„Aktuell hängt die Performance verstärkt vom Sentiment ab“

29. September 2026
Benjamin Lorenz - Foto: Copyright Partners Group

Wie hat sich das Segment für Listed-Private-Equity im bisherigen Jahresverlauf entwickelt? Wie schaut es mit der Bewertung aus? Nach welchen Kriterien werden die Unternehmen selektiert? Welche Rolle kann Listed-Private-Equity in einem diversifizierten Portfolio spielen? Benjamin Lorenz, Senior Portfoliomanager bei der Partners Group, geht im Gespräch auf diese und weitere Aspekte ein.

INTELLIGENT INVESTORS: Wie hat sich das Marktumfeld für Listed-Private-Equity im bisherigen Jahresverlauf entwickelt?

Benjamin Lorenz: Verglichen mit dem breiten Aktienmarkt hat sich Listed-Private-Equity im bisherigen Jahresverlauf schlechter entwickelt. Während alternative Vermögensverwalter über die letzten zwölf Monate ihre Produktpalette stark erweiterten, neue Fonds lancierten und Neugelder in Rekordhöhe einsammeln konnten, haben die Aktienkurse nachgegeben. Ein Treiber dieser Entwicklung war der Software-Sektor. Dieser war in der jüngsten Vergangenheit besonders beliebt und zog vermehrt Kapital an. Investoren hinterfragen, inwiefern KI die Geschäftsmodelle von Softwarefirmen beeinträchtigen kann.

II: Welche Faktoren bestimmen derzeit die Performance von Listed-Private-Equity-Unternehmen?

Lorenz: Aktuell hängt die Performance verstärkt vom Sentiment ab und weniger von der fundamentalen Entwicklung der Portfoliofirmen. Während sich die zugrunde liegenden Firmen positiv entwickeln, ist jüngst das Sentiment für Listed-Private-Equity gedämpft. Dabei betrifft dies nur eines von zwei großen Segmenten von Listed-Private-Equity, nämlich alternative Vermögensverwalter. Das andere Segment, Private-Equity-Vehikel, entwickelt sich erfreulich und profitiert von organischem Wachstum seiner zugrunde liegenden Portfoliofirmen sowie selektiv von Aktienrückkäufen.

II: Die Bewertungen an den öffentlichen Aktienmärkten sind vielerorts hoch. Macht das Listed-Private-Equity im Vergleich attraktiver oder weniger attraktiv?

Lorenz: Das ist ein sehr interessanter Punkt, denn die Bewertungen des breiten Aktienmarktes und die des Segments Listed-Private-Equity haben sich jüngst entgegengesetzt entwickelt. Die Kurse am breiten Aktienmarkt haben sich positiv entwickelt und sind ihren Fundamentaldaten vorausgelaufen, was zu erhöhten Bewertungen geführt hat. Bei Listed-Private-Equity sieht dies anders aus. Die Fundamentaldaten haben sich positiv entwickelt, aber die Aktienkurse reflektieren dies noch nicht, wodurch die Bewertungsniveaus attraktiver wurden. So konnten alternative Vermögensverwalter die eingesammelten Kundengelder weiter steigern. Private-Equity-Vehikel hingegen konnten ihren Nettoinventarwert (NIW) weiter steigern. Viele dieser Vehikel handeln jedoch zu Abschlägen von 30 bis 40 %. Dies macht Aktienrückkäufe interessant, denn mit jeder Aktie, die unter ihrem Nettoinventarwert zurückgekauft wird, erhöht sich der Nettoinventarwert pro Aktie weiter.

II: Sind die aktuellen Bewertungen von Listed-Private-Equity-Unternehmen aus Ihrer Sicht attraktiv oder ist ein Großteil der positiven Entwicklung bereits eingepreist?

Lorenz: Aus unserer Sicht sind die Bewertungen sehr attraktiv. In unserem Fonds gibt es zwei große Segmente: alternative Vermögensverwalter und Private-Equity-Vehikel. Beide Segmente sind, gemessen an langfristigen Bewertungskennziffern sowie unter Berücksichtigung der Wachstumsaussichten, günstig bewertet.

II: Welche Rolle kann Listed-Private-Equity in einem diversifizierten Portfolio spielen?

Lorenz: Listed-Private-Equity kann als ‚Diversifier‘ oder als ‚Renditetreiber‘ eingesetzt werden. Große Indizes wie beispielsweise der MSCI World haben aktuell hohe Allokationen zu Technologie (31 %), Industrieunternehmen (12 %) sowie Gesundheitsunternehmen (9 %). Es besteht eine geringe Überlappung mit dem MSCI World. Unternehmen im Fonds haben zusammengenommen eine Allokation von 1,5 bis 2,0 % im MSCI World. Der MSCI World hat ein Exposure von 16 % zum Finanzsektor, aber hier unterscheiden sich die zugrunde liegenden Geschäftsmodelle stark von Listed-Private-Equity. Im Index sind klassische Banken enthalten, wie beispielsweise JP Morgan Chase, Bank of America oder HSBC. Das Geschäftsmodell ist jeweils das gleiche. Man investiert langfristig, z. B. in Hypotheken oder Firmenkredite, finanziert sich selbst aber kurzfristig, beispielsweise durch kurzfristige Einlagen. Man profitiert davon, dass langfristige Anlagen höhere Zinsen abwerfen als kurzfristige Einlagen, nimmt aber das Risiko in Kauf, dass die Laufzeiten unterschiedlich sind, d. h., man finanziert langfristige Investments kurzfristig und hofft, dass die Kunden ihre Tagesgelder bei der Bank belassen und so die langfristigen Hypotheken oder Firmenkredite finanzieren. Bei Listed-Private-Equity ist dies anders. Hier werden langfristige Investitionen in das Eigenkapital von nicht börsennotierten Unternehmen mit langfristigen Fonds finanziert. Die Laufzeiten sind hier gleich. Das Segment kann ebenfalls als Renditetreiber eingesetzt werden. Über die letzten zehn Jahre hat es den breiten Aktienmarkt um ca. 2,1 % pro Jahr geschlagen, aber auch eine höhere Volatilität aufgewiesen. Wichtig ist hierbei, dass Investoren einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont mitbringen, um von den höheren erwarteten Renditen zu profitieren.

II: Nach welchen Kriterien wählen Sie Unternehmen für Ihr Portfolio aus?

Lorenz: Wir verfolgen einen fundamentalen Investmentansatz und haben einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont. Jedes Unternehmen wird eingehend analysiert, und es werden Unternehmensbewertungen erstellt. In einem Investmentkomitee werden dann alle Unternehmen vorgestellt und diskutiert. Letztendlich wird die Entscheidung getroffen, ob in das jeweilige Unternehmen investiert wird und, falls ja, welche Gewichtung das Unternehmen in unserem Fonds erhält.

II: Welche Regionen und Branchen haben Sie derzeit besonders im Fokus?

Lorenz: Alternative Vermögensverwalter sind wegen begrenzter Kapitalrückgaben derzeit oft im Gespräch. Hier sehen wir weiterhin Chancen. Denn während die Aktienkurse aller Vermögensverwalter Probleme hatten, sind die verschiedenen Manager sehr unterschiedlich exponiert. Wir analysieren hier vor allem, wie stark die Firmen von den jeweiligen Anlageklassen und Investorentypen, d. h. Retail vs. institutionell, abhängig sind.

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