Corporate Hybrids können mit guter Schuldnerqualität und Performance punkten

Die Anlageklasse der Corporate Hybrids, Nachranganleihen von Nicht-Finanzunternehmen, gehört zu den kleineren Segmenten im Anleihenuniversum. Sie besticht aber durch die relativ hohe Qualität der Schuldner. Denn es sind überwiegend Top-Unternehmen mit entsprechend guter Bonität, die Corporate Hybrids begeben. Diese Anleihen selbst werden dann in der Regel zwei Stufen tiefer geratet als ihre Pendants im Bereich Investment Grade. Doch die deutlich höhere Rendite lässt die Papiere attraktiv erscheinen.
29. September 2025
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Die Anlageklasse der Corporate Hybrids, Nachranganleihen von Nicht-Finanzunternehmen, gehört zu den kleineren Segmenten im Anleihenuniversum. Sie besticht aber durch die relativ hohe Qualität der Schuldner. Denn es sind überwiegend Top-Unternehmen mit entsprechend guter Bonität, die Corporate Hybrids begeben. Diese Anleihen selbst werden dann in der Regel zwei Stufen tiefer geratet als ihre Pendants im Bereich Investment Grade. Doch die deutlich höhere Rendite lässt die Papiere attraktiv erscheinen.

Corporate Hybrids erfreuen sich einer enorm wachsenden Beliebtheit – sowohl bei Emittenten als auch bei Investoren. Das prägende Ereignis in diesem Jahr fand im Februar statt, als nachrangige Unternehmensanleihen von US-Emittenten in den ICE-Indizes aufgenommen wurden. Nachdem die Agentur Moody’s vergangenes Jahr ihre Rating-Methodologie geändert hat, ist für US-Emittenten die Emission von Corporate Hybrids im europäischen Format attraktiver geworden. Als Folge davon hatten viele Emittenten schon im Jahr 2024 angefangen, ihre Preferred-Shares-Programme durch nachrangige Anleihen zu ersetzen. Dieser Trend hat sich ins Jahr 2025 fortgesetzt.

Das spiegelt sich in der Marktgröße wider, die sich Mitte des Jahres auf knapp 250 Mrd. Euro beläuft. Zum Vergleich: Ende 2023 wies das Volumen bei Corporate Hybrids noch rund 150 Mrd. Euro aus. Doch nicht nur Emittenten setzen vermehrt auf diese Anlageklasse, auch Investoren berücksichtigen zunehmend Corporate Hybrids. Denn die Papiere, die sowohl Fremd- als auch Eigenkapital-Merkmale aufweisen, sind unserer Meinung nach aufgrund ihrer vergleichsweisen hohen Verzinsung und der soliden Unternehmen attraktiv. Anderseits weisen die Unternehmen oftmals gute Bonitäten auf mit Kreditratings im Investment-Grade-Bereich, was mit tiefen Ausfallsraten einhergeht. Die Hybridanleihen selbst werden aufgrund des Nachrangs mit einem niedrigeren Rating eingestuft.

Mehrere interessante Entwicklungen

Insgesamt spricht unserer Meinung nach die Kombination von hoher Rendite, kurzer Duration und niedrigem Ausfallrisiko für Corporate Hybrids. Per Mitte Juli 2025 beträgt die durchschnittliche Rendite 5,2 %, die Duration ist relativ kurz mit 3,7, und das Ausfallrisiko liegt in dieser Bonitätsklasse historisch bei 0,20 % pro Jahr. Auch der Faktor ESG ist im Markt berücksichtigt, denn immerhin knapp 14 % entfallen auf so genannte Green Bonds. Zudem verfügt der Markt über eine ordentliche Diversifizierung mit rund 300 Anleihen von 116 Emittenten aus 15 Sektoren. Und angesichts des Performancevergleichs von Januar 2011 bis Juli 2025 sind Nachranganleihen von Nichtfinanzunternehmen unseres Erachtens interessant. Die jährliche Performance betrug 5,2 % in EUR-hedged, während Global Corporates mit Rating Investment Grade (IG) auf 2,3 % kommen und Global High Yield-Anleihen 4,5 % Rendite erzielen konnten*.

In jüngerer Vergangenheit erlebte der Markt für nachrangige Unternehmensanleihen gleich mehrere interessante Entwicklungen, die das Segment wohl auf Jahre hinaus prägen werden. Zu nennen sind hier zum einen die Folgen des Booms der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Energiewende für die Versorgerbranche. Anderseits haben sich die bisher nachteiligen Rahmenbedingungen für die Emission von Hybrids in den USA markant verbessert. Diese beiden Entwicklungen verdienen eine nähere Betrachtung.

