“Aktive ETFs sind eine logische Weiterentwicklung des Marktes”

ETFs sind längst fester Bestandteil vieler Portfolios. Wohin entwickelt sich der Markt? Was ist von aktiven ETFs zu halten? Viele Fragen beantwortet von Richard Schmidt, Head of Portfolio Management, DJE Kapital AG.
27. März 2026
Richard Schmidt - Foto: Copyright DJE Kapital AG

ETFs sind längst fester Bestandteil vieler Portfolios. Wohin entwickelt sich der Markt? Was ist von aktiven ETFs zu halten? Viele Fragen beantwortet von Richard Schmidt, Head of Portfolio Management, DJE Kapital AG.

INTELLIGENT INVESTORS: Der ETF-Markt ist längst erwachsen. Seit mittlerweile mehr als 25 Jahren gibt es ETFs im europäischen Markt. Welche Bedeutung hat Deutschland generell im europäischen ETF-Konzert?

Richard Schmidt: Mit einer Größe von rund 500 Mrd. Euro und über 5 Millionen aktiven Sparplänen spielt Deutschland eine zentrale Rolle im europäischen ETF-Markt. Wir sehen hier eine besonders hohe Dynamik auf der Nachfrageseite, getrieben durch eine wachsende Aktienkultur und den strukturellen Wandel hin zur privaten Altersvorsorge. Gleichzeitig ist Deutschland ein Innovationsmarkt für Vertriebsmodelle – insbesondere durch Neobroker und digitale Plattformen. Das führt dazu, dass Trends häufig hier früh sichtbar werden und sich dann europaweit fortsetzen.

II: Die Zahl der Wertpapierdepots als auch die der ETF-Sparpläne ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Worauf führen Sie das zurück?

Schmidt: Das ist im Kern eine Kombination aus drei Faktoren: Erstens das anhaltende Niedrig- bzw. reale Negativzinsumfeld der vergangenen Jahre, das klassische Sparformen wie Sparbuch, Girokonto oder Sparbrief unattraktiver gemacht hat. Zweitens die zunehmende Digitalisierung, die den Zugang zum Kapitalmarkt massiv vereinfacht und Kosten gesenkt hat. Und drittens ein gestiegenes Bewusstsein für Vermögensaufbau – insbesondere bei jüngeren Anlegern. ETFs sind hier ein niedrigschwelliger Einstieg.

II: Und das Wachstum geht breit über alle Kundenschichten?

Schmidt: Ja, und das ist eine der spannendsten Entwicklungen. Während ETFs früher stark von selbstentscheidenden, eher finanzaffinen Anlegern genutzt wurden, sehen wir heute eine breite Durchdringung – vom Berufseinsteiger bis hin zum vermögenden Privatkunden. Auch im beratungsnahen Geschäft und bei institutionellen Investoren spielen ETFs eine zunehmende Rolle, etwa zur taktischen Allokation oder Liquiditätssteuerung. Der Markt wird damit umfassender und reifer – und genau in diesem Umfeld gewinnen auch differenziertere, aktive Ansätze an Bedeutung

II: Welche Trends machen Sie aktuell am ETF-Markt aus?

Schmidt: Wir beobachten mehrere Trends:
Zum einen eine stärkere Differenzierung innerhalb des ETF-Segments – weg vom reinen Markt-Beta hin zu Themen, Faktoren und spezialisierten Strategien.
Zum anderen gewinnt Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung, auch wenn sich hier die Erwartungen zuletzt etwas normalisiert haben.
Und drittens sehen wir eine zunehmende Verschmelzung von passiven und aktiven Elementen – etwa durch regelbasierte Strategien mit aktiven Komponenten.

II: Stichwort aktive ETFs, die sind stark im Kommen. Wie sehen Sie das aus Marktsicht und wo eignen sich aktive ETFs im Besonderen?

Schmidt: Aktive ETFs sind eine logische Weiterentwicklung des Marktes. Sie verbinden die Transparenz und Handelbarkeit von ETFs mit aktivem Management.

