Strategien & ProdukteHighlight„Augenmerk auf Risikomanagement und insbesondere auf Counterparty-Risiken legen“

Der Spezialfonds bleibt das beliebteste Vehikel für die indirekte  Kapitalanlage. Das ist eine der zentralen Erkenntnisse der aktuell vorgelegten Studie „Versicherungen & Pensionseinrichtungen“ aus dem Hause der Kommalpha AG. Über die Details und weitere wesentliche Ergebnisse sprach INTELLIGENT INVESTORS mit Clemens Schuerhoff, Vorstand Kommalpha AG.
21. August 2020
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Der Spezialfonds bleibt das beliebteste Vehikel für die indirekte Kapitalanlage. Das ist eine der zentralen Erkenntnisse der aktuell vorgelegten Studie „Versicherungen & Pensionseinrichtungen“ (Analyse der Vermögensverhältnisse von 2005 bis 2019) aus dem Hause der Kommalpha AG. Über die Details und weitere wesentliche Ergebnisse sprach INTELLIGENT INVESTORS mit Clemens Schuerhoff, Vorstand Kommalpha AG.

 

INTELLIGENT INVESTORS: Herr Schuerhoff, vor kurzem haben Sie Ihre neueste Analyse mit dem Titel „Versicherungen & Pensionseinrichtungen“ vorgelegt. Welche Erkenntnis stach für Sie zentral hervor?

Clemens Schuerhoff: Unser Fokus lag auf der langfristigen Analyse der Vermögensverhältnisse von Versicherungen und Pensionseinrichtungen mit Schwerpunkt auf den Finanzaktiva. Es gab eine Vielzahl von Erkenntnissen, wobei folgende sicher zentral ist. Das Wachstum der Finanzaktiva in der Betrachtungsperiode der letzten 15 Jahre ist fulminant. Die Summe der Finanzaktiva von Versicherungen und Pensionseinrichtungen in Deutschland beträgt rund 3.122 Milliarden Euro per Datenstichtag Ende 2019. Ende 2005 lag dieser Wert bei rund 1.634 Milliarden Euro und konnte somit einen Anstieg um 1.488 Milliarden Euro in den letzten 15 Jahren verzeichnen. Versicherungen und Pensionseinrichtungen sind somit zentrale Kapitalsammelstellen in Deutschland, was weitestgehend unterhalb der breiten öffentlichen Wahrnehmung steht. Es handelt sich um das Geld von einer Vielzahl von Sparern und Anwärtern für Renten, Versicherungs- und Altersvorsorgeleistungen – egal welcher Säule. Angesichts der exorbitanten Summen und der Vielfalt der Maßnahmen im Zusammenhang der COVID-19-Thematik hat dieses Geld den Anschein einer anderen Qualität oder Güte. Es ist von vielen Menschen über einen langen Zeitraum aus ihren Bezügen angespart worden und nicht synthetisch über Nacht von Notenbanken oder Regierungen geschöpft und verteilt worden.

 

INTELLIGENT INVESTORS: Auch mit Blick auf vorangegangene Analysen/Studien, inwiefern hat sich das Anlageverhalten von Versicherungen & Pensionseinrichtungen markant verändert? Welche Gründe machen Sie hierfür aus?

Schuerhoff: Versicherungen und Pensionseinrichtungen haben die Bewirtschaftung ihrer Kapitalanlagen kontinuierlich steigend an externe Asset Manager bzw. Kapitalveraltungsgesellschaften ausgelagert. Dies erfolgt überwiegend in Form von Spezialfonds in Masterfondskonstruktionen. Investmentfonds sind mit fast 39 Prozent und einem Volumen von 1.213 Milliarden Euro die mit Abstand favorisierte Anlageform der Finanzanlagen aller Akteure, gefolgt von Schuldverschreibungen mit 16,8 Prozent. Pensionseinrichtungen sind dabei das in Relation am stärksten wachsende Segment im Bereich Fondsanlagen. Ihre Fondsbestände steigerten sich in der Betrachtungsperiode von 15 Jahren um 398,6 Prozent. In absoluten Beträgen bedeutet dies eine Zunahme um 337 Milliarden von 84 Milliarden Euro Ende 2005 auf 421 Milliarden Euro per Ende Dezember 2019. Der Grund dafür liegt in dem Renditedruck und der damit einhergehenden Diversifizierung und Spezialisierung der Kapitalanlagen. Viele institutionelle Investoren haben nicht die Ressourcen und Expertise, die Vielfalt von Investitionsmöglichkeiten auszuschöpfen.

 

INTELLIGENT INVESTORS: Das Spezialfondssegment floriert (noch). Können Sie uns das etwas darlegen? Wird es hier einen nachhaltigen Knick in dieser positiven Entwicklung geben?

