Chinas Regulierung der Privatwirtschaft belastet Börsen

Die staatliche Regulierung chinesischer Tech-Konzerne und des privaten Bildungssektors hat in den vergangenen Wochen zu Verwerfungen am chinesischen Aktienmarkt geführt und spürbare Turbulenzen bei Schwellenländer-Aktien ausgelöst. Die chinesische Führung verfolgt mit ihren Maßnahmen verschiedene Ziele. Zum einen will man mehr Kontrolle über die Finanzierungsquellen der einheimischen Unternehmen ausüben, um die Abhängigkeit von ausländischen Kapitalgebern zu begrenzen. Auch der Datenaustausch der Tech-Giganten soll noch strenger überwacht werden, um zu vermeiden, dass sensible und strategisch relevante Informationen in die falschen Hände gelangen.
17. August 2021
Dr. Eduard Baitinger - Foto: FERI

Die staatliche Regulierung chinesischer Tech-Konzerne und des privaten Bildungssektors hat in den vergangenen Wochen zu Verwerfungen am chinesischen Aktienmarkt geführt und spürbare Turbulenzen bei Schwellenländer-Aktien ausgelöst. Die chinesische Führung verfolgt mit ihren Maßnahmen verschiedene Ziele. Zum einen will man mehr Kontrolle über die Finanzierungsquellen der einheimischen Unternehmen ausüben, um die Abhängigkeit von ausländischen Kapitalgebern zu begrenzen. Auch der Datenaustausch der Tech-Giganten soll noch strenger überwacht werden, um zu vermeiden, dass sensible und strategisch relevante Informationen in die falschen Hände gelangen.

Peking zieht die Daumenschrauben an

Die Eingriffe im kommerziellen Bildungssektor, der nicht mehr gewinnorientiert agieren darf, sollen dazu dienen, die finanzielle Belastung für Familien abzufedern. Damit wollen die staatlichen Behörden der ungünstigen demographischen Entwicklung Chinas entgegenwirken. Mit der scharfen Regulierung privater Bildungsanbieter wurde ein milliardenschwerer Wachstumsmarkt praktisch über Nacht geschlossen. Dies hat nicht nur die Börsen des Landes stark belastet, sondern auch bei globalen Investoren die Sorge ausgelöst, dass die chinesischen Behörden in Zukunft weitere Branchen ins Visier nehmen könnten. Insgesamt zeigt die Regulierungsorgie, dass China weit von einem “kapitalistischen Musterland” entfernt ist. Zwar dürfte die chinesische Führung nicht so weit gehen, die gesamte Wirtschaft unter ihre Aufsicht zu stellen, schließlich trägt die Innovationskraft und Produktivität der privaten Unternehmen entscheidend zum Wohlstand des Landes bei. Investoren müssen bei ihren Engagements in China dennoch weiterhin eine Risikoprämie für staatliche Eingriffe einkalkulieren.

Zinsen mit Anstiegsrisiken

Ein weiteres Thema, das die Märkte zurzeit bewegt, ist die Zinsentwicklung. Die globalen Langfristzinsen sind in den letzten Monaten aufgrund der nachlassenden Erholungsdynamik spürbar gesunken. Mittlerweile scheinen die Märkte jedoch zwei der wichtigsten zinsdämpfenden Faktoren, die geldpolitische Straffung in China und die Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Virusvariante, ausreichend eingepreist zu haben. Aktuell rücken daher wieder Zinsanstiegsrisiken in den Blickpunkt. Mögliche Auslöser im Jahresverlauf könnten robuste Konjunkturdaten sein, wie zuletzt vom US-Arbeitsmarkt. Mittelfristig dürfte auch das große Ausgabenpaket, mit dem die USA in den nächsten acht Jahren rund zwei Billionen Dollar in die Erneuerung der Infrastruktur investieren wollen, in Richtung höherer Zinsen wirken. Vor diesem Hintergrund sollten professionelle Anleger die Gefahr steigender Marktzinsen ernstnehmen und ihre Asset Allocation entsprechend darauf einstellen. Eine Möglichkeit hierzu bietet ein Investment in Finanzwerte, die strukturell von steigenden Zinsen profitieren.

Gastautor: Dr. Eduard Baitinger, Head of Asset Allocation in der FERI Gruppe

Dr. Eduard Baitinger — Foto: © FERI

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