Breite Diversifikation, aktives Management und ein konsequentes Risikomanagement

Das neue Jahr hat für einige turbulent begonnen. Nicht nur von den Temperaturen, sondern auch an den Kapitalmärkten. Die Indizes steigen, der amerikanische Präsident erneuert sein Vorhaben, Grönland einzuverleiben. 2026 scheint spannend und nicht einfach zu bleiben. Der Blick zurück und voraus, dieses Mal stand Eduardo Mollo Cunha, BlackPoint Asset Management, Rede und Antwort. 
10. Januar 2026
Eduardo Mollo Cunha - Foto: BlackPoint AM

Das neue Jahr hat für einige turbulent begonnen. Nicht nur von den Temperaturen, sondern auch an den Kapitalmärkten. Die Indizes steigen, der amerikanische Präsident erneuert sein Vorhaben, Grönland einzuverleiben. 2026 scheint spannend und nicht einfach zu bleiben. Der Blick zurück und voraus, dieses Mal stand Eduardo Mollo Cunha, BlackPoint Asset Management, Rede und Antwort. 

INTELLIGENT INVESTORS: Wie würden Sie das Kapitalmarktjahr 2025 rückblickend einordnen?
Eduardo Mollo Cunha:
Das Jahr 2025 war für Aktien- und Anleihemärkte in den entwickelten Volkswirtschaften von einer fortschreitenden Stabilisierung und einer vorsichtigen Rückkehr zu nachhaltigeren Wachstumsbedingungen geprägt. Nach den außergewöhnlich volatilen Vorjahren setzte sich die Normalisierung des wirtschaftlichen Umfelds fort, begleitet von rückläufigen Inflationsraten und einer schrittweisen Anpassung der Geldpolitik. Die Aktienmärkte präsentierten sich weltweit insgesamt robust. Unterstützt wurden sie durch verbesserte Finanzierungsbedingungen, eine moderat wachsende Weltwirtschaft sowie eine solide Entwicklung der Unternehmensgewinne. Die deutliche Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro führte jedoch dazu, dass für Euro-Anleger die Renditen von in US-Dollar denominierten Investments spürbar geringer ausfielen. Besonders Technologie‑, Infrastruktur- und ausgewählte Industrie- sowie Finanzwerte profitierten von strukturellen Trends wie Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Energiewende und Re-Industrialisierung. Gleichzeitig gewannen Qualitäts- und Substanzwerte wieder stärker an Bedeutung. An den Anleihemärkten setzte sich die Erholung im Jahr 2025 fort. Staatsanleihen entwickelten sich stabil bis positiv, getragen von rückläufigen Inflationserwartungen und einer zunehmend berechenbareren Geldpolitik. Unternehmensanleihen verzeichneten ebenfalls eine solide Entwicklung: Insbesondere Anleihen im Investment-Grade-Segment profitierten von stabilen Bilanzen und einer guten Liquiditätslage der Emittenten. High-Yield-Anleihen blieben hingegen volatil, da Investoren Risiken weiterhin differenziert bewerteten und selektiv vorgingen.

Insgesamt bot das Marktumfeld 2025 sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Eine breite Diversifikation, aktives Management und ein konsequentes Risikomanagement erwiesen sich erneut als entscheidende Erfolgsfaktoren.

II: Welche volkswirtschaftliche Entwicklung hat Sie in den vergangenen Monaten am meisten überrascht?
Eduardo Mollo Cunha: Aus inflationärer Sicht stehen 2025 und 2026 im Zeichen der Normalisierung. In den USA lassen rückläufige Mietinflation, moderatere Lohnzuwächse und nachlassende Effekte zollpolitischer Maßnahmen spürbare Entspannung erwarten. Auch in Europa dürften schwächere Arbeitsmärkte und geringere Energiekosten den Preisdruck verringern. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich eine behutsame geldpolitische Lockerung ab: Während die US-Notenbank aufgrund des fortschreitenden disinflationären Trends weiteren Spielraum für Zinssenkungen hat, dürfte die EZB angesichts fragiler Konjunkturaussichten vor allem auf Stabilität setzen. Für die Kapitalmärkte entsteht daraus ein vertrautes, aber keineswegs risikoloses Bild: Das größte makroökonomische Spannungsfeld verschiebt sich von der Inflation hin zu den Arbeitsmärkten.

