Bitcoin & Co. als Ertragsbooster für Banken

Kryptowährungen und digitale Assets bieten nicht nur für Anleger erhebliches Ertragspotenzial, sondern auch für Banken, die ihren Kunden den Handel mit diesen ermöglichen. Aber Achtung! Das gewählte Setup entscheidet, wie viel dabei tatsächlich bei der Bank ankommt: Es liegen Welten zwischen der Auslagerung des Handels auf eine externe Plattform und der Integration einer eigenen Handelsinfrastruktur.
18. März 2026

Kryptowährungen und digitale Assets bieten nicht nur für Anleger erhebliches Ertragspotenzial, sondern auch für Banken, die ihren Kunden den Handel mit diesen ermöglichen. Aber Achtung! Das gewählte Setup entscheidet, wie viel dabei tatsächlich bei der Bank ankommt: Es liegen Welten zwischen der Auslagerung des Handels auf eine externe Plattform und der Integration einer eigenen Handelsinfrastruktur.

Kryptowährungen haben sich am Kapitalmarkt als seriöse Anlageklasse und als renditestarker Baustein für Diversifikation etabliert. Auch institutionelle Investoren setzen mittlerweile auf Bitcoin & Co. Banken erweitern ihr Angebot, indem sie den Kryptohandel für ihre Kunden einrichten. Selbst die lange Zeit sich gegenüber Kryptowährungen skeptisch äußernden Volks- und Raiffeisenbanken sind nun auf den Zug aufgesprungen. Nach der grundsätzlichen Entscheidung für die Anbindung an den Kryptohandel stellt sich für Banken die Frage nach dem Wie. Neben der Einhaltung rechtlicher Vorgaben im Rahmen der EU-Kryptoverordnung MiCAR (Markets in Crypto-Assets Regulation) müssen auch operative und technische Aspekte geklärt werden. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Wege, die sich sehr stark auf den später tatsächlich erzielten Ertrag auswirken.

Der Anschluss an den Kryptohandel kann entweder über einen Broker (Single-Solution-Ansatz) oder durch die Einrichtung einer eigenen Plattform (Multi-Venue-Ansatz) geschehen. Auch wenn im ersten Schritt die letztere Option mit mehr Aufwand verbunden zu sein scheint, sollten Finanzinstitute die mittel- und langfristigen Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Sobald die Infrastruktur nicht nur als reine Abwicklungsplattform verstanden wird, sondern als Geschäftsmodell für Wachstum, Ertrag und Resilienz, überwiegen klar die Vorteile einer eigenen Handelsinfrastruktur. Auch für Finanzinstitute, die bereits an den Kryptohandel über einen externen Broker angeschlossen sind und damit einen sogenannten Single-Broker-Ansatz verfolgen, kann sich der Umstieg auf eine eigene Plattform lohnen. Kurz gesagt werden beim Single-Broker-Ansatz der Handel und die Verwahrung an einen Drittpartner ausgelagert. Dies erspart zwar den Aufbau einer eigenen Handelsinfrastruktur, ist aber dafür auch mit höheren laufenden Kosten und eventuellen Risiken verbunden. Das Finanzinstitut muss Spreads bezahlen, trägt Ausfallrisiken und ist abhängig vom Gebührenmodell und den Entscheidungen (z. B. in Bezug auf angebotene Währungspaare) des Brokers. Die Anbindung an den Kryptohandel über ein eigenes integriertes Order and Execution Management System (OEMS) eröffnet hingegen den Zugang zu mehreren Krypto-Börsen und Handelsplätzen – dabei handelt es sich um den Multi-Venue-Ansatz. Das erhöht für Banken auch den Gestaltungsspielraum und das Ertragspotenzial im Handel mit digitalen Assets. Banken können so vom passiven Preisabnehmer zum aktiven Preisgestalter werden.

Multi-Venue-Ansatz: Best Execution und flexible Gebührenmodelle verbessern die Ertragsstruktur

Durch den Handel mit Kryptowährungen über ein integriertes OEMS können bessere Ergebnisse bei der Handelsausführung erzielt werden. Dies entspricht dem auch in der MiCAR-Verordnung verankerten Grundsatz der Best Execution Policy. Banken können beim Handel mit Bitcoin, Ether oder Solana über den Zugriff des OEMS auf mehrere Kryptobörsen bessere Ergebnisse in Bezug auf den Preis, Kosten, Schnelligkeit, Wahrscheinlichkeit der Ausführung und Abwicklung, Umfang, Art sowie jeden weiteren Aspekt, der für die Order-Ausführung relevant ist, erreichen. Der Kryptomarkt ist ein höchst fragmentierter und volatiler Markt, der rund um die Uhr aktiv ist. Mit der Anbindung mehrerer Handelsplätze können deren Unterschiede in Bezug auf die genannten Punkte aktiv genutzt werden. Das wird durch einen automatisierten Handelsprozess mittels Smart Order Routing erreicht, der dann nach unterschiedlichen Gesichtspunkten den optimalen Ausführungsort mit den besten Handelsparametern und Konditionen findet. Die Abwicklung des Kryptohandels über eine eigene Plattform ermöglicht es Banken zudem, flexibel eigene maßgeschneiderte Gebührenmodelle zu entwickeln. Dabei können die Gebührenmodelle je nach strategischem Ziel fix, volumenbasiert, spreadabhängig oder gebündelt gestaltet werden. Order werden so zu einer aktiv gesteuerten Einnahmequelle. Durch die Abwicklung des Handels über mehrere sogenannte Principal Broker, d. h. Broker, die auf eigene Rechnung ohne Einbindung einer dritten Plattform handeln, können zusätzlich externe Gebühren eingespart und die Ertragssituation deutlich verbessert werden.

