MärkteAnleihekäufer sollten verstärkt auf Zukunftsfähigkeit achten

6. Oktober 2020
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Wenn es stimmt, dass Anleihekäufer Unsicherheit zu vermeiden suchen, dann dürfte man nur noch in strahlende Gesichter blicken. Denn Jerome Powell, Chairman der US-Notenbank, verkündete, die US-amerikanischen Leitzinsen bis 2023 auf dem derzeitigen Niveau belassen zu wollen. Und damit hat nach Japan und der Euro-Zone nun auch die dritte große Welt-Währung sich dauerhaft für die Null entschieden.

Mehr Anlass für (Vor)Freude bietet allerdings Powells ergänzende Botschaft, das Inflationsziel künftig nurmehr als einen langjährigen Durchschnittswert und nicht als einen fixen Wert zu begreifen. Das eröffnet die – zumindest theoretische – Möglichkeit für deren zukünftiges Überschießen über die bislang vermeintlich feste Zielmarke von 2 % hinaus. Und das wiederum hat den Boden für eine höhere Risikoprämien- und damit auch eine generelle Renditeforderung seitens des Marktes für das lange Ende bereitet. Damit könnte die US-Zinskurve steiler und attraktiver werden. Und die US-Banken könnten ihren Vorsprung gegenüber ihren japanischen und europäischen Wettbewerbern noch weiter ausbauen.

Die Spannung der US-Präsidentschaftswahl ist gesunken

Mit ihrem Schritt aber hat die FED auch in weiten Teilen für den Anleihemarkt die Spannung aus der US-Präsidentschaftswahl genommen. Denn ob nun Donald Trump oder Joe Biden aus der Wahl am 3. November als Sieger hervorgeht: Da diese Maßnahme der US-Notenbank nicht politisch motiviert war, sondern mit Blick auf die wirtschaftliche Situation getroffen worden ist, wird sie Bestand haben.

Den US-Dollar erwarte ich in der Folge 2021 gleichwohl in einem noch weiten Korridor zwischen 1,12 und 1,25. Dabei spricht die Zinsseite eher für einen schwächeren US-Dollar und motiviert mich, entsprechende Positionen abzubauen. Aber für den Fall, dass ein überzeugender Impfstoff nicht gefunden wird, kann dem Greenback durchaus wieder temporär die Rolle eines sicheren Hafens zuwachsen.

Finden sich vom Rendite-Risiko-Profil her attraktive US-Dollar-Bonds, werde ich dennoch zugreifen. Denn infolge der Zinsannäherung zwischen US-Dollar und Euro sind die Kosten für einen Währungs-Hedge deutlich gesunken. So hat sich die Zinsdifferenz im 1‑Jahresbereich von 300 auf unter 100 Basispunkte reduziert. Im Ergebnis kann man heute mit Blick auf die zuvor skizzierte Range der erwarteten Wechselkursbewegung eine langlaufende US-Dollar-Anleihe für mehrere Monate absichern, ohne seinen Renditevorteil komplett aufzubrauchen. Und das macht einige US-Dollar-Papiere noch interessanter.

Wie es für weitere Länder aussieht, lesen Sie auf Seite 2

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