Analyse: Welche Sektoren breit gestreut sind – und welche nicht

Eigentlich funktionieren Sektor-Investments ganz einfach: Anleger, die von einer Branche überzeugt sind oder ihr Portfolio gezielt breiter streuen möchten, kaufen einen Fonds oder ETF auf das jeweilige Segment. Warum sie sich zuvor über den Gini-Koeffizienten informieren sollten, zeigt eine Analyse von Sebastian Dörr.
18. September 2025
Sebastian Dörr - Foto: Copyright HQ Trust

Eigentlich funktionieren Sektor-Investments ganz einfach: Anleger, die von einer Branche überzeugt sind oder ihr Portfolio gezielt breiter streuen möchten, kaufen einen Fonds oder ETF auf das jeweilige Segment. Warum sie sich zuvor über den Gini-Koeffizienten informieren sollten, zeigt eine Analyse von Sebastian Dörr.

* Der Gini-Koeffizient liegt zwischen 0 und 1, wobei 0 für absolute Gleichheit steht (gleichgewichteter Index) und 1 für maximale Ungleichheit (ein Wert dominiert den Index). Quelle: LSEG, HQ Trust. Daten per: 31.08.2025

Der Kapitalmarktanalyst von HQ Trust berechnete in seiner neuen Untersuchung, wie konzentriert verschiedene Sektor-Investments sind. Im Fokus stehen dabei die Gewichtungen der einzelnen Aktien innerhalb der Indizes. Als Maßzahl verwendet er den Gini-Koeffizienten: Dessen Wert kann grundsätzlich zwischen null und eins liegen, wobei null für absolute Gleichheit steht – in diesem Fall sind alle Titel gleich gewichtet. Eins steht für maximale Ungleichheit. In einem solchen Fall dominiert eine Aktie den gesamten Index. Als Faustregel gilt: Je höher die Zahl, desto stärker konzentriert ist das Investment.

Sebastian Dörrs Analyse umfasst die breit gestreuten Aktienindizes MSCI USA sowie MSCI Europa und die elf dazugehörigen Sektorindizes. Um den aktuellen Stand des Gini-Koeffizienten einordnen zu können, vergleicht der Analyst ihn mit den Werten der vergangenen 27 Jahre – seit dem Jahr 1998.

  • „Der Gini-Koeffizient ist in den USA mit aktuell 0,69 sehr nah an seinem Hochpunkt aus dem Jahr 2000 – rund um das Platzen der Dotcom-Bubble.“
  • „In Europa befindet sich das Maß der Ungleichheit mit 0,58 aus historischer Sicht eher im niedrigen Bereich. Am geringsten war es mit 0,54 rund um den Jahresstart 2021.“
  • „Somit wird die derzeitige Indexentwicklung im MSCI USA stärker von einigen wenigen Schwergewichten bestimmt, während sich die Marktkapitalisierung im europäischen Pendant etwas breiter verteilt.“

So konzentriert sind Sektor-Investments in den USA:

 

  • „Lediglich drei der elf Sektoren weisen aktuell eine höhere Konzentration der Einzeltitelgewichte auf als der Gesamtindex: Technologie, Kommunikation und zyklischer Konsum.“
  • „In allen drei Sektoren, die jeweils Titel der sogenannten Magnificent 7 enthalten, liegt der Gini-Koeffizient derzeit nahe der historischen Höchststände.“
  • „Besonders niedrig ist der Gini-Koeffizient – aktuell und historisch – bei den Materialien, den Immobilienwerten und den Versorgern.“

So konzentriert sind Sektor-Investments in Europa:

  • „Keiner der elf europäischen Sektoren ist derzeit so konzentriert wie der MSCI USA.“
  • „Vergleichsweise hoch ist der Gini-Koeffizient im Sektorvergleich in den Bereichen Gesundheit, Technologie und Energie. Sehr niedrig ist der Wert bei den Immobilienunternehmen.“

 

Was Sebastian Dörr Anlegerinnen und Anlegern rät:

  • „Bevor Anleger in einen Sektor-ETF investieren, sollten sie bedenken, inwiefern die Performance des Index von vielen Titeln getragen wird oder ob wenige große Unternehmen das Bild dominieren.“
  • „Allerdings sollten sie kein pauschales Urteil fällen: Ein niedriger Gini-Koeffizient ist nicht automatisch besser als ein hoher Wert: Er kann beispielsweise darauf hinweisen, dass der Sektor keine dominierenden Marktführer hat.“
  • „Investoren sollten zudem sektorspezifische Unterschiede beachten: Während eine ungleiche Verteilung der Einzeltitelgewichte in Technologie und Kommunikation durch Marktführer-Dynamiken erklärbar sind, bieten andere Bereiche etwa Versorger gleichmäßigere Gewichtungen.“
  • „Anleger sollten die Konzentration innerhalb eines Sektors daher im Kontext ihres gesamten Portfolios betrachten.“

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