Das bestimmende Thema ist die Weltpolitik

23. März 2026
Thomas Benedix - Foto : © Union Investment

Thomas Benedix, Senior Portfoliomanager Commodities bei Union Investment, geht im Gespräch auf die Entwicklungen bei den Rohstoffen und Edelmetallen im laufenden Jahr ein.

 INTELLIGENT INVESTORS: Wie ist Ihr gegenwärtiger Blick auf das Rohstoffjahr 2026?

Thomas Benedix: Wir haben viele Schwankungen am Markt gesehen und müssen davon ausgehen, dass sich das auch fortsetzt. Das bestimmende Thema ist nicht die Balance von Angebot und Nachfrage, sondern es ist die Weltpolitik. Die Unsicherheit ist groß. Das liegt an den geopolitischen Unruheherden, sei es im Iran, der Ukraine oder in Venezuela. Die erratische Zollpolitik der USA macht die Situation nicht leichter. Zudem rückt das Thema US-Staatsverschuldung in den Fokus: Das Vertrauen in den US-Dollar und US-Staatsanleihen als sichere Anlage schwindet. Je nach Nachrichtenlage unterscheiden sich deren Auswirkungen deutlich voneinander und überlagern die fundamentalen und konjunkturellen Entwicklungen.

II: Man spricht immer wieder von einem Rohstoff-Superzyklus. Was steckt dahinter? 

Benedix: Nach unserer Definition wird der Superzyklus von den Themen Energiewende und Großmachtwettbewerb geprägt. Klar ist: Wir brauchen für die Zukunft Energiesicherheit und widerstandsfähige Lieferketten für die deutsche und die europäische Industrie. Daran hat sich wenig geändert, auch wenn die Energiewende aktuell punktuell untergraben wird und die fossilen Brennstoffe offenbar länger genutzt werden könnten als zunächst prognostiziert. Das wird aber sicherlich nicht unendlich weitergehen. Die Elektrifizierung der Energie ist das Modell der Zukunft, der Strombedarf wird in den kommenden Jahren exponentiell zunehmen, getrieben von der Elektromobilität und dem Energiehunger der großen, für Künstliche Intelligenz essenziellen Datenzentren. Dafür braucht es andere Rohstoffe als in der Welt der fossilen Energieträger.

II: Gold und Silber erlebten nach einer rasanten Rallye zuletzt einen Dämpfer. Wie sehen Sie die Chancen für die beiden Edelmetalle 2026?

Benedix: Zentrale Treiber für Gold und Silber sind die geopolitischen Krisenherde in Kombination mit dem schwindenden Vertrauen in traditionelle sichere Anlageklassen wie etwa US-Staatsanleihen. Wenn sich die Lage beruhigt und das Vertrauen der Investoren wieder hergestellt ist, werden die Preise auch deutlich nachgeben. Derzeit lässt sich das aber kaum absehen. Momentan scheint auf jede temporäre Beruhigung eine neuerliche Eskalation zu folgen, was zu den erhöhten Preisschwankungen führt. Es ist davon auszugehen, dass sich dieses Muster noch eine Weile fortschreibt.

II: Der Kupferpreis ist seit Herbst vergangenen Jahres deutlich gestiegen. Was sind die Gründe für diesen Anstieg?

Benedix: Grundsätzlich ist Kupfer allgegenwärtig, es ist das wichtigste Industriemetall und betrifft alle Lebensbereiche. Zudem ist Kupfer einer der großen Gewinner der Energiewende; für jedes moderne Windrad werden mitsamt der Infrastruktur rund 30 Tonnen Kupfer benötigt. Gleichzeitig ist das Angebot strukturell eingeschränkt. Einige Minen, etwa in Südamerika, sind ausgefallen und die Eröffnung neuer Minen benötigt oftmals eine Dekade an Planung bzw. Inbetriebnahme. Das ist einer der Gründe für den jüngsten Anstieg. Der zweite: US-Unternehmen haben massiv Kupfer aufgekauft, weil sie fürchten, dass das Metall durch die Zölle der US-Regierung in den USA bald teurer werden könnte. Deshalb wurde viel Material in die USA importiert und es gibt außerhalb der USA eine Verknappung. Auch das treibt den Preis.

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