BlueBay AM: „Inflation in Großbritannien wird auf 15 Prozent steigen”

Die Inflation in der Eurozone dürfte erst Anfang 2023 ihren Höhepunkt erreichen, erwartet Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management. Insbesondere das Vereinigte Königreich könnte mit hohen Teuerungsraten zu kämpfen haben.
22. August 2022
Foto: © samott - stock.adobe.com

Die Inflation in der Eurozone dürfte erst Anfang 2023 ihren Höhepunkt erreichen, erwartet Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management. Insbesondere das Vereinigte Königreich könnte mit hohen Teuerungsraten zu kämpfen haben.

„Die Staatsanleiherenditen stiegen in der vergangenen Woche weltweit an. Im Fokus der Marktteilnehmer stand die anhaltend hohe Inflationsrate in Europa. Die Großhandelspreise für Gas sind in der Region inzwischen zehnmal so hoch wie im vergangenen Jahr.

Auch wenn die Regierungen versuchen, Verbraucher und Unternehmen vor den vollen Auswirkungen des Energieschocks zu schützen: Allmählich zeigen sich Zweitrundeneffekte bei den Preisen für Waren und Dienstleistungen. Unterdessen verschärft die jüngste Dürre in Europa die Teuerung bei Lebensmitteln. Durch den Mangel an Düngemitteln besteht das Risiko einer künftigen weiteren Verknappung der Lebensmittelversorgung.

Infolge dieser Auswirkungen dürfte die Inflation in der Eurozone erst Anfang 2023 ihren Höhepunkt erreichen. Im Vereinigten Königreich könnte der Verbraucherpreisindex sogar noch monatelang zweistellig bleiben und im ersten Quartal 2023 möglicherweise einen Höchststand von 15 Prozent erreichen.

Der Druck auf die Realeinkommen in ganz Europa verschärft die Rezessionsrisiken. Die Europäische Zentralbank lässt indes verlauten, dass höhere Zinssätze derzeit kaum Auswirkungen auf die Preisentwicklung haben. Das zeigt, dass die Währungshüter weiterhin die Zinsen erhöhen müssen – selbst wenn das Wachstum weiter einbricht. Dieses stagflationäre Umfeld ist eine Herausforderung und es ist verständlich, dass die Regierungen die Auswirkungen abfedern wollen.

Eine Erhöhung der Ausgaben in Zeiten sinkender Staatseinnahmen droht jedoch, die Haushaltsdefizite in der gesamten Region in den kommenden Quartalen in die Höhe zu treiben. Eine lockere Fiskalpolitik könnte bedeuten, dass die Zentralbanken zu gegebener Zeit mehr Spielraum für weitere Zinserhöhungen haben. Es ist absehbar, dass die Renditen im Laufe des kommenden Jahres weiter steigen werden, sofern keine besseren Nachrichten mit Blick auf die Inflation zu erwarten sind.

Innerhalb Europas sehen wir das Stagflationsdilemma weiterhin am deutlichsten im Vereinigten Königreich. Daher sind wir nach wie vor strukturell bearish gegenüber Gilts, britischen Risikoanlagen und dem Pfund.

In den USA sind die Entscheidungsträger derweil offenbar viel zuversichtlicher, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat und sich auf einem Abwärtspfad befindet. Die nachlassenden Ölpreise, der starke US-Dollar und die Abkühlung auf dem Immobilienmarkt sind Faktoren, die in den kommenden Monaten zu einer Mäßigung der Preise beitragen können.

Im Gegensatz zur Fiskalpolitik in Europa, die die Inflation anheizen kann, ist das Haushaltsdefizit in den USA im vergangenen Jahr dank der robusten Wirtschaft deutlich gesunken. Nach zweistelligen Defiziten – in Prozent der Wirtschaftsleistung – in den Jahren 2020 und 2021 liegt es im laufenden Quartal bei knapp 3 Prozent. Die US-Fiskal- und Geldpolitik waren in den vergangenen Jahren gut aufeinander abgestimmt: In der Pandemiezeit kurbelten sie die Wirtschaft an und arbeiten in jüngster Zeit daran, den Nachfrageüberhang zu dämpfen.

Vor diesem Hintergrund ist es unwahrscheinlich, dass die Ausnahmestellung des US-Wachstums in absehbarer Zeit ein Ende findet. Grundsätzlich scheint die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten in einer viel solideren Lage zu sein als auf der anderen Seite des Atlantiks.“ (ah)

 

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