II: Die USA sind und bleiben der Nabel der Welt. Dow Jones & Co. notieren nahe an den Rekordständen. Viel Druck lastet auf der Fed. Wie fällt Ihr Blick auf die USA gegenwärtig aus? 
Eduardo Mollo Cunha: Die Weltwirtschaft tritt 2026 in eine Phase robuster, aber zunehmend asymmetrischer Dynamik ein. Das globale Wachstum bleibt von einer klaren Schwerpunktbildung geprägt: Die USA behaupten ihre Rolle als führender Konjunkturmotor, getragen von steuerlichen Entlastungen, gelockerten Finanzierungsbedingungen und dem Abklingen zollpolitischer Belastungen. Diese Impulse sollten die Wirtschaftsleistung über das erwartete Trendwachstum heben und erneut stützende Wirkung auf die Finanzmärkte entfalten.

II: Wie viele Zinssenkungen erwarten Sie in 2026? 
Eduardo Mollo Cunha: 3 bis 4

II: Zwei Entwicklungen, die mitunter viele Anleger in ihrem Ausmaß überrascht haben, sind zum einen die Rallye bei den Edelmetallen (insbesondere Silber) und andererseits die Wiederentdeckung Japans. Nun wird die Bank of Japan die Zinsen anheben. Es wäre die erste Anhebung seit Januar. Teilweise liest man vom „Finanzmarkt-Armageddon”.
Was bedeutet das für die Kapitalströme? Was könnte den Märkten 2026 blühen? 

Eduardo Mollo Cunha: Eine Zinsanhebung der Bank of Japan wäre vor allem ein Signal der Normalisierung – weniger ein Auslöser für ein „Finanzmarkt-Armageddon“. Höhere Zinsen begünstigen erfahrungsgemäß eher substanz- und bewertungsorientierte Investments, während stark zinssensitive, hoch bewertete Segmente unter Druck geraten können. Für Japan gilt das in besonderem Maße: Viele Unternehmen sind moderat bewertet, bilanziell solide und verfügen über hohe Cash-Bestände. Steigende Zinsen können hier die Kapitalallokation verbessern, Corporate-Governance-Reformen unterstützen und langfristig die Attraktivität japanischer Aktien für internationale Investoren erhöhen. Auf der Kapitalstromseite ist weniger mit abrupten Umschichtungen zu rechnen als vielmehr mit einer allmählichen Reallokation: weg von stark gehebelten, spekulativen Strategien hin zu unterbewerteten Qualitätsunternehmen – auch und gerade in Japan.

II: Mit Blick auf den schwächeren Dollar und andere Faktoren sind Marktbeobachter positiv für die Schwellenländer gestimmt. Würden Sie dieser generellen Auffassung zustimmen?
Eduardo Mollo Cunha: Wir bleiben für Aktien grundsätzlich konstruktiv, verschieben jedoch die Akzente: Da insbesondere US-Aktien und der Technologiesektor bereits einen hohen Optimismus widerspiegeln, gewinnt regionale, sektorale sowie auch Währungsdiversifikation weiter an Bedeutung. Unser Fokus liegt auf europäischen Qualitätsunternehmen, bei denen wir 2026 gezielt attraktive Bewertungsfenster nutzen. Ergänzend sehen wir Chancen in Japan sowie in ausgewählten Schwellenländern, die durch strukturelle Reformen und Aufholpotenzial überzeugen. Selektive Rohstoffengagements runden die Allokation ab. Anleihen hingegen treten weniger als primärer Renditetreiber in den Vordergrund und kehren stärker zu ihrer klassischen Rolle als stabilisierender Risikopuffer zurück, um Portfolios gegen kurzfristige Marktschwankungen abzusichern. Sinkende Inflationsraten und moderat fallende Zinsen erhöhen die Attraktivität qualitativ hochwertiger Anleihen mit längerer Laufzeit, während Schwellenländer-Anleihen von enger werdenden Zinsdifferenzen profitieren.

II: Abschließend – wie fällt Ihr Rat an die Investoren zur Jahreswende aus? 
Eduardo Mollo Cunha: Breite Diversifikation, aktives Management und ein konsequentes Risikomanagement bleiben zentrale Erfolgsfaktoren. Ebenso entscheidend ist es, sich nicht von Angst oder kurzfristigen Schlagzeilen beeinflussen zu lassen. Eine ausgewogene Einordnung ist dabei wichtig: Neben Risiken sollten immer auch die Chancen im Blick bleiben – nicht nur das nächste vermeintliche „Doom-Szenario“. Der Versuch, den Markt zu timen oder auf den großen Crash zu warten, schmälert langfristig häufig die Rendite.

Die Erfahrung zeigt: Zeit im Markt, die Qualität der Anlagen und konsequentes Investiert-Bleiben sind Prognosen in der Regel überlegen – immer wieder.

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