Für uns sind aktive ETFs ein konsequenter nächster Schritt, um unsere bewährte aktive Investmentphilosophie in ein modernes, börsentäglich handelbares Format zu überführen. Wir sehen darin keine Abkehr vom klassischen Fondsmanagement, sondern eine sinnvolle Ergänzung, die neue Anlegergruppen erschließt.

Mit Blick auf unsere Strategien verfolgen wir einen klar differenzierten Ansatz:

  • Europa-ETF: Hier sehen wir besonders viele Ineffizienzen, vor allem im Mid- und Small-Cap-Bereich. Unser aktiver Ansatz kann hier durch fundamentale Analyse und selektives Stock-Picking echten Mehrwert liefern.
  • USA-ETF: Der US-Markt ist zwar sehr effizient, aber stark von wenigen Mega-Caps dominiert. Ein aktiver ETF kann hier gezielt diversifizieren, Klumpenrisiken reduzieren und alternative Wachstumsquellen erschließen.
  • Geplanter Asien-ETF: Das ist aus unserer Sicht ein Paradebeispiel für aktives Management. Unterschiedliche Marktstrukturen, regulatorische Eingriffe und Informationsineffizienzen schaffen ein Umfeld, in dem aktives Research entscheidend ist.

Unser Ziel ist es, Anlegern Zugang zu diesen Märkten zu geben – kombiniert mit unserer langjährigen Erfahrung in der aktiven Steuerung von Chancen und Risiken.

II: Man hört und liest viel über die Dynamik im ETF-Markt. Wie wichtig sind Innovationen und Zusammenarbeit für das künftige Wachstum? Was haben Sie sich vorgenommen?

Schmidt: Innovation ist ein zentraler Treiber im ETF-Markt – sowohl auf Produkt- als auch auf Vertriebsseite. Gleichzeitig wird Zusammenarbeit zunehmend entscheidend, um Skalierbarkeit, Effizienz und Qualität für den Anleger sicherzustellen.

Ein wesentlicher Baustein unserer Strategie ist daher die Partnerschaft mit der DWS Group. Durch diese Kooperation verbinden wir unsere aktive Investmentkompetenz mit der etablierten ETF-Infrastruktur und Kapitalmarktexpertise eines der führenden europäischen Anbieter.

Für Anleger bedeutet das konkret: hohe Liquidität, enge Spreads und eine zuverlässige, schnelle Ausführung – also genau die Eigenschaften, die im ETF-Segment entscheidend sind.

Wir sehen unsere aktiven ETFs dabei nicht als Ersatz, sondern als gezielte Ergänzung eines ETF-Portfolios. Ein mögliches Setup könnte sein:

  • Kernportfolio: breite, traditionelle Index-ETFs, beispielsweise auf den MSCI World
  • Satelliten: aktive ETFs wie unsere, die gezielt Alpha generieren und Risiken steuern sollen

Gerade in Märkten wie Asien oder in bestimmten Segmenten Europas kann der aktive Anteil dabei einen spürbaren Unterschied machen. Und das umso mehr bei perfekter Ausführung und Handelbarkeit.

II: Abschließend – zuletzt entfachte die Diskussion um Provisionen auf ETF-Bestände, (um den Brokern Erlöse zu bescheren). Wie stehen Sie hierzu?

Schmidt: Das ist ein sensibles Thema. Grundsätzlich sollte Transparenz für den Anleger oberste Priorität haben. Wenn Provisionen gezahlt werden, müssen diese klar offengelegt werden, damit keine Fehlanreize entstehen.

Langfristig halten wir ein Modell für sinnvoll, bei dem Kosten und Leistungen sauber getrennt sind – also eine klare Honorierung von Beratung und eine ebenso klare Preisstruktur bei Produkten. Das stärkt das Vertrauen und ist im Interesse eines funktionierenden Kapitalmarkts.

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