Schuerhoff: Der deutsche Spezialfonds wurde in den vergangenen Dekaden diverse Male totgesagt, bleibt aber das mit Abstand beliebteste Vehikel von deutschen institutionellen Investoren für die indirekte Kapitalanlage. Das Spezialfondsvolumen hat sich in den letzten 15 Jahren mehr als vervierfacht. Die Nettomittelaufkommen befinden sich seit vielen Jahren auf sehr hohem Niveau. In 2019 konnten Spezialfonds 105,5 Milliarden Euro einsammeln und den Jahren davor pendeln die Zahlen zwischen 80 und 100 Milliarden Euro. Die in unserer aktuellen Analyse betrachteten Investorengruppen Versicherungen und Pensionseinrichtungen sind die mit Abstand dominierenden Kundensegmente und vereinen einen Marktanteil von knapp 60 Prozent auf sich. Einen nachhaltigen Knick in dieser Entwicklung sehen wir nicht und auch die COVID-19-Thematik hat den Markt nur kurz zum Stottern gebracht. Nach unserer Einschätzung wird sich die Euphorie rund um den Spezialfonds langfristig ab 2030 eintrüben. Hier wird die unerbittlich tickende demografische Zeitbombe ihre Wirkung entfalten und dämpfend auf Mittelaufkommen und Volumenentwicklung wirken. Alle Kapitalsammelstellen für Altersvorsorge werden vermehrt in den Auszahlungsmodus potentiell sogar in Schieflage kommen. Erste Vorboten zeigen sich schon unter dem Stichwort intensivierte Aufsicht durch die BaFin. Diese Eintrübung betrifft natürlich nicht nur den Spezialfonds, sondern alle Anlageprodukte der entsprechenden Kundensegmente. Aber auch in dieser Phase wird der Spezialfonds attraktiv bleiben, denn die Liquidität, der Anlagebedarf und die Präferenz für den Spezialfonds werden auch langfristig hoch bleiben.

 

INTELLIGENT INVESTORS: Traditionell haben institutionelle Investoren eine starke Rentenlastigkeit in ihren Portfolien. Wie lässt sich damit heute und auch künftig umgehen?

Schuerhoff: Insbesondere Versicherungen weisen eine starke Rentenlastigkeit mit extrem hohen Durationen auf. Das Zinsänderungsrisiko ist enorm. Einen adäquaten Umgang dafür zu finden ist eine sehr hohe Herausforderung und stellt sich für mich als eine Art Dilemma dar. Es muss ein Spagat zwischen Buy and Hold, aktivem Management und der Ausweitung des Universums innerhalb des Bondbereichs stattfinden. Parallel gilt es, außerhalb des Rentenbereichs signifikante und nachhaltige Renditequellen zu erschließen, welche sich auch zu einem erheblichen Maße in illiquiden bzw. alternativen Bereichen finden lassen. Das wird ein Drahtseilakt für die Marktteilnehmer in den nächsten Jahren, aber ich bin guten Mutes, dass er gelingen wird.

 

INTELLIGENT INVESTORS: Welches sind die größten Herausforderungen, denen sich institutionelle Investoren aktuell gegenübersehen?

Schuerhoff: Die Herausforderungen sind vielfältig. Die größte Herausforderung ist sicher der Renditedruck im Kontext des Niedrigzinsumfeldes und die damit einhergehende Ausweitung der Investmentuniversen zwecks Renditeerzielung und Diversifizierung. Institutionelle Investoren klettern seit Jahren die Risikoleiter hoch. Die Portfolien werden immer bunter und exotischer, was sehr hohe Anforderungen an Themen wie Risiko- und Cashmanagement und Administration stellt. Durch die COVID-19-Thematik und den teilweise exorbitanten Summen, die in Unternehmen und Staaten fließen, hat sich die Fragilität an den Märkten nochmals erhöht. Es ist nicht auszuschließen, dass prominente Insolvenzen oder andere Störfälle dadurch nur hinausgezögert werden und möglicherweise geballt im Sinne einer Kettenreaktion als Ereignisse eintreten. Denken Sie dabei an die vielfältigen Loan- oder Debt-Produkte oder Private-Programme, die sich gegenwärtig großer Beliebtheit erfreuen. Es müssen ja nicht gleich italienische Staatsanleihen sein, die zum Störfall in Portfolien werden. Ich möchte hier keineswegs als Schwarzmaler auftreten, sondern schließe mich der Vielzahl entsprechender Meinungen an. Insofern ist es sehr ratsam, besonderes Augenmerk auf Risikomanagement und insbesondere auf Counterparty-Risiken zu legen sowie eine schnelle Handlungsfähigkeit an den Tag zu legen, wenn sich negative exogene Ereignisse einstellen. (ah)

Foto: Clemens Schuerhoff — © Kommalpha AG

 

 

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