„Attraktive Rendite, Skalierung und Innovation“

Impact-Investments zielen darauf ab, einen spürbaren positiven Unterschied zu bewirken, beispielsweise durch den Schutz der Umwelt vor den Auswirkungen des Klimawandels. Chefredakteur Alexander Heftrich sprach in diesem Zusammenhang mit Steffen Klawitter, Senior Vice President Business Development bei BlueOrchard, über die strategische Ausrichtung des Unternehmens, den geografischen Anlagefokus und zu erwartende Entwicklungen im kommenden Jahr.
18. Dezember 2025
Steffen Klawitter - Foto: Copyright BlueOrchard

Impact-Investments zielen darauf ab, einen spürbaren positiven Unterschied zu bewirken, beispielsweise durch den Schutz der Umwelt vor den Auswirkungen des Klimawandels. Chefredakteur Alexander Heftrich sprach in diesem Zusammenhang mit Steffen Klawitter, Senior Vice President Business Development bei BlueOrchard, über die strategische Ausrichtung des Unternehmens, den geografischen Anlagefokus und zu erwartende Entwicklungen im kommenden Jahr.

 

INTELLIGENT INVESTORS: Herr Klawitter, Nachhaltigkeit stand nach vielen Jahren des Booms zuletzt weniger im Fokus der Investoren. Wie nehmen Sie das aktuelle Interesse wahr?

Steffen Klawitter: Ich denke, es hängt stark davon ab, mit wem man spricht. So habe ich beispielsweise im November am GIIN Impact Forum teilgenommen, der weltweit wichtigsten Konferenz zum Thema Impact Investing, die dieses Jahr in Berlin stattfand. Dort war das Interesse am Thema Impact Investing erwartungsgemäß besonders groß. Dieser Eindruck wird auch durch eine kürzlich veröffentlichte Studie des GIIN bestätigt: Obwohl das insgesamt von den befragten Investoren verwaltete Vermögen zurückgegangen ist, ist der Anteil, der im Bereich Impact Investing allokiert wurde, gestiegen. Das deckt sich auch mit unseren Erfahrungen. Darüber hinaus kommen neue Impact-Investoren hinzu – beispielsweise Family Offices, die neu gegründet werden oder sich im Zuge eines Generationenwechsels stärker dem Thema widmen.

 

II: Wie positioniert sich BlueOrchard in diesem Umfeld?

Klawitter: Im nächsten Jahr feiern wir unser 25-jähriges Jubiläum – kaum ein anderer Akteur ist bereits so lange im Markt aktiv wie wir und verfügt über ein vergleichbares Maß an Glaubwürdigkeit. Unser Flaggschifffonds ist nicht nur der erste kommerzielle Mikrofinanzfonds weltweit, sondern bis heute auch der größte seiner Art. Das Erfolgsrezept von BlueOrchard in den vergangenen 25 Jahren – eine Kombination aus attraktiver Rendite, Skalierung und Innovation – wird uns auch in Zukunft weiter auszeichnen. Investoren schätzen zudem unsere langjährige Expertise in der Messung von Impact sowie unsere lokale Präsenz und Erfahrung in den sogenannten Emerging Markets. Unabhängig davon begrüßen wir den zunehmenden Wettbewerb sehr. Denn er bedeutet, dass wir gemeinsam noch mehr Wirkung erzielen können.

 

II: Inwieweit erfordern illiquide Anlageklassen einen anderen Impact-Ansatz als liquide Asset-Klassen, und wie setzt BlueOrchard das um?

