahmen auf 1,1 Mrd. Euro steigen. Hinzu kommt, dass sowohl Genehmigungsverfahren als auch lokale Widerstände in der Regel keine großen Hürden mehr sind. Summa summarum halten wir deshalb eine Ziel-Rendite von etwa 10 % (IRR) für realistisch. Repowering bietet sogar einen Mehrertrag gegenüber neuen Entwicklungsprojekten, weil die Kosten sowie das Entwicklungsrisiko geringer sind.

II: Spielt Hybridisierung dabei auch eine Rolle?

Schreiber: Grundsätzlich ist das eine weitere Erfolg versprechende Strategie, um den Anlagenbestand aufzuwerten. Durch die Ergänzung einer bestehenden Anlage durch einen Batteriespeicher oder eine andere Erzeugungsart – also zum Beispiel Wind mit Photovoltaik – werden das Erzeugungsprofil geglättet und die bestehende Netzinfrastruktur besser und effizienter ausgelastet. Wir haben derzeit einen weiteren institutionellen Fonds im Angebot, der sich strategisch auf dieses Thema fokussiert. Wir sind auch überzeugt, dass die Hybridisierung branchenweit deutlich an Relevanz gewinnen wird. Schon allein deshalb, weil die Netzanschlusspunkte ein häufig übersehenes Nadelöhr der Energiewende sind, das bestmöglich genutzt werden muss. Fest steht: Sowohl Hybridisierung als auch Repowering sind zwei entscheidende Megatrends bei Energieinfrastrukturinvestments für die kommenden Jahrzehnte.

II: Was machen Sie mit den Altanlagen? Werden die recycelt?

Schreiber: Das ist eine sehr wichtige und keineswegs triviale Frage. Wo das möglich ist und es einen Markt dafür gibt, versuchen wir zunächst, die Anlagen komplett zu verkaufen. Dafür gibt es inzwischen recht rege genutzte Plattformen. In manchen Ländern mit weniger strengen Anforderungen an die Flächeneffizienz können gebrauchte Windenergieanlagen noch viel grünen Strom produzieren. Zum Teil gelingt es aber auch, einzelne Komponenten zu verkaufen, vor allem als Ersatzteile. Der Rest wie Stahl- und Betonkomponenten wird recycelt. Aufwendig ist das vor allem bei den Rotorblättern sowie bei Photovoltaikmodulen, insbesondere bei veralteten Dünnschicht-Modulen mit Leistungsabfall. Das darin enthaltene Silizium kann nach aufwendiger Materialtrennung eingeschmolzen und für neue Module wiederverwertet werden. Das ist kostspielig, aber letztlich alternativlos, wenn man sich seiner Verantwortung stellen will. Wir reden bei unserem Produkt schließlich über einen Fonds, der die Anforderungen nach Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung erfüllt.

 

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