Was treibt die Verwahrstellen im laufenden Jahr um? Sicherlich ist die zunehmende Digitalisierung der Prozesse ein fortwährendes Projekt. Dr. Holger Sepp, Vorstandsmitglied bei Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG und verantwortlich für das Asset Servicing, stand für ein Gespräch zur Verfügung.
INTELLIGENT INVESTORS: Herr Dr. Sepp, die Zahl der Verwahrstellen in Deutschland ist rückläufig; große Anbieter dominieren den Markt. Wie positionieren Sie sich im Verwahrgeschäft?
Dr. Holger Sepp: Der Verwahrstellenmarkt in Deutschland durchläuft derzeit eine deutliche Konsolidierungsphase, das stimmt. In diesem Umfeld positionieren wir uns mit bei Hauck Aufhäuser Lampe mit einer klaren Strategie: Wir legen sehr viel Wert auf persönliche Beratung und individuelle Lösungen und nicht auf Massengeschäft. Mit der ABN AMRO Bank als neue Eigentümerin werden wir diesen Ansatz international ausbauen. Dazu zählen Cross-Border-Aktivitäten zusammen mit unserer neuen Mutter und die Ausweitung unserer Leistungen auf die konzernweiten Kunden der Bank. Die Kombination aus individueller Betreuung und internationaler Ausrichtung unterscheidet uns von den großen, stark standardisierten Anbietern.
II: Welche Themen dominieren aktuell den Markt der Verwahrstellen?
Dr. Sepp: Drei Entwicklungen prägen derzeit unsere Branche besonders: Da wären zunächst die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen. Die Anforderungen an Effizienz und Geschwindigkeit bei hoher Kostenkontrolle steigen kontinuierlich. Zudem verschärft sich der Margendruck durch die bereits angesprochene Marktkonzentration erheblich. Kleinere Anbieter werden zunehmend vom Markt gedrängt, während die verbleibenden Akteure um attraktive Mandate konkurrieren. Das dritte und sehr spannende Thema sind Digital Assets und Crypto Custody. Wir sind dort sehr gut aufgestellt für das große Interesse an diesem Bereich, unter anderem per MiCA-Lizenz. So können wir unseren Kunden das gesamte Spektrum von der klassischen Verwahrung bis zur Kryptoverwahrung anbieten. Hinzu kommt die laufende Anpassung an neue regulatorische Anforderungen.
II: Kürzlich warteten Sie mit der Meldung eines Großmandats (Siemens) auf. Wie wichtig sind solche Großaufträge?
Dr. Sepp: Das Vertrauen der Siemens Fonds Invest freut uns sehr. Und das gleich aus mehreren Gründen: Gerade in einem konzentrierten Markt sind solche Mandate von enormer Bedeutung, denn sie bestätigen die Qualität unserer Services und sind ein klares Zeichen für weitere institutionelle Investoren. Was den Unterschied macht, sind nach unserer Auffassung persönliche Ansprechpartner und maßgeschneiderte Lösungen. Gerade bei komplexen Fondstrukturen oder spezifischen Asset-Klassen ist diese Flexibilität entscheidend.
II: Viele heben auf die Chancen der Digitalisierung ab. Was bringt sie Verwahrstellen?
Dr. Sepp: Die Digitalisierung ermöglicht uns, wie schon angesprochen, deutlich effizientere Prozesse bei gleichzeitiger Verbesserung der Datenqualität und ‑transparenz. Konkret bedeutet das: schnellere Transaktionsabwicklung, automatisierte Anlagegrenzkontrollen, Echtzeit-Reporting für unsere Kunden und reduzierte manuelle Fehlerquellen. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung völlig neue Geschäftsfelder: Mit elektronischen Wertpapieren nach dem eWpG sowie Kryptofondsanteilen gemäß KryptoFAV bedienen wir Märkte, die vor wenigen Jahren noch nicht existierten. Die Blockchain-Technologie revolutioniert die Art und Weise, wie Vermögenswerte emittiert, verwahrt und administriert werden.
II: Die Distributed-Ledger-Technologie treibt viele Unternehmen um. In welchen Segmenten beschäftigen Sie sich mit der Blockchain-Technologie? Welche Anwendungsmöglichkeiten erscheinen hierfür attraktiv?
Dr. Sepp: Wir sehen Blockchain als eine Schlüsselinnovationen in der Finanzbranche. Sie ermöglicht die Optimierung bestehender Prozesse und eröffnet neue Anwendungsfelder. Wir setzen die Technologie insbesondere in mehreren Bereichen ein: für die Emission und Verwaltung digitaler Wertpapiere nach dem elektronischen Wertpapiergesetz, für Kryptofondsanteile nach der KryptoFAV-Verordnung und für die qualifizierte Kryptoverwahrung nach KWG auf nationaler Ebene sowie über unsere MiCA-Lizenz auf europäischer Ebene. Die Kombination dieser Funktionen mit unserem etablierten Service- und Produktportfolio ermöglicht es uns, als ‚One-Stop-Shop‘ die gesamte Wertschöpfungskette digitaler Assets abzudecken. Die Vorteile liegen auf der Hand: Steigerung der Effizienz, hohe Transparenz und Sicherheit durch unveränderliche Aufzeichnungen sowie die Erschließung neuer, technologieaffiner Kundengruppen. Emittenten und Kapitalverwaltungsgesellschaften können mit uns innovative Produktstrukturen am Kapitalmarkt realisieren, die mit konventioneller Technologie nicht oder nur mit erheblichem Aufwand möglich wären.
II: Welche Folgen hat die fortschreitende Technologisierung für klassische Verwahrstellen?
Dr. Sepp: Die Technologisierung zwingt Verwahrstellen zu weitreichenden und fortlaufenden Anpassungen. Sie führt sie zu einer weiteren Standardisierung der Kernprozesse, Stichwort Margendruck. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Cyber- und IT-Sicherheit massiv. Die MiCA-Verordnung und ähnliche Regularien schreiben mittlerweile detaillierte technische Standards vor, deren Umsetzung erhebliche Investitionen erfordert. Verwahrstellen, die diese Transformation nicht bewältigen, werden mittelfristig vom Markt verschwinden. Auch das ist ein Grund für die bestehende Konsolidierung im Markt. Bei Hauck Aufhäuser Lampe haben wir diese Entwicklung antizipiert und verfügen heute über eine zukunftsfähige technologische Basis insbesondere in Form einer vollständigen Digital-Asset-Infrastruktur.
II: Was dürfen wir von Ihrem Hause im laufenden Jahr an neuen Errungenschaften und Projekten erwarten?
Dr. Sepp: 2026 wird für uns ein Jahr der Integration und Internationalisierung. Wir werden künftig als Asset Servicing-Bank der ABN AMRO agieren und unser Leistungsspektrum für die Kunden unserer neuen Mutter öffnen. Im Gegenzug können wir unseren bestehenden Kunden Services im internationalen Maßstab bieten. Gleichzeitig bauen wir unsere Produktpalette im Bereich der Digital Assets, nachhaltiger Investments und alternativer Asset-Klassen weiter aus. Worauf wir uns dieses Jahr aber besonders freuen, sind wieder die zahlreichen Eventformate, bei denen wir mit unseren Kunden zusammenkommen. Das ist technisch nicht zu ersetzen. Insgesamt sehe ich uns mit dieser Kombination aus Internationalität, Digitalisierung und unverändert persönlichen Services bestens aufgestellt.