Der rasante Fortschritt von KI kann nicht nur zur Revolutionierung der Technologiebranche beitragen, sondern zeigt auch tiefgreifende Wirkung auf andere Sektoren, insbesondere auf die Energieversorgung. Denn die steigende Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Anwendungen hat zu einem großen Anstieg des Energiebedarfs geführt, hauptsächlich aufgrund des Wachstums von Rechenzentren. Diese bilden das Rückgrat der KI-Infrastruktur und benötigen entsprechend viel Strom, um die riesigen Datenmengen zu verarbeiten und zu speichern.

Damit stehen US-Energieversorger wie zum Beispiel Dominion Energy und CenterPoint Energy vor der Herausforderung, diesen steigenden Energiebedarf zu decken. Die erforderlichen Investitionen könnten gemäß Edison Electric Institute bis 2026 über 400 Mrd. US-Dollar betragen. Und das ist nicht alles. Zusätzlich zum riesigen Bedarf der KI-Anwendungen erfordert auch die Energiewende mit dem Übergang zu erneuerbaren Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie umfangreiche Investitionen der Versorger in neue Kapazitäten und in die Modernisierung der bestehenden Infrastruktur.

Diese Entwicklungen zeigen, wie dringend die Versorger Kapital benötigen. Eine Möglichkeit der Kapitalbeschaffung wäre die Ausgabe zusätzlicher Aktien, was aufgrund der damit verbunden hohen Kosten jedoch unrealistisch erscheint. Alternativ könnten die Unternehmen die Investitionen durch die Emission neuer Anleihen finanzieren. Allerdings würde dies den Verschuldungsgrad stark erhöhen – mit negativen Folgen für die Kreditwürdigkeit.

Möglicher Mittelweg in der Unternehmensfinanzierung

Da Corporate Hybrids sowohl Merkmale von Schuldtiteln als auch von Eigenkapital aufweisen, bieten sie sich unserer Meinung nach als Mittelweg für Unternehmen an, die nach einer flexiblen Finanzierungsoption suchen. Nicht von ungefähr zählen Corporate Hybrids in Europa mittlerweile zum Standard-Baukasten der Unternehmensfinanzierung. Sie sind aufgrund oftmals höherer Renditen im Vergleich zu herkömmlichen Unternehmensanleihen als Anlageklasse bei so manchen Investoren geschätzt. Ebenfalls locken oftmals hohe Bonitäten. In den USA hingegen war dieses Format aufgrund nachteiliger Rahmenbedingungen bisher wenig verbreitet.

Doch das hat sich seit Anfang des vergangenen Jahres, wie eingangs kurz angesprochen, maßgeblich geändert. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Anpassung der Rating-Methodik durch eine der führenden amerikanischen Bonitätswächterinnen Moody’s. Diese lässt seither die Finanzierung über Corporate Hybrids für US-Unternehmen als deutlich attraktiver erscheinen. Die Kombination aus hohem Investitionsbedarf sowie der Anpassung der Rating-Methodik zeigte bereits Wirkung. Gemäß dem Finanzdatendienst Bloomberg haben US-Versorger im Jahr 2024 rund 18 Mrd. US-Dollar durch die Emission von nachrangigen Wertpapieren aufgebracht. Das ist das Neunfache des Vorjahres.

Welches Potenzial der Regime-Wechsel auch in Zukunft bieten könnte, zeigt der Blick auf den Alten Kontinent. Europäische Corporate Hybrids sind in ihrer Struktur größtenteils einheitlich, was sowohl Investoren als auch Emittenten klare Vorteile bietet. Dies hat nach unserer Beobachtung in den vergangenen 15 Jahren zum rasanten Wachstum der Anlageklasse beigetragen, wie der Blick auf das Jahr 2010 zeigt. Die Anpassung der Rating-Methodik durch Moody’s dürfte unseres Erachtens dazu führen, dass sich auch in den USA ein standardisierter Markt entwickelt, der dem europäischen Modell stark ähnelt und damit investorenfreundlicher wird.

Bisher war der Markt für Corporate Hybrids stark von europäischen Emittenten dominiert. Mit der zunehmenden Beteiligung von US-Unternehmen könnte sich das Segment geografisch ausweiten. Wir gehen davon aus, dass neben weiteren Versorgern künftig auch US-Unternehmen aus anderen Branchen das Instrument nutzen werden, um ihre Investitionsprogramme effizient umzusetzen. Daher dürfte sich der Anteil von in US-Dollar-denominierten Anleihen im Corporate-Hybrid-Universum deutlich erhöhen – aus Anlegersicht ein weiteres Plus für die Diversifikation. Auch dürfte der Eintritt von US-Emittenten weltweit zusätzliche Investorennachfrage erschließen.

Autor: Hagen Fuchs, Portfoliomanager Swisscanto-LUX-Fonds

 

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