Alternative InvestmentsHighlightBestens aufgestellt

Nachhaltigkeit hält auch verstärkt Einzug im Immobiliensegment. Wie sich das praktisch umsetzen/bewerten lässt, das beantwortete Dr. Tim Schomberg, geschäftsführender Gesellschafter und CEO der KINGSTONE Real Estate, im INTELLIGENT INVESTORS-Interview. Zudem ging er auf die eigenen Unternehmenspläne der nächsten Zeit ein.
20. April 2021
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Nachhaltigkeit hält auch verstärkt Einzug im Immobiliensegment. Wie sich das praktisch umsetzen/bewerten lässt, das beantwortete Dr. Tim Schomberg, geschäftsführender Gesellschafter und CEO der KINGSTONE Real Estate, im INTELLIGENT INVESTORS-Interview. Zudem ging er auf die eigenen Unternehmenspläne der nächsten Zeit ein.

INTELLIGENT INVESTORS: Welche Pläne hegen Sie für das laufende Jahr?
Dr. Tim Schomberg: Ende des Jahres 2020 haben wir einen nachhaltigen Wohnimmobilien-Spezialfonds aufgelegt und befinden uns hierfür aktuell im zweiten Eigenkapital-Closing. In den zwei Closings haben wir bisher mehr als 250 Mio. Euro Eigenkapital eingesammelt und auch in den kommenden Monaten werden wir uns darauf konzentrieren, weiteres Kapital einzusammeln und neue Objekte für den Fonds anzukaufen.

Kürzlich haben wir zudem gemeinsam mit Pegasus Capital Partners die KINGSTONE Debt Advisory für Immobilien-Debt-Investments ins Leben gerufen. Ihr Angebot richtet sich primär an Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Versicherungen und Pensionskassen. Geplant ist, dass die KINGSTONE Debt Advisory im Juni ihren ersten Fonds an den Start bringt und damit das Leistungsspektrum unseres Unternehmensnetzwerks erweitert.

Und schließlich sehen wir großes Potenzial im Healthcare-Segment. Derzeit schaffen wir die Voraussetzungen, um unseren Anlegern den Zugriff auf entsprechende Investments zu ermöglichen.

II: Ende 2020 haben Sie einen nachhaltigen Wohnimmobilien-Spezialfonds lanciert. Können Sie uns die Charakteristika etwas darlegen?
Dr. Schomberg: Der Wohnimmobilienfonds „KINGSTONE Wachstumsregionen Süddeutschland II“ ist ein Spezial-AIF mit einem Zielvolumen von 350 bis 400 Mio. Euro bei einer Fremdkapitalquote von maximal 50 Prozent. Wie der Name schon andeutet, liegt der Schwerpunkt auf wirtschaftsstarken Regionen in Süddeutschland vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Die Ankäufe erfolgen auf Basis von Nachhaltigkeitskriterien. Grundsätzlich fokussieren wir uns auf Stadtquartiere mit einem hohen Wohnungsanteil und zusätzlichen Nahversorgern, beispielsweise aus dem Lebensmitteleinzelhandel. Durch die Kombination der Assetklassen, die Einbeziehung von Nachhaltigkeitskriterien und den Fokus auf Quartiere wollen wir ein attraktives und resilientes Produkt schaffen.

II: Wie hat sich das Rendite-Risiko-Profil speziell bei Wohnimmobilien entwickelt?
Dr. Schomberg: Die große Nachfrage für Wohnraum in den Metropolregionen hat Wohnimmobilien zu einem vergleichsweise sicheren Anlageprodukt gemacht und eine Renditekompression bewirkt. Mit Blick auf Alternativen wie Staats- oder Unternehmensanleihen mit guter Bonität sind Immobilieninvestments jedoch weiterhin mehr als konkurrenzfähig. Aufgrund des hohen Preisniveaus in den A‑Städten suchen wir gezielt nach attraktiven Objekten an den B- und C‑Standorten wirtschaftsstarker Regionen. Erlangen und Nürnberg halten wir beispielsweise für sehr attraktiv. Hier sind die Wohnungspreise weniger stark gestiegen als in München, Frankfurt oder Hamburg.