Klawitter: Bei BlueOrchard wenden wir unser übergeordnetes Rahmenwerk zur Impact-Messung ‚B.Impact-Framework‘ konsistent für alle Anlageklassen an, um einen ganzheitlichen und vergleichbaren Impact-Management-Ansatz zu gewährleisten. Während jedoch die Kernprinzipien dieselben bleiben, passen wir unsere Tools und Methoden an die jeweiligen Besonderheiten und Herausforderungen der verschiedenen Asset-Klassen an. Bei liquiden Anlageklassen wie börsennotierten Aktien und Anleihen bedeutet die Verfügbarkeit öffentlich zugänglicher Daten, dass unsere ESG- und Impact-Analyse auf aktuellen, überprüfbaren und standardisierten Informationen aufbauen kann. Dies ermöglichen ein effizientes Screening und laufendes Monitoring. Es bedeutet jedoch auch, dass unser Einfluss auf das Verhalten von Unternehmen häufig auf die Förderung von Transparenz und Fortschritten im Rahmen des Aktionärsdialogs beschränkt ist – oft gemeinsam mit anderen Investoren oder Verbänden. Im Gegensatz dazu besteht bei illiquiden Asset-Klassen wie Private Debt und Private Equity ein eingeschränkter Zugang zu qualitativ hochwertigen Daten. Daher führen unsere Investment-Teams spezifische Prozesse zur ESG- und Impact-Due-Diligence durch und erheben Informationen direkt bei den Unternehmen, in die wir investieren. Die Zusammenarbeit mit diesen Portfoliounternehmen ist intensiver. Und wir haben eine größere Hebelwirkung, um gezielte, substanziell wirkungsvolle Verbesserungen bei Impact- und Nachhaltigkeitspraktiken zu verhandeln. Dieser praxisnahe Ansatz ermöglicht uns, Veränderungen vor Ort aktiv zu gestalten – und spiegelt sowohl die Chancen als auch die Verantwortung wider, die mit einem engeren Verhältnis im Private-Markets-Bereich verbunden sind.

 

II: Ihr geografischer Anlagefokus, die Emerging- und Frontier-Markets, verzeichneten in letzter Zeit wieder stärkeres Interesse vonseiten der Investoren. Wo sehen Sie hier aktuelle Chancen und Risiken?

Klawitter: Wie bei allen Investitionen ist es entscheidend, die Märkte und Sektoren, in die investiert wird, genau zu verstehen. In den Emerging Markets sehen wir große Chancen – vor allem in den Bereichen Digitalisierung, demografischer Wandel sowie der Anpassung an den Klimawandel und dessen Minderung. Um diese Chancen zu nutzen und das notwendige Kapital gezielt in diese Märkte zu lenken, sind zwei Faktoren essenziell: erstens die Fähigkeit, klare und überzeugende Investmentopportunitäten zu identifizieren, und zweitens ein fundiertes Verständnis des jeweiligen Risiko-Rendite-Verhältnisses. Dafür sind Erfahrung, lokale Expertise und eine nachweisbare Erfolgsbilanz unerlässlich.

 

II: Welche Strategien sind bei Investoren angesichts dessen momentan besonders gefragt?

Klawitter: In der aktuellen Marktphase, die von erheblichen Unsicherheiten geprägt ist, suchen Investoren verstärkt nach Anlagen, die eine geringe Korrelation zu ihren bestehenden Portfolios aufweisen. Hier bieten sich insbesondere Microfinanz- oder Blended-Finance-Strategien an. Letztere nutzen die Beteiligung öffentlicher Investoren in nachrangigen Anteilsklassen als Risikopuffer für private Investoren – ebenfalls ein Bereich, in dem wir über langjährige Erfahrung verfügen. Auch im Segment börsennotierter Wertpapiere können Impact-Fonds zu einer Diversifizierung beitragen, da sie sich nicht an herkömmlichen Indizes orientieren. Dadurch entstehen abweichende Länder- und Branchenallokationen, was das Risikoprofil des Portfolios weiter bereichern kann.

 

II: Mit Blick auf 2026: Welche spannenden Entwicklungen erwarten Sie?

Klawitter: Bestehende Trends wie die Digitalisierung und die Demokratisierung der Private Markets werden auch im Jahr 2026 eine bedeutende Rolle spielen. Darüber hinaus wird die Weiterentwicklung der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR), insbesondere die sogenannte SFDR 2.0, die Branche in Europa weiterhin beschäftigen. Im Bereich Impact Investing wird die Mobilisierung privaten Kapitals von zentraler Bedeutung sein, da staatliche Investoren allein nicht über die erforderlichen Mittel verfügen, um die aktuellen globalen Herausforderungen zu bewältigen. Für BlueOrchard bleibt es daher vorrangiges Ziel, mit unseren Fonds in unterschiedlichen Sektoren eine messbare positive Wirkung zu erzielen und gleichzeitig ausgewogene Rendite-Risiko-Profile für unsere Investoren sicherzustellen.

 

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