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Die weltweiten High-Yield-Märkte werden auch in 2021 von einer lockeren Geldpolitik sowie fiskalischen Anreizen und den Fortschritten bei der Impfstoff-Entwicklung profitieren. Gleichzeitig rücken jedoch auch wieder die Fundamentaldaten von Unternehmen in den Vordergrund. Nicht zuletzt, weil die Tragfähigkeit der Schuldensituation höchste Priorität haben wird, meint Nicolas Jullien, Head of High Yield & Credit Arbitrage und Deputy Global Head of Credit beim europäischen Assetmanager Candriam. Langfristige Trends wie Klimawandel, Digitalisierung und Deglobalisierung werden diesen Effekt weiter beschleunigen.
5. Januar 2021
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Die weltweiten High-Yield-Märkte werden auch in 2021 von einer lockeren Geldpolitik sowie fiskalischen Anreizen und den Fortschritten bei der Impfstoff-Entwicklung profitieren. Gleichzeitig rücken jedoch auch wieder die Fundamentaldaten von Unternehmen in den Vordergrund. Nicht zuletzt, weil die Tragfähigkeit der Schuldensituation höchste Priorität haben wird, meint Nicolas Jullien, Head of High Yield & Credit Arbitrage und Deputy Global Head of Credit beim europäischen Assetmanager Candriam. Langfristige Trends wie Klimawandel, Digitalisierung und Deglobalisierung werden diesen Effekt weiter beschleunigen.

 High-Yield-Anleihen in 2021: von Liquidität zu mehr Nachhaltigkeit?

Anfang 2020 waren zahlreiche Emittenten von Unternehmensanleihen weltweit aufgrund von COVID-19-Lockdowns mit ernsten Liquiditätsproblemen konfrontiert. Regierungen und Zentralbanken reagierten darauf in noch nie dagewesenem Ausmaß. Mithilfe einer akkommodierenden Geldpolitik und fiskalischen Anreizen leisteten sie praktisch unbegrenzt Unterstützung. Dank massiver Lockerungen und Anleihen-Ankaufprogrammen, darunter Staatsanleihen, Investment-Grade-Anleihen und sogar High-Yield-Anleihen, konnten die Zentralbanken Liquidität in den Markt pumpen und sich als Käufer und Kreditgeber der ersten Wahl und letzten Instanz etablieren.

Ausgleich für erstarrte Cashflows
Aufgrund dieses wichtigen Rückhalts konnten sich Unternehmen zusätzliches Fremdkapital beschaffen – bezahlbar gemacht durch staatliche Garantien oder die Politik der Zentralbanken – und so einen Ausgleich für die bei ihren Cashflows herrschende Starre erzeugen. Tatsächlich haben Emittenten von High-Yield-Anleihen in den USA und Europa in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 ungeachtet ihrer Fundamentaldaten und ihres Bilanzstatus in großer Menge Schuldtitel begeben. Dies trug zwar zur kurzfristigen Abflachung der Zahlungsausfall-Kurve bei, verhinderte aber nicht die Verschlechterung der Bonität und entsprechende Herabstufungen. Denn schließlich bieten Liquiditätsspritzen der Zentralbanken keine Umsatz- oder Gewinngarantien. Besonders in einem Markt, der angesichts von Einschränkungen und sozialer Distanzierung gewaltige Schwierigkeiten für die operative Effizienz und die Produktivität in sich birgt.

In diesem Jahr dürften die High-Yield-Märkte weiter von der hohen Liquidität profitieren. Gleichzeitig dürften es Impfstoff-Entwicklungen und fiskalische Anreize ermöglichen, über kurzfristige Verschlechterungen der Fundamentaldaten hinausgehende Betrachtungen anzustellen und die Konzentration auf die Wiederöffnung der Volkswirtschaften ab dem zweiten Quartal 2021 zu richten.

