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Großbritannien leidet. Nicht nur unter Corona, sondern auch und insbesondere durch den Brexit. Infolge dessen standen britische Aktien und Anleihen lange unter Druck. Was spricht jetzt für „Buy British“?
18. Februar 2021
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Großbritannien leidet. Nicht nur unter Corona, sondern auch und insbesondere durch den Brexit. Infolge dessen standen britische Aktien und Anleihen lange unter Druck. Was spricht jetzt für „Buy British“?

Das dann doch noch in allerletzter Sekunde ausgehandelte Abkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union regelt den gegenseitigen Marktzugang für Güter. Jetzt gibt es wieder Zollschranken und unzählige nicht-tarifäre Importbeschränkungen. Bezüglich der mindestens genauso wichtigen Dienstleistungen wurde noch nichts vereinbart. Möglicherweise wird es hier neue bilaterale Abkommen geben, die insbesondere Finanzdienstleistungen regeln werden. Insgesamt dürfte die britische Wirtschaft hiervon stärker geschwächt werden als die der EU.

Die Unsicherheit ist raus

Bei allen negativen Folgen aber dürfte für die Zukunft des britischen Finanzmarktes die Tatsache viel entscheidender sein, dass mit dem Brexit-Deal die jahrelange Unsicherheit über das Wie und Wann des Austritts aus dem Markt verschwunden ist und es Großbritannien nun auch selbst in der Hand hat, unter welchen Bedingungen es mit Ländern außerhalb der Europäischen Union Handel betreiben will. Auf lange Sicht könnte der Brexit damit zu stärkeren Beziehungen zu globalen Handelspartnern wie China, Indien oder den USA führen.

Besseres Impf-Management

Zudem managt die britische Regierung die Corona-Krise seit der Zulassung von Impfstoffen besser als die Europäische Union. Sie hat nicht nur rechtlich bessere Verträge mit den Pharmafirmen ausgehandelt, sondern auch frühzeitig mehr Impfdosen pro Kopf (besser: pro Arm) bestellt. Bis jetzt wurde im Vereinigten Königreich bereits ein knappes Viertel der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, während die EU noch nicht einmal fünf Prozent erreicht hat. Großbritannien sollte deshalb wesentlich schneller den Status der Herdenimmunität erreichen und so auch schneller zu einem wieder halbwegs normalen Wirtschafts‑, Sozial- und Kulturleben zurückkehren als viele andere Länder.

Günstige Aktienbewertung

Auch deshalb gehen wir davon aus, dass Großbritannien schon in den kommenden Monaten einen kräftigen zyklischen Aufschwung erleben wird – und damit wichtige Monate früher als die Europäische Union. Es ist deshalb auch wenig überraschend, dass sich in den vergangenen Monaten nicht nur der Kurs des Pfunds erholt hat, sondern dass auch der britische Aktienmarkt seine lange Phase der Underperformance zunächst beendet hat. Hierbei profitiert die Londoner Börse auch von den Listings prominenter Energie- und Bergbauunternehmen. Trotz dieser jüngsten Erholung ist der britische Aktienmarkt immer noch moderat bewertet. Mit einem Forward PE von derzeit 13,5 ist er beispielsweise gegenüber Deutschland mit 15,7 oder den USA mit 22,4 relativ günstig.

Britische Anleihen wieder gefragt

Zudem rückt mit dem anziehenden Außenwert des Pfunds und steigenden Renditen nun auch der britische Anleihemarkt wieder ins Visier der Anleger. Alles in allem war und ist der Brexit ein deutlicher Einschnitt in den Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU, die damit auch ein fester Bestandteil in den zukünftigen Investitionsentscheidungen bleiben werden. Für zukünftige Markttrends ist es aber zunächst einmal wichtiger, dass man bis zum Ende des vergangenen Jahres mit einem noch schlechteren Ergebnis der Verhandlungen hatte rechnen müssen und der neue Modus nun Klarheit schafft, wo vorher große Unsicherheit herrschte. (ah)

Kommentar von Dr. Adolf Rosenstock, volkswirtschaftlicher Berater MainSky Asset Management

Foto: © belyaaa — stock.adobe.com

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