Alternative InvestmentsBei digitalen Währungen setzt China Maßstäbe

Der Wandel hin zu einer bargeldlosen Gesellschaft hat längst begonnen. Digitales Zentralbankgeld ist dabei der nächste logische Schritt. Wie auch bei digitalen Zahlungen nimmt China dabei eine Vorreiterrolle ein.
7. Oktober 2020
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Der Wandel hin zu einer bargeldlosen Gesellschaft hat längst begonnen. Digitales Zentralbankgeld ist dabei der nächste logische Schritt. Wie auch bei digitalen Zahlungen nimmt China dabei eine Vorreiterrolle ein.

„Digitales Zentralbankgeld (DZBG) ist ein sicheres elektronisches Zahlungsmittel, das von einer Zentralbank geschaffen und gedeckt wird. Es stellt eine direkte Forderung gegenüber der Zentralbank dar und wird in einer von der Zentralbank oder der Regierung betreuten Datenbank gehalten“, so Christian Vondenbusch, Portfoliomanager bei Lombard Odier Investment Managers. „In dieser Datenbank wird erfasst, über wie viel Geld jeder Kontoinhaber – sei es ein Unternehmen oder eine Einzelperson – verfügt. Etwa 80 Prozent der 66 Zentralbanken arbeiten momentan an DZBG.

Mit DZBG erlangen Zentralbanken die Kontrolle über die in einer Währung im Umlauf befindliche Geldmenge und stabilisieren das Finanz- und Zahlungssystem. Da Zentralbanken nachvollziehen können, wo sich jede einzelne Geldeinheit ihrer Währung befindet, unterstützt DZBG Regierungen dabei, illegale Tätigkeiten und Steuervermeidung einzudämmen.

DZBG ist effizient, sicher, verlässlich und schnell bearbeitbar. Außerdem fördert es die finanzielle Inklusion, da Bürger Zugang zu einem kostenfreien oder günstigen Basiskonto bei der Zentralbank erhalten.

Während sich westliche Länder noch Zeit lassen, digitale Währungen einzuführen, testen vier große chinesische Städte DZGB bereits in der Praxis. Im April 2020 ist das Digital Currency Electronic Payment-Projekt in Shenzhen, Suzhou, Xiong’an und Chengdu gestartet. Laut Chinesischer Volksbank könnte die neue Digitalwährung bis zu den olympischen Winterspielen 2022 in Peking einsatzbereit sein.

Der digitale Yuan wird von der chinesischen Regierung ausgegeben, gedeckt und mittels einer App in einer digitalen Geldbörse – und nicht auf einem Bankkonto – verwahrt. Mithilfe der digitalen Geldbörse sind Nutzer in der Lage, alltägliche Geschäfte zu tätigen, wie beispielsweise Waren zu bezahlen, Geld zu senden und zu empfangen oder an Geldautomaten Überweisungen vorzunehmen. Damit gehört der digitale Yuan zum liquidesten Teil des Geldbestandes und ersetzt, zumindest teilweise, Münzen und Scheine.

Länder steigen unterschiedlich schnell auf digitale Zahlungsmethoden um. Barzahlungen sind in vielen Gesellschaften tief verwurzelt. Deshalb klappt der Übergang zu digitalen Zahlungsmethoden nur langsam, selbst wenn die technologische Infrastruktur bereits vorhanden ist. Da die chinesische Bevölkerung technologieaffin ist, haben mobile Zahlungsvorgänge innerhalb der letzten zehn Jahre rasant zugenommen und der Grad der Marktdurchdringung von digitalen Zahlungen zählt bereits heute zu den weltweit höchsten. Da das Land bei mobilen Zahlvorgängen Vorreiter ist, dürfte China auch bei DZBG Maßstäbe setzen.“

Marktkommentar von Christian Vondenbusch,

Portfoliomanager bei Lombard Odier Investment Managers

Foto: © Lombard Odier IM

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