Ausfallrisiken senken mit dem Multi-Venue-Ansatz

Ein Single-Broker-Ansatz mag anfänglich zwar um einiges günstiger erscheinen und schneller umsetzbar sein als die Einrichtung einer eigenen OEMS-Plattform. Doch die geringeren Ertragschancen gepaart mit höheren Risiken können die vermeintlichen Kostenvorteile durch das weitreichende Outsourcing schnell egalisieren. Kommt es beim gewählten Broker zu einem Handelsausfall etwa infolge eines Cyberangriffs, können sich die Kosten und Ertragsausfälle schnell auf mehrere Millionen Euro pro Stunde summieren. Ganz zu schweigen von den längerfristigen Folgen eines Vertrauensverlusts bei den Kunden. Gesetzliche Regelwerke wie die seit 2025 geltende DORA-Verordnung der EU oder die FINMA-Regulatorik in der Schweiz sehen vor, dass Finanzinstitute bei der Einbindung von dritten IT- und Telekommunikationsprovidern höhere Sicherheitsvorkehrungen treffen und Absicherungssysteme sowie Notfallkonzepte vorweisen können. Die Einbindung eines einzigen Brokers widerspricht diesen Prinzipien.

Höhere Agilität ermöglichen

Der Kryptohandel findet 24/7 statt und ist von einer hohen Schnelligkeit und Dynamik geprägt. Eine moderne Handelsinfrastruktur, die den gesamten Handelszyklus abdeckt und die Orchestrierung verschiedener Schritte im Handel ermöglicht, kann diesen Umständen gerecht werden. Banken können ein OEMS nahtlos in bestehende Kernbanken- und Verwahrungssysteme einbinden. Neue Handelsplätze können in kurzer Zeit angebunden werden. Durch zentrale Datenspeicherung kann im Gegensatz zum Single-Broker-Ansatz volle Transparenz gewährleistet werden. Der Markt für digitale Assets beschränkt sich nicht nur auf Kryptowährungen. Durch eine eigene Handelsinfrastruktur kann das Produktangebot stetig erweitert und skaliert werden. So können neue Assetklassen wie etwa tokenisierte Wertpapiere, Stablecoins oder Derivate ohne grundlegende Systemerneuerungen integriert werden. Außerdem können Institute ihre geografische Präsenz ausbauen, ohne an die systemischen Grenzen eines einzelnen Lösungsanbieters gebunden zu sein. Weitere integrierte Servicefunktionen wie erweiterte Reporting-Möglichkeiten, Echtzeit-Analysen oder exklusive Leistungen für institutionelle und vermögende Kunden eröffnen das Potenzial für weitere margenstarke Ertragsquellen.

Ertragsbeispiel im Rahmen des Multi-Venue-Ansatzes

Folgendes Beispiel verdeutlicht das hohe Ertragspotenzial einer skalierbaren eigenen Handelsplattform: Eine Bank mit einem monatlichen Krypto-Handelsvolumen in Höhe von 500 Mio. US-Dollar könnte durch OEMS-Infrastruktur rund 1,5 Basispunkte Spread-Verbesserung erzielen, 50.000 US-Dollar monatlich über internes Matching generieren und zusätzlich 25.000 US-Dollar durch Premium-Dienste wie Compliance- oder Analytics-Services erzielen. Die Gesamtauswirkung summiert sich so auf rund 1,8 Mio. US-Dollar jährlichen Zusatzgewinn – reale Wertschöpfung, die direkt auf das Ergebnis einzahlt.

Die strategischen Weichen für die Zukunft stellen

Die zentrale Frage für Banken ist nicht mehr, wann sie den Handel mit Kryptowährungen und weiteren digitalen Assets in ihr Serviceangebot aufnehmen, sondern wie sie es tun. Ein Single-Broker-Ansatz mag kurzfristig günstiger und bequemer erscheinen als die Einrichtung einer eigenen Handelsplattform, doch strategisch gesehen bietet er kaum Perspektiven für die skalierbare Nutzung des Kryptohandels als margenstarke Ertragsquelle. Durch die Einrichtung einer eigenen Handelsinfrastruktur mittels einer integrierten OEMS-Plattform können Banken die Weichen für Kryptowährungen als langfristige Ertragsquelle stellen und in ihre Unternehmensstrategie integrieren. Risiken im Handel mit Kryptowährungen können minimiert und die hohen Sicherheitsanforderungen aus der Regulatorik erfüllt werden. Diese Eigenschaften ermöglichen es, dass der Handel mit digitalen Assets für Banken von einer Kostenstelle zu einem strategischen Profitcenter wird.

Autor: Andy Flury, Gründer und Vorsitzender des Verwaltungsrats Wyden

 

 

 

 

 

 

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