II: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit/ESG im Allgemeinen in der Immobilienbranche und speziell bei diesem Fondsangebot?
Dr. Schomberg: Nachhaltigkeit hatte in der Immobilienwirtschaft bei vielen Akteuren lange Zeit keine Priorität. Hier kommt aktuell im Zuge der steigenden regulatorischen Anforderungen durch die Europäische Union und die nationale Gesetzgebung aber deutlich mehr Bewegung rein. Die EU-Taxonomie mit der Offenlegungsverordnung oder das Lieferkettengesetz ändern die Spielregeln in weiten Teilen der Immobilienwirtschaft. Wir sind nicht erst seit den neuen regulatorischen Rahmenbedingungen der festen Überzeugung, dass Nachhaltigkeit langfristig ein bestimmendes Thema bleiben wird. ESG-Aspekte sind deshalb bereits früh in die Konzeption unseres Wohnimmobilienfonds eingeflossen. Der Ankauf von Immobilien erfolgt anhand von ökologischen, sozialen und ökonomischen Kriterien unseres Projektpartners, einer Nachhaltigkeitsbank. Einbezogen werden beispielsweise die Energie- und Ressourceneffizienz oder die Lage- und Standortqualität.

II: Wie lässt sich Nachhaltigkeit bei einem Immobilien-Investment adäquat messen?
Dr. Schomberg: Das ist ein komplexes Thema und ich erläutere es gerne Anhand von zwei Beispielen:

Wir nutzen Nachhaltigkeitszertifikate, wie die der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), weil sie sich grundsätzlich als Instrument für eine bessere Messbarkeit und höhere Transparenz bei der Erfassung von Neubauten und Bestandsobjekten eignen. Die Zertifikate konzentrieren sich auf die Betrachtung des Lebenszyklus der Immobilie nach einem leistungsbasierten Ansatz, der uns eine ganzheitliche Bewertung ermöglicht.

Eine „ESG-Due-Diligence“ ist zudem fester Bestandteil unseres Transaktionsprozesses. So können wir bereits vor dem Erwerb einer Immobilie Transparenz schaffen. Der Prozess umfasst unter anderem ein „CO2-Screening“, das den Energiebedarf der Immobilie misst, und den EU-Dekarbonisierungspfad aufzeigt. Hinzu kommt ein EU-Taxonomie-Compliance-Check zur Messung, Bewertung und Einhaltung des Regelwerks. Anhand der Ergebnisse können wir den Lebenszyklus einer Immobilie in Bezug auf Nachhaltigkeit umfassend betrachten und Maßnahmen für das Management der Immobilie ableiten.

II: Wie unterscheiden Sie sich von Wettbewerbern / was ist sozusagen Ihr USP?
Dr. Schomberg: Es ist nicht eine einzelne Eigenschaft, die uns von anderen abhebt. Als familiengeführtes Immobilien-Investment-Unternehmen sehen wir unsere Stärken in dem Dreiklang aus Reaktionsschnelligkeit, einem belastbaren Netzwerk und jahrzehntelanger Immobilienerfahrung. Dank einer sehr flachen Hierarchie können wir überlegte, aber schnelle Entscheidungen treffen und damit kurzfristig Marktchancen nutzen. Ein starkes Netzwerk aus institutionellen Investoren und Projektpartnern ermöglicht uns zudem ein zügiges Fundraising und eine schnelle Platzierung des eingesammelten Kapitals. Schließlich verfügt unser Management-Team über 60 Jahre Immobilienkompetenz in den für uns relevanten Teilmärkten. Diese Kombination ist es, die unsere Projektpartner und Investoren schätzen und die sie überzeugt. (ah)

Dr. Tim Schomberg — Foto: KINGSTONE Real Estate

 

 

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