Fokus 2021: Tragfähigkeit der Schuldensituation
Zu beachten ist jedoch, dass ein Teil dieses positiven „Wohlfühl-Szenarios“ bereits in den Preisen berücksichtigt ist. Davon zeugt die Verringerung der Spreads und Renditen in den letzten Monaten. Im Zuge der allmählich nachlassenden Wirkung von fiskalischen und staatlichen Anreizen werden die Fundamentaldaten und unsystematischen Risiken voraussichtlich in den Vordergrund treten und an die Stelle einer von der Liquidität bestimmten Rallye wird wahrscheinlich ein Umfeld treten, in dem die Tragfähigkeit der Schuldensituation höchste Priorität hat.

Langfristige Trends wie Klimawandel, Digitalisierung und Deglobalisierung sind zwar bereits seit Jahren präsent. Durch die COVID-Krise haben sie aber eine dramatische Beschleunigung erfahren und ihre Auswirkungen verstärkt. In der Folge ist das Umfeld für Unternehmen noch schwieriger und disruptionsanfälliger geworden, da sie sich gezwungen sahen, ihre Geschäftsmodelle zu überarbeiten und strukturelle Veränderungen durchzuführen. Die Unternehmen mussten beträchtliche Ressourcen in den digitalen Wandel investieren und haben disruptive Entwicklungen in Sektoren wie dem Einzelhandel, im Bereich Gewerbeimmobilien und in der Reisebranche dadurch verstärkt. Einmal mehr ist die Globalisierung stark hinterfragt worden und Unternehmen mussten ihre Lieferketten umgestalten. Der Technologiebereich hat uns das Leben in Zeiten der Pandemie erträglich gemacht und dadurch bestätigt, was für eine entscheidende Rolle er in Zukunft spielen wird. Um die Führungsrolle auf diesem Gebiet werden sich die USA und China einen harten Kampf liefern. Und schließlich wird der Fokus der Welt auf den Klimawandel bedeutende Veränderungen in allen Bereichen des Konsumverhaltens erfordern. Dabei ist zu erwarten, dass der Energiesektor, die Automobilbranche und die Versorger sich im Laufe der nächsten zehn Jahre neu erfinden werden.

Große Chancen für starke Emittenten
Diese strukturellen Megatrends werden dauerhafte Auswirkungen haben und in vielen Unternehmens-Sektoren für beträchtliche Disruption sorgen. Der High-Yield-Markt wird davon besonders betroffen sein, wenn man bedenkt, dass die Fremdkapitalanteile hoch sind und dieser Markt Konkursen, Zahlungsverzug und Zahlungsausfällen stark ausgesetzt ist. Aus der angesprochenen Disruption werden sich aber große Chancen für diejenigen Emittenten ergeben, die in der Lage sind, sich den gestellten Herausforderungen erfolgreich anzupassen. Wobei die Tragfähigkeit der Schuldensituation für viele Akteure zu einer wichtigen Frage wird – in der Folge wird es klare Gewinner und Verlierer geben.

Investoren sollten ein hohes Maß an Sorgfalt walten lassen, damit sie sich für die richtigen Chancen entscheiden. Aktives Management und Selektivität auf der Grundlage von Bottom-up-Research sind unerlässlich. Zudem wird es erforderlich sein, dass die herkömmliche Analyse durch einen stärkeren Fokus auf Themen wie Governance ergänzt wird – eine wichtige Messgröße bei der Beurteilung der Anpassungsfähigkeit eines Geschäftsmodells. Die Analyse sozialer Faktoren wird an Bedeutung gewinnen, denn angesichts einer zunehmenden Deglobalisierung wird die Interaktion eines Unternehmens mit seiner Belegschaft und mit der Gesellschaft wesentlich sein. Und schließlich: Die Folgen der Regulierung im Zusammenhang mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen auf Sektoren und Emittenten müssen bei der Analyse ausgiebig in Erwägung gezogen werden. Diese Aspekte werden sich unmittelbar auf die Kreditwürdigkeit der Emittenten und ihre Fähigkeit auswirken, ihre Schulden mittel- bis langfristig zurückzuzahlen. (ah)

Foto: © JackF — stock.adobe.com

 

 

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